Schule

Elternorganisationen ärgern sich über «schwänzende» Lehrer

Müssen die Schüler nicht zur Schule, ist bei den Eltern oftmals Organisation gefragt

Müssen die Schüler nicht zur Schule, ist bei den Eltern oftmals Organisation gefragt

In der Stadt Zürich haben die Schüler eine Woche länger Frühlingsferien, weil die Lehrer sich weiterbilden. Elternorganisationen sind verärgert. Auch in anderen Kantonen bekommen die Lehrer grosszügig Weiterbildungsurlaub.

Die Schüler in der Stadt Zürich jubeln: Sie haben dieses Jahr drei Wochen Frühlingsferien, statt nur zwei. Weniger lustig finden es die Eltern. Schulfrei bedeutet vor allem für berufstätige Eltern ein beträchtlicher Mehraufwand bei der Kinderbetreuung. «Besonders schwierig jedoch ist es für alleinerziehende Eltern mit vielen Kindern», sagt Käthi Kaufmann, Präsidentin der IG Familie 3 Plus, einer Elternorganisation für Familien mit drei und mehr Kindern. «Kinderbetreuung ist da immer auch eine finanzielle Frage. Das sind happige Kosten.»

Zehn Tage für Weiterbildung

Es ist nicht das erste Mal, dass im Kanton Zürich eine zusätzliche Ferienwoche angehängt wird: Schon 2008 hatten die Stadtzürcher Schüler eine Woche länger Sommerferien. «Das hat man uns als Einzelfall verkauft, jetzt geschieht es in diesen Frühlingsferien schon wieder. Das ist ärgerlich», sagt Rolf Wolfensberger, Präsident der Vereinigung der Elternorganisationen Zürich (VEZ).

Der Grund für die Extraferien: Lehrerweiterbildung. Im Kanton Zürich wird seit 2007 ein neues Volksschulgesetz eingeführt, zur Schulung des Lehrerpersonals dürfen die Schulen bis 2011 zusätzlich 10 Tage einziehen – und das während der Schulzeit. Rolf Wolfensberger sagt: «Weiterbildungen sollten durchaus in den Schulferien durchgeführt werden können.»

Dieser Meinung ist grundsätzlich auch Beat W. Zemp, Präsident der Schweizer Lehrer. Weiterbildungen würden, wenn immer möglich, während unterrichtsfreier Zeit stattfinden.

Dies sei jedoch nicht immer möglich, zum Beispiel wenn «Referenten in den Schulferien nicht verfügbar sind oder Vorlesungen und Kurse von Weiterbildungsinstitutionen nicht in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden». Zudem würden gerade die Stadtzürcher Lehrer überdurchschnittlich viel arbeiten, dies habe eine Studie gezeigt.

Doch zusätzliche Freitage während des Schuljahres sind für Schweizer Lehrer keine Ausnahme – sie sind der Normalfall. In allen Kantonen gibt es Kontingente für schulfreie Tage, welche die Schulen einziehen können, bei lokalen Feiertagen oder für die Weiterbildungen der Lehrer – zusätzlich zu den üppigen 13 Ferienwochen. Je nach Kanton ist das Kontingent unterschiedlich gross, wie eine Umfrage der az zeigt.

Kanton Aargau: zusätzlich bis zu neun Halbtagen schulfrei pro Jahr. Pro Woche höchstens vier Halbtage.

Kanton Basel-Landschaft: maximal zwei Tage schulfrei pro Jahr. Vor Ostern findet zusätzlich eine dreitägige, obligatorische Weiterbildung statt.

Kanton Bern: Die Schulkommissionen können bis zu zehn Halbtage pro Jahr als unterrichtsfrei erklären.

Kanton Solothurn: höchstens zehn Halbtage zusätzlich schulfrei pro Jahr, maximal vier Halbtage pro Woche.

Kanton Zürich: pro Jahr höchstens vier Tage schulfrei.

Doch auch diese Zusatztage scheinen nicht immer auszureichen: Die az weiss von einer Zürcher Schulgemeinde, die das Kontingent überschritten hat – wegen eines Schulzügeltermins.

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