Prozess

Doppelmord von Spiez: Staatsanwältin fordert Lebenslänglich und Verwahrung

Der Mann, der im Frühjahr 2013 in Spiez einen Heimleiter und dessen Freundin umbrachte, soll mit lebenslänglichem Freiheitsentzug und Verwahrung bestraft werden. Das hat am Dienstagmittag die Staatsanwaltschaft gefordert.

Staatsanwältin Barbara Wüthrich sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte zusammen mit seinem Sohn den Heimleiter und dessen Freundin auf besonders brutale Art und Weise umbrachte.

Der 48-jährige Angeklagte sei des mehrfachen Mordes schuldig zu sprechen, forderte die Staatsanwältin. Da der Mann keine Einsicht zeige und die Rückfallgefahr gross sei, müsse er verwahrt werden.

Die Staatsanwältin schilderte einen Vorfall im Gefängnis, bei dem der Angeklagte ausrastete und drohte, mit Staat und Justiz abzurechnen, sobald er wieder auf freiem Fuss sei.

Daraufhin echauffierte sich der sonst schweigsame Angeklagte im Gerichtssaal und musste vom Gerichtspräsidenten und der Verteidigerin zurechtgewiesen werden.

Indizien zu Bluttat

Die Staatsanwältin hat am Dienstag ein düsteres Bild des Angeklagten gezeichnet, der im Mai 2013 einen Heimleiter und dessen Freundin umgebracht haben soll. Der 48-Jährige hatte Alkoholprobleme und Schwierigkeiten in der Ehe.

Der Mann hat italienische Wurzeln, wuchs aber in Bern auf, wo er später auch einer Arbeit nachging. In der Ehe kam es zu Differenzen, nicht zuletzt auch wegen unterschiedlichen Glaubensausrichtungen der Eheleute.

Als die Ehefrau in eine psychiatrische Institution musste, kamen die beiden Kinder 2003 einige Wochen in das private Kinderheim in Spiez. Dort soll sich der Sohn ungerecht bestraft und gedemütigt gefühlt haben.

Die Eheleute trennten sich, wohnten später aber auch wieder zusammen, bevor 2007 die Scheidung vollzogen wurde. Ein Problemkreis in der Ehe war laut Staatsanwältin auch die Einflussnahme der Schwiegermutter, die mit der Lebensführung der Schwägerin nicht einverstanden war.

Der Angeklagte hat sich laut Staatsanwaltschaft zu einem anderen Zeitpunkt einmal als depressiv, leicht reizbar und sozialphobisch beschrieben. Mit Alkohol sei er erst der Mensch geworden, den er gerne gewesen wäre. Manchmal habe er so viel getrunken, dass er nicht mehr habe gehen können.

Der 48-jährige verfolgte die Ausführungen der Staatsanwältin interessiert. Er brauste kurz auf, als Staatsanwältin Barbara Wüthrich eine Aussage zu seinen beruflichen Aktivitäten machte, die der Mann offenbar als unzutreffend empfand.

Vater am Tatort

Die Staatsanwältin sieht es aufgrund der DNA-Spuren im Schlafzimmer des Heimleiters als erwiesen an, dass sowohl der Angeklagte wie auch sein damals noch minderjähriger Sohn zur fraglichen Zeit am Tatort waren.

Die DNA-Spuren des Sohnes sind eindeutig. Vom Vater findet sich eine Mischspur. Sie besteht zur Hauptsache aus DNA des Heimleiters. Als Nebenkomponente wurde DNA des Vaters nachgewiesen.

Die Staatsanwältin liess die Wahrscheinlichkeit berechnen, dass es sich nicht um die DNA des Vaters, sondern um eine dritte, unbekannte Person handelt. Diese beträgt eins zu acht Trillionen. "Das ist mehr als tausend mal die Weltbevölkerung", versuchte die Staatsanwältin die Zahl zu verdeutlichen.

Im Mai 2013 wurde der Leiter des privaten Kinderheims an der Spiezer Bahnhofstrasse und seine damalige Freundin mit Dutzenden Messerstichen umgebracht.

Anderthalb Jahre später wurden der Angeklagte und seine Sohn von der Polizei gefasst. Als Motiv sieht die Staatsanwaltschaft die damals im Heim als Demütigung empfundene Behandlung des Sohnes.

Der Sohn war zur Tatzeit noch minderjährig und wird sich vor dem Jugendgericht verantworten müssen. Vater und Sohn haben bisher keine Angaben zur Tat gemacht. Auch vor Gericht schwieg der Vater beharrlich.

Der Sohn hatte hingegen gegenüber einer Psychiaterin angegeben, dass er das Heimleiterpaar alleine umgebracht habe.

Da die Tat bestritten ist und sowohl Vater wie Sohn schweigen, muss das Gericht aufgrund von Indizien entscheiden. Die Staatsanwältin führte insgesamt 12 Punkte an, die die Schuld des Angeklagten belegen sollen. Ihm wird mehrfacher Mord vorgeworfen. 

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