Zürich
Er geht auf die 70 zu und erkrankte vor Kurzem an Corona: Trotzdem will Filippo Leutenegger Stadtrat bleiben

Der vormalige «Arena»-Moderator ist 68 Jahre alt, strebt aber eine Verlängerung in der Zürcher Stadtexekutive an.

Francesco Benini
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An Corona erkrankt, aber nicht amtsmüde: Filippo Leutenegger.

An Corona erkrankt, aber nicht amtsmüde: Filippo Leutenegger.

Keystone

Vor wenigen Tagen war Filippo Leutenegger in den Schlagzeilen: Über die Feiertage steckte sich der Zürcher FDP-Stadtrat im Familienkreis mit dem Coronavirus an. Von «mittelschweren Symptomen» schrieb seine Medienstelle. Der Vorsteher des Schul- und Sportdepartements begab sich in Isolation.

In der Stadtzürcher FDP ist Leutenegger derzeit aus einem anderen Grund ein Thema. Die Partei bereitet sich auf den 13.Februar 2022 vor; dann wählen die Zürcherinnen und Zürcher den Stadt- und den Gemeinderat. Die Stadträte reden derzeit mit ihren Parteispitzen: Wer tritt noch einmal an, wer zieht sich zurück? Diese Frage wird nun geklärt.

Wird Leutenegger erneut gewählt, wäre er Stadtrat bis im Alter von 73

Bei den Freisinnigen war man bisher davon ausgegangen, dass Leutenegger in einem Jahr mit der Politik aufhört. Der vormalige Moderator der Polittalkshow «Arena» wird dann zwei Legislaturperioden absolviert haben und 69 Jahre alt sein. Würde er erneut gewählt, könnte er im Stadtrat bleiben bis 73. Damit wäre er zwar jünger als der neue amerikanische Präsident Joe Biden; in Zürich treten Exekutivpolitiker aber in aller Regel vor dem 70. Altersjahr ab.

Nun verbreitet sich in der Parteileitung der FDP jedoch die Nachricht, wonach Leutenegger signalisiert habe, dass er weitermachen wolle. «Sein Amt bereitet ihm Freude, er mag nicht abtreten», sagt ein Parteifunktionär. Und Leutenegger fühle sich gesund, von der gegenwärtigen Erkrankung abgesehen.

Was sagt Leuteneggers Mediensprecher Marc Caprez zu den Ambitionen seines Vorgesetzten? «Dazu geben wir keinen Kommentar ab.»

Vor drei Jahren musste er gegen seinen Willen das Departement wechseln

Leuteneggers Lust am Amt ist nicht selbstverständlich. Vor drei Jahren unterlag er im Rennen um das Stadtpräsidium klar gegen Corine Mauch (SP). Und der Freisinnige wurde von der rotgrünen Mehrheit im neunköpfigen Gremium strafversetzt: aus dem Tiefbau- ins Schuldepartement. Leutenegger hatte nach Ansicht der Linken die Förderung des Veloverkehrs nicht genug vorangetrieben. An einer ungewöhnlichen Medienkonferenz verbarg er seinen Unmut über die Ressortzuteilung nicht und kritisierte das Machtgebaren von Rotgrün in Zürich.

Der FDP kommt es nicht ungelegen, wenn Leutenegger seine Amtszeit verlängert. Der andere Freisinnige im Stadtrat, Michael Baumer, agiert dermassen unauffällig, dass man sich bisweilen fragt, ob er noch im Amt ist. Leutenegger erzielt zwar keine Glanzresultate, aber er gilt als sicherer bürgerlicher Wert. Die FDP könnte versuchen, mit einer Frau einen dritten Sitz in der Regierung zu erobern. In der Exekutive der grössten Schweizer Stadt gibt es keine bürgerliche Amtsträgerin.

Demnächst gibt Corine Mauch bekannt, ob sie 2022 als Stadtpräsidentin nach 13 Amtsjahren aufhört. Das wird allgemein erwartet; einige Sozialdemokraten munkeln aber, dass Mauch wie Leutenegger eine weitere Verlängerung anstreben könnte.