Schweiz

Die Zigarette unter der Oberlippe: Snus-Verkauf blüht nach Legalisierung

Der Snus-Konsum in der Schweiz ist gestiegen. Besonders junge Männer aus der Deutschschweiz greifen zum Oberlippen-Tabak.

Der Snus-Konsum in der Schweiz ist gestiegen. Besonders junge Männer aus der Deutschschweiz greifen zum Oberlippen-Tabak.

Der Mund-Tabak Snus hat sein Schmuddel-Image verloren. Eine Befragung zeigt, wer am meisten zulangt.

Investigative Sportreporter des Schweizer Fernsehens, deckte in der Sendung «Time Out» einst auf, dass sich Eishockey-Spieler Tabakkügelchen unter ihre Oberlippen schoben. Dieses sogenannte Snus, sorgte im Glauben der Eishockey-Spieler für bessere Leistungen. Es waren keine schönen Bilder. Braune Zähne, geschundenes Zahnfleisch.

Die Sendung «Time Out» wurde 2001 eingestellt. Snus aber boomt. In einer hippen Bar in einer Schweizer Grossstadt liegt an einem Samstagabend ein Döschen der in Schweden populären Droge auf der Theke. Ein Gast fragte den anderen, ob etwas davon haben könne. Die Dose öffnete sich und ein strahlend weisses Snus-Portiönchen wechselte wie selbstverständlich den Besitzer.

Der Import hat sich in den letzten vier Jahren verdoppelt

Der Oberlippen-Tabak aus Schweden hat eine komplette Image-Korrektur hinter sich. Vom verschrobenen Eishockeyaner-Doping zum Lifestyle-Accessoire. «Ich verkaufe jeden Tag mehr Snus», sagt die Kioskfrau in der Nähe des Escher-Wyss-Platzes im Ausgangsviertel der Stadt Zürich. Besonders beliebt seien die nach Pfefferminz schmeckenden Tabak-Portionen mit schwachem Nikotin-Gehalt.

Ein Blick in die Zollstatistik belegt den Boom: Der Import von Kau-, Rollen und Schnupftabak hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Im Jahr 2014 wurden noch 105 Tonnen importiert. Im Jahr 2019 dürften erstmals mehr als 200 Tonnen werden. Der Anteil des Snus an dieser Zunahme ist gross. Denn rund 70 Prozent der dieses Jahr importierten Ware stammt aus Schweden, dem Heimatland von Snus. Noch nicht eingerechnet ist dabei der private Import, der bei Snus aufgrund des teilweisen Verkaufsverbots gross ist.

Weisser Waldbeer- statt brauner Tabak-Geschmack

Eine eben publizierte Studie des Bundesamtes für Gesundheit belegt, dass die Zahl der Snuser wächst. Knapp 1 Prozent der Befragten gab 2018 an, sich schon einmal Tabak unter die Oberlippe geklemmt zu haben. Bei einer Befragung von 2016 waren es noch 0,6 Prozent gewesen. Beliebt ist die Droge vor allem bei jungen Männern aus der Deutschschweiz. Dies geht aus der Erhebung «Gesundheit und Lifestyle» hervor.

Der schwedische Krimi-Star Sofia Helin alias Saga Noren (Länskrim Malmö) sorgte in der TV-Serie «Die Brücke» für ein neues Image des Snus. (Screenshot

Der schwedische Krimi-Star Sofia Helin alias Saga Noren (Länskrim Malmö) sorgte in der TV-Serie «Die Brücke» für ein neues Image des Snus. (Screenshot

Die Zunahme des Snus-Konsum geht auf verschiedene Faktoren zurück. Neue Geschmacksrichtungen und die weisse Farbe, die vor Zahnverfärbungen schützt, machten das Produkt auch ausserhalb der Eishockey-Stadien attraktiv. Vor allem aber wurde der Vertrieb von Snus einfacher. Denn Einführung und Abgabe von Tabak «zum oralen Gebrauch» war in der Schweiz lange verboten. Zulässig war nur die private Einfuhr. Importeure bedienten sich aber immer wieder Tricks und deklarierten Snus als zulässigen Tabaksorten. Die Behörden verloren den Überblick, was überhaupt als Snus gilt. In den letzten Jahren, war nur noch die trockene Variante des Opperlippentabaks verboten.

Im Juni dieses Jahres kippte das Bundesgericht das Snus-Verbot nun definitiv. Seither ist auch diese, in der Regel stärkere Variante an Schweizer Kiosken und erhältlich. Das Tabakproduktegesetz, das im Moment in der parlamentarischen Beratung ist, dürfte Snus künftig in allen Varianten legalisieren.

Während Snus von der Tabak-Branche als gesündere Alternative zum Rauchen gepriesen wird, warnen Tabak-Gegner vor einer Verharmlosung des Produktes. Snus könne das Risiko für Mundhöhlen, Speiseröhren-und Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöhen. Zudem könne es Zahnfleischschwund verursachen.

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