Schweiz - EU

Er soll der EU-Superdiplomat werden

Jacques de Watteville ist seit über drei Jahrzehnten Diplomat.

Jacques de Watteville ist seit über drei Jahrzehnten Diplomat.

Unter Aussenpolitikern ist Staatssekretär Jacques de Watteville Favorit für den Posten des Chefunterhändlers in den zähen Verhandlungen mit der EU.

Eine Personalie beschäftigt Bundesbern: Wer wird neuer Chefunterhändler für die scheinbar aussichtslosen Verhandlungen mit der EU? Aussenminister Didier Burkhalter kündigte Ende Juni an, den Namen noch diesen Sommer bekannt zu geben. Der neue Super-Diplomat soll über alle Streitpunkte mit der EU gebündelt verhandeln: die Personenfreizügigkeit, die Rechtsübernahme, eine Gerichtsinstanz für Streitfälle sowie Einzelverträge wie das Stromabkommen. Details zur Kandidatensuche sind bis jetzt keine durchgesickert, das Aussendepartement hält sich bedeckt.

Wer sich aber mit Mitgliedern der aussenpolitischen Kommissionen (APK) des Parlamentes unterhält, hört einen Namen besonders häufig: Jacques de Watteville, 64 Jahre alt, seit über drei Jahrzehnten von Damaskus bis Peking als Diplomat im Dienst der Eidgenossenschaft aktiv, davon fünf Jahre als Schweizer EU-Botschafter in Brüssel. Zurzeit holt er als Staatssekretär für internationale Finanzfragen für den Bankenplatz die Kastanien aus dem Feuer.

«Diskret, höflich und klug»

Ob SP-Nationalrat und APK-Präsident Carlo Sommaruga (GE), CVP-Nationalrätin Kathy Riklin (ZH) oder SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel (SG) – alle sagen auf Anfrage, dass sie de Watteville die anspruchsvolle Aufgabe zutrauen. «Er ist ein Diplomat mit Qualitäten», sagt Büchel. Riklin pflichtet bei: «De Watteville kann das.» Die einzige Sorge von SP-Mann Sommaruga ist, ob das Finanzdepartement von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf den Staatssekretär wirklich entbehren kann.

Während de Watteville in der Deutschschweizer Presse bisher nur als einer von mehreren möglichen Kandidaten galt, wird er in der Romandie längst als Kronfavorit gehandelt. Die Tageszeitung «Le Temps» schrieb im Juni: «Alle Blicke richten sich auf diesen Mann.» Der Lausanner besitze dank seiner Erfahrung die nötige Weitsicht und sehe als ehemaliger Schweizer EU-Botschafter hinter die Kulissen des Brüsseler Verwaltungsapparats.

Die Bundeshauskorrespondentin von «24 heures» lobte de Watteville als «diskret, höflich und klug» und als jemanden, der in der Weltpolitik grosses Ansehen geniesse.

Kandidatenfeld wird enger

Je häufiger der Name de Watteville fällt, desto kleiner erscheinen die Chancen der übrigen Favoriten. Yves Rossier, Staatssekretär im Aussendepartement, wäre die natürliche Besetzung für den Posten des Chefunterhändlers gewesen. Dass Didier Burkhalter nun öffentlich nach einem geeigneten Kandidaten sucht, ist als klares Misstrauensvotum gegen Rossier zu werten. Unter Aussenpolitikern gilt eine Ernennung des temperamentvollen Freiburgers als nahezu ausgeschlossen.

Auch Mario Gattiker, Staatssekretär für Migration, der in den letzten Monaten die Gespräche mit Brüssel zur Zukunft der Personenfreizügigkeit führte, dürfte den Zuschlag kaum erhalten: Seine diplomatische Erfahrung ist zu gering.

Ein weiterer Favorit, ETH-Professor Michael Ambühl (de Wattevilles Vorgänger im Staatssekretariat für internationale Finanzfragen), erfüllt als langjähriger Top-Diplomat zwar alle Kriterien. Doch SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Parteikollege Alain Berset und BDP-Bundesrätin Widmer-Schlumpf sind dem ehemaligen Top-Diplomaten dem Vernehmen nach nicht wohl gesinnt. Irritiert haben dürfte sie unter anderem, dass Ambühl der Landesregierung nach seinem Abgang als Staatssekretär öffentlich Ratschläge erteilte.

Nur zwei Punkte sprechen gegen Jacques de Watteville: Erstens wünscht sich Aussenminister Didier Burkhalter erklärtermassen einen Chefunterhändler aus seinem eigenen Departement. De Watteville jedoch arbeitet in Widmer-Schlumpfs Finanzdepartement. Zweitens erreicht er in weniger als einem Jahr das Pensionsalter. Deshalb ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass die Landesregierung diesen Spätsommer am Ende doch noch einen Überraschungskandidaten aus dem Ärmel zaubert.

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