Neo-SP-Nationalrat

Fabian Molina: der ehrgeizige Nachrücker, der nicht allen gefällt

Er will hoch hinaus: Neo-SP-Nationalrat Fabian Molina.

Er will hoch hinaus: Neo-SP-Nationalrat Fabian Molina.

Neo-SP-Nationalrat Fabian Molina (27) verfolgt seine Politkarriere zielstrebig. Das gefällt nicht allen.

Fabian Molina hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er gerne in den Nationalrat nachrücken würde. Nach dem Rücktritt von Tim Guldimann ist dieser Fall nun eingetroffen.
Sich ein politisches Amt herbeizusehnen, obwohl man eigentlich zu wenig Stimmen erhalten hat, kommt nicht überall gut an. Vor allem in einem Land, wo es zum guten Ton gehört, Ämter nur mit schmerzverzerrtem Gesicht auf sich zu nehmen. Bei der SVP, dem politischen Erzfeind Molinas, spricht man darum gerne von einem «Auftrag», den man vom Schweizervolk erteilt bekommen habe.

«Karrierist» und «mediengeil»

Molina tickt anders. Man merkt ihm die Freude über das Mandat an. Gut gelaunt empfängt er in einem Zürcher Kaffee zum Gespräch. Vorher und nachher spricht er in die Mikrofone von Radio SRF, «Blick», Tele Top und Fernsehen SRF. Die Philosophie- und Geschichtsvorlesungen mussten am Montag ohne ihn stattfinden. Und auch den Bachelor, der nach mehr als einem Dutzend Semestern ohnehin mit Verspätung unterwegs ist, verschiebt er noch einmal.

Nach all den Rücktritten in letzter Zeit tut es gut, einen 27-jährigen zu sehen, der sich nichts Besseres vorstellen kann, als seine Zeit im Nationalratssaal und in Kommissionszimmern zu verbringen. Und das, obwohl schon vor der Vereidigung gegiftelt wird. Bei manchem Genossen gilt Molina als «Karrierist» und als «mediengeil». Und es ist auch etwas dran. Er liess als Juso-Präsident 2014 die «Schweizer Illustrierte» in seine Dachkammer. Und als er seinen Studentenaustausch vorzeitig beendete, war das dem «Blick» eine Geschichte wert.

Auch dass er seine politische Karriere hartnäckig verfolgt, ist nicht von der Hand zu weisen. Molina ist ein politisches Stehaufmännchen. An einem Sonntag im März 2011 sass er laut einer Beobachterin «wie ein begossener Pudel» in der Jahresversammlung der Jungsozialisten. Am Tag davor hatte er, damals 20-jährig, die Wahl zum Präsidenten gegen David Roth verloren. Andere hätten sich beleidigt zurückgezogen, Molina trat drei Jahre später wieder an – und gewann. Respekt verschaffte er sich als zentrale Figur in der Kampagne für die Volksinitiative «Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln». Sie wurde zwar klar abgelehnt, erreichte aber mit gut 40 Prozent Ja-Stimmen einen Achtungserfolg.

Der Drang in die Offensive

Als Molina 2016 als Juso-Chef zurücktrat und eine Frau als Nachfolgerin empfahl, punktete er bei den Genossinnen. Weniger gut kam an, dass er seiner Nachfolgerin Tamara Funiciello bei ihrer Kampagne gegen die AHV-Reform in die Parade fuhr. Schnippisch warf er ihr vor, sie habe sich verrechnet.

Sie selber ist nicht nachtragend und gratulierte gestern per Communiqué. Es brauche mehr junge Menschen, die die Linke im Nationalrat in die Offensive drängen. Seinen Juso-Kampfgeist versprüht Molina tatsächlich noch immer. Er spricht von der Verbindung der Parlamentsarbeit mit dem ausserparlamentarischen Kampf. Er werde auch weiterhin an Demonstrationen anzutreffen sein.

Seinen Sitz als Zürcher Kantonsrat will er bald abgeben. Er hatte ihn erst im Sommer 2017 erhalten. Übrigens auf gleiche Weise wie jetzt den Nationalratssitz. Seine Vorgängerin ist zurückgetreten.

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Der einzige Auslandschweizer des Nationalrats tritt ab. Er stand innerhalb der SP eher rechts. Für ihn rückt nun Ex-Juso-Präsident Fabian Molina nach.

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