Der Anstoss kam von den Grünen, genauer gesagt von der Berner Nationalrätin Aline Trede. Aber sie beansprucht die Leistung nicht für sich alleine. Ausdrücklich hebt sie einen Mann hervor: Ständeratspräsident Jean-René Fournier, ein katholisch-konservativ geltender CVP-Vertreter aus dem Wallis. «Er hat mega-gut reagiert, er hat die Idee begeistert aufgenommen und sofort ins Ständeratsbüro gebracht. So kann sie jetzt sehr schnell umgesetzt werden», schwärmt die grüne Politikerin.

Die Idee, die die Grünen im März dieses Jahres zum Weltfrauentag lanciert haben: Das Jahr 1971, das Jahr der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz, soll im Ständeratssaal verewigt werden. Dort, wo bereits neun Tafeln mit historischen Daten prangen.

Jetzt kommt eine Tafel der Zahl 1971 dazu. In Abwesenheit von Ständeratspräsident Fournier erklärte sein Vizepräsident Hans Stöckli gestern: «Das Büro des Ständerats hat beschlossen, den Moment, wo 50 Prozent der Schweizer Bevölkerung das Stimmrecht erhielten, gehörig zu verewigen.»

Das fünfköpfige Büro habe «diesen symbolischen Entscheid mit grosser Freude getroffen», verkündet der Berner Ständerat auf Anfrage. «Leider hat die Zeit nicht mehr gereicht, die Tafel bis zum 14. Juni, dem Tag des Frauenstreiks anzubringen», sagt Stöckli, «das machen wir jetzt aber auf die Herbstsession hin.»

In den Arkaden des Ständeratssaals im Parlamentsgebäude von 1902 ist derzeit noch ein Platz für eine derartige Tafel frei. Die Tafel, die die Einführung des Frauenstimmrechts würdigt, wird dabei allerdings an die Stelle montiert, wo heute die Zahl 1999 steht. Diese rückt dafür einen Platz weiter, damit die Chronologie stimmt.

So werden ab Herbst folgende Daten im Ständeratssaal verewigt sein:

  • 1291 Bundesbrief
  • 1370 Pfaffenbrief
  • 1393 Sempacherbrief
  • 1481 Stanser Verkommnis
  • 1803 Mediationsverfassung
  • 1815 Bundesvertrag
  • 1848 Erste Bundesverfassung
  • 1874 Erste Totalrevision der Bundesverfassung
  • 1971 Frauenstimmrecht
  • 1999 Zweite Totalrevision der Bundesverfassung

In der Festschrift «Das neue Schweizerische Bundeshaus in Bern» zur Einweihung des Parlamentsgebäudes von 1902 steht über die Zeittafeln: «In den Bogenzwickeln der Täfelung sind auf Eichenzweigen Tafeln angebracht mit Jahreszahlen, welche politische, für die staatsrechtliche Ausgestaltung der mittelalterlichen und modernen Schweiz massgebende Abmachungen in Erinnerung rufen.»

Das Frauenstimmrecht zählt also jetzt endgültig zu den «massgebenden Abmachungen» in der Geschichte der Schweiz.

Damit sind nun allerdings alle freien Plätze ausgebucht, weitere Ereignisse können nicht mehr aufgeführt werden. Sollte die Einführung des Frauenstimmrechts also die letzte «massgebende Abmachung» in der Schweizer Geschichte gewesen sein? «Natürlich nicht», sagt Stöckli, «dann machen wir halt eine zweite Reihe.»

Ganz ohne Sprüche ging es dann doch nicht. Paul Rechsteiner (SP) erwähnte die bevorstehende Montage der Tafel in der Debatte: «Die Jahreszahl ist im Moment noch nicht installiert, aber sie wird kommen und steht symbolhaft dafür, dass es hier grössere Schritte nach vorne braucht. Die Initiative für einen Vaterschaftsurlaub leistet hier einen Beitrag dazu.»

Vielleicht hatten nicht alle Ständeräte genau zugehört, jedenfalls scherzte einer: Auf der Tafel werde wohl das Jahr des Einzugs von Rechsteiner in den Nationalrat stehen. Das wäre dann das Jahr 1986. Ein anderer meinte: Es werde wohl das Jahr seines Rücktritts dort eingemeisselt.