Zürich

Die Schule macht sich auf den Weg

Wie entwickelt sich die Sekundarschule? (Bild: Archiv)

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Wie entwickelt sich die Sekundarschule? (Bild: Archiv)

Die Schule in Aufbruchstimmung: 80 Lehrpersonen und Eltern, Vertreter aus Wirtschaft und Gewerbe, Schulleiter und Schulpflegemitglieder der Bezirke Dietikon und Dielsdorf diskutierten auf Einladung der Bildungsdirektion intensiv über die Zukunft der Sekundarschule im Kanton Zürich.

Franziska Schädel

Diskussionsgrundlage war die Frage: Wie können die Übergänge zwischen Primar- und Sekundarschule und der Anschluss an die Berufsbildung so gestaltet werden, dass sie chancengerecht sind und individuelle Entwicklungspotenziale berücksichtigt werden?

«Wir haben keine Rezepte, nur Fragen», eröffnete Martin Wendelspiess, Chef des Zürcher Volksschulamtes, die Diskussion. In dieser war dann viel die Rede von standardisierten Kompetenznachweisen, von Stigmatisierung der Jugendlichen, welche die Sek C besuchen oder ausländischen Namen tragen, vom notwendigen Dialog zwischen Schule und Wirtschaft sowie Schule und Eltern.

Die nur zögerliche Anwendung von Auf- und Abstufungen innerhalb der Sekundarstufen wurde beklagt sowie der Druck der Eltern, ihre Kinder möglichst hoch einzustufen. Wirtschaftsvertreter plädierten für aussagekräftigere Zeugnisse und sprachen sich für den vermehrten Dialog mit Schule und Eltern aus.

«Man glaubt ihr ohnehin nicht»

Widersprüchlich waren die Meinungen zu den meisten Themen. Vertreter aus Wirtschaft und Gewerbe forderten eine verlässliche Basis für die Auswahl von Lernenden für Lehrstellen, weil Zeugnisse angesichts der Vielzahl verschiedener Schulmodelle schwer interpretierbar seien. Bei den Schulleiterinnen und Schulleitern hingegen machte sich eine gewisse Resignation breit: «Die Schule kann beurteilen und testen, wie sie will, man glaubt ihr ohnehin nicht.» Es sei aber nicht Auftrag der Schule, auf die einzelnen Berufslehren oder gar auf die Tests vorzubereiten, sondern eine breite Allgemeinbildung anzubieten.

Die Eigenverantwortung der Eltern

Die anwesenden Eltern wiederum forderten, den Kindern seien verstärkt Lernmethoden zu vermitteln. Sie begrüssten standardisierte Tests und plädierten für einen stärkeren und rechtzeitigen Einbezug der Eltern. In einem Punkt waren sich jedoch alle einig: Die Eltern haben eine Eigenverantwortung und nicht alles kann Aufgabe der Schule sein.

Weil das heutige System wichtige Ziele nicht erreichen kann, hat die Bildungsdirektion des Kantons Zürich im Sommer letzten Jahres eine breit angelegte Diskussion zur zukünftigen Gestaltung der Sekundarstufe gestartet. An sieben regionalen Foren im ganzen Kanton werden Erfahrungen und Erwartungen ausgetauscht, die in konkrete Lösungsvorschläge münden sollen. Chance Sek heisst das Projekt, und es geht um bessere Lernerfolge für alle Lernenden, um Chancengleichheit und ein einheitliches Schulmodell.

Noch ist die neue Sekundarschule Zukunftsmusik. Im Sommer 2010 will der Bildungsrat die erarbeiteten Lösungsvorschläge diskutieren. Für Joseph Hildebrand, Chef der Bildungsplanung, ist klar: «Einfache Lösungen werden nicht möglich sein, dafür gibt es zu viele Spannungsfelder. Aber wir können nach austarierten Lösungen suchen - und uns gegenseitig Glück wünschen auf diesem Weg.»

www.chance-sek.zh.ch

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