Landwirtschaft

Düsterer Start ins neue Jahr: Bauernpräsident erklärt 2020 zum «Schicksalsjahr»

Stellt sich vor die Bauernfamilien: Bauern-Präsident Markus Ritter.

Stellt sich vor die Bauernfamilien: Bauern-Präsident Markus Ritter.

Der Bauernverband warnt: Zwei Volksinitiativen und der vorgespurte Freihandel mit südamerikanischen Staaten bedrohe die Bauernfamilien. Markus Ritters Wunsch: Das neue Jahr bringe «hoffentlich Klarheit».

Sie sind eine Macht in diesem Land. Und sie starten traditionell als eine der ersten Interessenverbände ins neue Polit-Jahr. Am heutigen Freitag bitten die Bauern die Medienschaffenden nach Worb. Und dort, am Rande der Bundesstadt, erklären sie 2020 auf einem Schweinemast-Betrieb laut Mitteilung zu nichts geringerem als dem «Schicksalsjahr für die Bauernfamilien».

«Wir haben auf der einen Seite die radikalen Forderungen der Initiativen ‹Für sauberes Trinkwasser› und ‹Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide›», sagte Bauern-Präsident Markus Ritter laut Redetext. «Mit denen würde die Schweizer Landwirtschaft auf den Kopf gestellt.»

Führt ein Ja zu zwei Initiativen zu mehr Bio?

Die Vorlagen seien schlicht überflüssig und überholt, so der St. Galler Biobauer und CVP-Nationalrat. Könnten die Konsumenten den Anbau doch schon heute eins-zu-eins steuern. «Nur gerade mal zwölf Prozent» der gekauften Produkte seien jedoch bislang Bio. Würden die Initiativen an der Urne angenommen, werde dies nicht einfach zu mehr Bio-Absatz führen, sondern die Produktion ins Ausland verlagern, warnt Ritter.

Dabei sei die Schweizer Landwirtschaft bereits heute «eine Pionierin in Sachen umwelt- und tierfreundliche Produktion», wie der Bauernverband in einer Mitteilung festhält. Das wolle sie auch in Zukunft bleiben und daran arbeite sie kontinuierlich. Gerade die Initianten der zwei kritisierten Initiativen aus Natur- und Umweltschutzkreisen – aber auch die Kleinbauern – halten dem Bauern-Präsidenten entgegen, dass die Landwirte in diesem Land durchaus mehr machen können für die Umwelt.

Ritters Rezept, um die Bauernfamilien für Freihandel zu gewinnen

Nebst der Innenpolitik – allen voran die Agrarpolitik 22+, deren Botschaft im neuen Jahr vom Bundesparlament verabschiedet werden wird – respektive deren Folgen aus dem Ausland fürchten die Bauern aber auch konkret den ausländischen Druck. Hauptstichwort dazu ist laut Bauernverband das letzten Sommer vom Bundesrat fertig ausgehandlete Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten.

Hier halte die offizielle Schweiz offenbar «wenig von Nachhaltigkeit und Tierschutz», kritisiert der Bauernpräsident einmal mehr. Es sei absehbar, dass das «Kunststück» von Nachhaltigkeit und gleichzeitig steigender Wirtschaftlichkeit nicht aufgehen könne. Markus Ritters Forderung: «Die Schweiz – und damit der Bundesrat als oberste Instanz – muss sich für eine klare Strategie entscheiden.» Nur dann, verspricht Ritter, könnten auch die Bauernfamilien für die Marktöffnung mitgezogen werden.

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