«Achtenswerte» statt «wichtige» Gründe für eine Namensänderung. Was auf den ersten Blick als juristisches Detail erscheint, hat in einigen Kantonen zu grösseren Veränderungen in der Praxis geführt. Seit der Änderung im Namen- und Bürgerrecht auf den 1. Januar 2013 müssen einige Kantone weit mehr Gesuche auf Namensänderung bearbeiten als vorher. So zum Beispiel der Kanton Aargau: Zwischen 2010 und 2012 bearbeitete das Departement für Inneres im Schnitt jährlich 100 Gesuche. In den letzten drei Jahren waren es weit mehr:

  • 2013: 143
  • 2014: 153
  • 2015: 243.

Auch im Kanton Zürich ist die Anzahl Gesuche eindeutig gestiegen. Es gibt aber auch jene Stände, die nur marginal oder gar keinen Anstieg seit Anfang 2013 verzeichnen. Zu diesen gehören unter anderem Luzern und Basel-Stadt. Der Kanton Bern bemerkte einen Anstieg im ersten Jahr, danach hat sich die Anzahl der Gesuche wieder jener in den Vorjahren angeglichen.

Patchworkfamilien im Blick

Die Gesetzesänderung zielte unter anderem darauf ab, bei Kindern die Änderung des Familiennamens zu vereinfachen. Beispielsweise, wenn die Mitglieder einer Patchworkfamilie alle gleich heissen wollen. Die Praxis der letzten drei Jahre zeigt: Die Absicht des Gesetzgebers wird von den Kantonen umgesetzt. Seit 2013 ist die Hürde für Namensänderungen bei Kindern geringer geworden, wie die angefragten Kantone bestätigen. Diese Praxis wird bereits durch ein Bundesgerichtsurteil gestützt, an dem sich die Entscheidungsgremien orientieren können.

Das Bundesgericht befasste sich 2014 mit dem Fall einer geschiedenen Frau. Diese wollte, dass ihr Kind ihren ledigen Namen annimmt. Ein entsprechendes Gesuch stellte sie bereits 2002 an das Departement für Justiz und Sicherheit des Kanton Thurgaus. Der Regierungsrat lehnte das Gesuch aber ab. Nach der Gesetzesänderung versuchte es die Mutter erneut, diesmal mit Erfolg. Zum Missmut des Vaters des Kindes, ihres Ex-Mannes. Dieser zog den Entscheid zuerst ans kantonale Verwaltungsgericht und dann weiter vors Bundesgericht. Dieses stützte aber den Entscheid des Kanton Thurgaus. Das Mädchen trägt jetzt denselben Familiennamen wie ihre Mutter.

Möglichst fair

Es sind solche Bundesgerichtsurteile, die den Kantonen als Leitplanken dienen und ihnen dabei helfen, das geänderte Bundesgesetz möglichst ähnlich auszulegen. Seit der Änderung kam es aber noch nicht einmal zu einer Handvoll Bundesgerichtsurteilen und es liegt somit noch viel im Ermessen der Kantone. Um die Ungleichbehandlung gering zu halten, tauschen sich die Behörden immer wieder untereinander aus. So organisiert beispielsweise die Konferenz der kantonalen Aufsichtsbehörden im Zivilstandsdienst (KAZ) jedes zweite Jahr ein zweittägiges Namensrechtsseminar.

Nach den dreieinhalb Jahren zeigt sich aber, dass die Kantone generell liberaler entscheiden und weniger streng als früher. Beispiel Kanton Zürich: Hier wurden 2015 480 Änderungen des Familiennamens bewilligt und 344 des Vornamens. Eine Zunahme von rund einem Drittel gegenüber 2012. Zudem lehnte der Kanton im letzten Jahr so wenig Gesuche ab wie in den letzten 10 Jahren nicht.