Eine Lanze für Daniel Koch

Der ehemalige Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» im Bundesamt für Gesundheit Daniel Koch wird wegen seiner Kritik an alarmistischen Prognosen der Covid-19-Taskforce zum Schweigen aufgefordert. Dabei hat der Mann viel zu sagen.

Bruno Knellwolf
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Wie ein Schiffskapitän auf wilder See hat der ehemalige Covid-19-Sonderbeauftragte Daniel Koch die Schweiz durch die erste Welle der Coronapandemie geführt. Als Mr. Corona wurde er im Frühling zum Gesicht des moderaten Schweizer Wegs aus der ersten Coronakrise. Danach konnte der Berner in den verdienten und wegen der Pandemie um ein halbes Jahr hinausgeschobenen Ruhestand treten – und feierte das mit einem prominent abgelichteten Sprung in die Aare. Seit er der Aare wieder entstiegen ist, wird der zuerst für seine Ruhe und Sachlichkeit gefeierte nun plötzlich des öftern von Politikern und gewissen Medien kritisiert.

So auch im Pendlerblatt «20 Minuten», das einen Tweet von GLP-Nationalrat Martin Bäumle publiziert hat, indem dieser Koch auffordert, nun einfach zu schweigen. Grund für den Angriff war Kochs Auftritt am Swiss Media Forum in Zürich, in dem er die alarmistischen Prognosen gewisser Taskforce-Experten als wenig hilfreich bezeichnete. Dauernd wieder Zehntausende von Toten vorauszusagen, gehöre nicht zur guten Krisenkommunikation, sagte Koch. Eine richtige Aussage. Wiederholt falsche Prognosen erweisen der Wissenschaft tatsächlich einen schlechten Dienst, weil sie das Vertrauen in sie schwächen.

Gescholten wird er auch wiederholt für seine Maskenskepsis im Frühling. Diese Ansicht, die von vielen Experten geteilt wurde, hält er im Lichte des damaligen Wissenstands immer noch für richtig. Es ist das Wesen der Wissenschaft neue Erkenntnisse zu berücksichtigen und diese dann umzusetzen. Deshalb bezeichnet Koch die aktuelle Maskenstrategie nun als sinnvoll. Koch hält nicht zurück mit seiner Meinung und ist deshalb auf vielen medialen Kanälen ein gefragter Mann. Aber auch genau daran stören sich einige und sehen seine Glaubwürdigkeit geschmälert, weil er sich als Promi inzeniere. Der Sprung in die Aare lässt grüssen. Kritisiert wird er für seine Medienpräsenz auch von den Medien, die ihn dauernd um seine Meinung fragen. «Soll ich denen keine Antwort geben?», fragt er rhetorisch. Tatsächlich gibt es keinen Grund, auf das Wissen eines solchen Coronaexperten zu verzichten, nur weil er nicht mehr im Beamtenstatus steht.

Bei aller Kritik bleibt sich Koch seiner Linie treu. Er selbst sieht sich nicht als Promi und stört sich nicht an der früheren Glorifizierung wie auch am aktuellen Bashing. Die einen sehen ihn als Verharmloser des tödlichen Virus, gleichzeitig wird er von Coronaskeptikern angepöbelt. Das bestätigt den für das IKRK in Kriegsgebieten gestählten Arzt darin, die Balance gefunden zu haben. Sachlich und ruhig geht er von Coronapunkt zu Coronapunkt, ohne sich darum zu scheren, ob seine Aussagen dem Publikum und den Medien nun gefallen oder nicht. Und wer ihm genau zuhört, bemerkt, dass er Sars-CoV-2 nicht kleinredet, aber auch nicht zu einem auf ewige Zeit wütenden Monster macht. Immer hat er vermeiden wollen, dass die Angst vor dem Virus Gesellschaft und Politik dominieren und lähmen. Laufend macht er den Menschen Hoffnung, dass mit dem richtigen Verhalten des Einzelnen, irgendwann bessere Zeiten kommen werden. Ohne sich dabei auf eine Zeitprognose zu versteifen.