Die höhere Berufsbildung soll gestärkt werden, darin sind sich Bund, Kantone und Sozialpartner ein.

Sie ist einer der vier Handlungsschwerpunkte, auf die sich die Verbundpartner am nationalen Spitzentreffen der Berufsbildung geeinigt haben.

Die höhere Berufsbildung gehört wie die Fachhochschulen und die Universitäten zur tertiären Bildungsstufe – sie erfordert aber keine Matur und fristet in der öffentlichen Wahrnehmung deshalb ein Mauerblümchendasein.

Dem wollen die Akteure der Berufsbildung Abhilfe verschaffen. In einer Erklärung hielten sie am Montag fest, dass die höhere Berufsbildung national und international angemessen zu positionieren sei.

Es gelte, eine «gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung zu finden». Das Ziel ist klar – der Weg dahin aber nicht. Gestritten wird um die Titel.

Soll etwa ein Bäckermeister künftig auch den Zusatz «Professional Master» auf seiner Visitenkarte führen dürfen?

Bundesrat Johann Schneider-Ammann sagte dazu nur, dass die höhere Berufsbildung mit «international gut verständlichen Titeln» besser positioniert werden soll.

Die Titel müssten darauf hinweisen, dass es sich um eine tertiäre Ausbildung mit Praxisbezug handelt.

Interessanter ist indes, was Schneider-Ammann nicht sagte: Sein Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBFI) lehnt die Einführung der akademischen Titel Bachelor und Master für Berufsleute ab. Dies erklärte Josef Widmer, Stellvertretender SBFI-Direktor, am Rande des Bildungsgipfels gegenüber der «Nordwestschweiz».

Zu den Promotoren der Zusatztitel «Professional Bachelor» oder «Professional Master» gehört nebst dem ehemaligen Preisüberwacher Rudolf Strahm insbesondere der Schweizerische Gewerbeverband.

Direktor Hans-Ulrich Bigler verspricht sich davon einen Imagegewinn für die Berufsbildung. Für Bigler ist es nicht nachvollziehbar, dass das SBFI die Variante «Professional Bachelor/Master» ausschliesst, ohne bereits eigene Vorschläge auf den Tisch zu legen.

Denn: Neue Titel für die höhere Berufsbildung sind selbst für Widmer vom SBFI unbestritten. Dieses arbeitet derzeit an international verständlichen englischen Übersetzungen.

Weshalb die Verwaltung die Einführung der akademischen Titel ablehnt, geht aus einem Schreiben Widmers an die Akteure der Berufsbildung hervor: Die Risiken und Nachteile würden überwiegen.

Die Rede ist von «Etikettenschwindel», weil die beabsichtigte Titelverwendung nicht der international gebräuchlichen Definition entspricht.

Und von «Titelinflation», weil durch die Vermischung der akademischen und beruflichen Terminologie die Trennschärfe und damit der Informationsgehalt abnimmt. Eine Umfrage bei 7000 Firmen habe zudem gezeigt, dass die Titel der höheren Berufsbildung durchaus bekannt seien.

Trotz der Absage aus dem Departement von Schneider-Ammann gibt der Gewerbeverband nicht auf: «Wir setzen nun auf das Parlament», sagt Gewerbe-Direktor Bigler.

Dort ist eine Motion von Nationalrat Matthias Aebischer (SP/BE) hängig, die die Titeläquivalenz für die höhere Berufsbildung fordert.

72 Parlamentarier aus allen Parteien haben die Motion unterschrieben. Bigler ist überzeugt, dass der Vorstoss durchkommt - und Schneider-Ammann umdenken muss.