Daniel Hegglin, Geschäftsführer der Stiftung Bartgeier, zeigte sich nach der geglückten Auswilderung im eidgenössischen Wildtierschutzgebiet Huetstock zufrieden. Die Vögel lebten nun in einer rund zwanzig Meter breiten Nische unter einem Felsvorsprung, sagte er.

Die drei Tiere sind zwischen neunzig und hundert Tage alt und stammen aus der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee in Österreich, dem Zuchtzentrum Vallcalent in Spanien und dem Natur- und Tierpark Goldau. Ausgewählt worden waren die Tiere nach genetischen Kriterien. Sie sollen frisches Blut in die kleine Bartgeierpopulation der Alpen bringen.

Die ausgewilderten Vögel sind noch nicht flügge, werden aber in wenigen Wochen ihre ersten Flüge unternehmen. Die jungen Bartgeier werden von einem Team von Pro Bartgeier überwacht, bis sie in drei bis vier Monaten selbständig sind.

Kontakt vermeiden

Die Jungtiere müssen vorläufig gefüttert werden. Wichtig sei, dass sie möglichst wenig Kontakt mit Menschen hätten, sagte Hegglin. Die Nahrung - vom Wildhüter gesammeltes Fallwild - werde deshalb in den frühen Morgenstunden zur Nische, wo sich die Bartgeier leben, hingeworfen.

Die drei Bartgeier sind Weibchen. Die Fortpflanzung wird trotzdem möglich sein, da die Tiere erst in fünf bis sieben Jahren geschlechtsreif sind und in den nächsten Jahren weitere Vögel ausgesetzt werden sollen.

Die Chance, dass die drei Jungvögel die Geschlechtsreife erreichen werden, ist für Wildtiere extrem gross, wie Hegglin sagte. Die Überlebenschance liegt im ersten Jahr bei 85 Prozent und in den späteren Jahren bei 95 Prozent.

Kein Lämmerdieb

Der Bartgeier war vor über hundert Jahren aus den Alpen verschwunden, weil er als vermeintlich unersättlicher Lämmerdieb verfolgt wurde. Er verwerte aber vor allem Knochen von verendeten Tieren und schlage keine Beute, schreibt die Stiftung Bartgeier.

Langsam kehrt der Bartgeier nun aber wieder in den Alpenraum zurück. Die Stiftung Bartgeier wilderte seit 1991 in der Schweiz 38 Vögel aus. Seit 2007 brüten wieder Bartgeierpaare in der Schweiz, und zwar an zehn Standorten im Engadin und im Wallis.

Der Bartgeier sieht nicht wie ein typischer Geier aus. Er wird oft mit dem Steinadler verwechselt. Der Bartgeier wird bis zu sieben Kilogramm schwer und bringt es auf eine Flügelspannweite von bis 2,9 Meter.