Fall Omnisec
Die USA wussten, was Schweizer Diplomaten planten

Nicht nur die militärischen Kommunikationsnetze sind mit Produkten der Firma Omnisec verschlüsselt. Auch die Schweizer Diplomatie setzte während 15 Jahren auf jene Firma, die von ausländischen Geheimdiensten unterwandert war.

Stefan Schmid
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Die Schweizer Botschaft in Berlin: Wurde sie auch abgehört?

Die Schweizer Botschaft in Berlin: Wurde sie auch abgehört?

Christian Beutler / KEYSTONE

Die Schweizer Firma Omnisec produzierte bis 2017 Verschlüsselungssysteme für Kommunikationsnetze. Sie galt lange als zuverlässige Schweizer Firma, deren Produkte abhörsicher waren.

Abnehmerin von Omnisec war auch die Schweizerische Eidgenossenschaft, darunter das Verteidigungsdepartement VBS und die Geheimdienste SND und DAP. Recherchen von CH Media zeigen nun, dass Omnisec-Verschlüsselungsgeräte auch im Funknetz der Schweizer Diplomatie eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Sache ist brisant, denn Omnisec war von ausländischen Geheimdiensten, allen voran der amerikanischen National Security Agency (NSA) unterwandert.

Bis 2015 wurden die Verbindungen des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in Bern zu zahlreichen Schweizer Botschaften im Ausland mittels Kurzwellen-Botschaftsfunk sichergestellt. Diese Funkverbindungen können weltweit abgehört werden. Sie müssen daher verschlüsselt werden. Von 1991 bis 2006 benutzte das EDA hierzu Omnisec-Verschlüsselungsgeräte des Typs TC-91, wie das Departement auf Anfrage bestätigt.

Gemäss der Geschäftsprüfungsdelegation des Parlaments (GPDel), welche den Geheimdienst beaufsichtigt und zur Zuger Spionagefirma Crypto im November einen Bericht publiziert hat, gab es Anfang der Nullerjahre mehrere Gespräche zwischen dem damaligen Chef des Strategischen Nachrichtendienstes und Samuel Schmid, Vorsteher des VBS. Thema: Die Qualität der Omnisec-Produkte. Dabei wurden gemäss GPDel die nötigen Massnahmen getroffen, um die Sicherheit der Kommunikationsnetze zu gewährleisten.

Das TC-91 der Firma Omnisec wurde daraufhin 2006 ausser Dienst gestellt. Offenbar sind die Behörden zum Schluss gelangt, es sei nicht sicher genug.

Die Schweizer Diplomatie als Opfer US-amerikanischer Spionage? Sicher ist das nicht, doch aufgrund der neusten Erkenntnisse zur Unterwanderung der Firma Omnisec durch ausländische Geheimdienste liegt dieser Schluss nahe. Zwischen 1991 und 2006 waren namentlich die USA (und wohl auch Deutschland, das geheimdienstlich eng mit den USA zusammenarbeitet) in der Lage, den Austausch zwischen Schweizer Diplomaten im Ausland und der EDA-Zentrale in Bern mitzuhören.

In diese Zeit fällt etwa die heftige Auseinandersetzung um nachrichtenlose jüdische Vermögen aus dem Zweiten Weltkrieg. Diese gipfelte nach massiven Drohungen aus den USA und langen Verhandlungen schliesslich in Entschuldigungen des Bundesrats und in Milliardenzahlungen der Schweizer Banken. In Europa standen nach dem Nein zum EWR von 1992 die Verhandlungen mit der EU über den Abschluss bilateraler Verträge im Zentrum der aussenpolitischen Bemühungen der Schweiz. Die Gespräche zogen sich jahrelang hin. Erst 1999 kam es zum erfolgreichen Abschluss.