Musikförderung

Die Musik erhält ihren Platz in der Schweizer Verfassung

Bund und Kantone müssen nun den Zugang zur Musik verbessern. (Symbolbild)

Bund und Kantone müssen nun den Zugang zur Musik verbessern. (Symbolbild)

Das Stimmvolk hat am Sonntag mit 72,7 Prozent Ja-Stimmen die Musikbildungsförderung durch den Bund und die Kantone wie erwartet deutlich gutgeheissen. Bund und Kantone müssen nun den Zugang zur Musik verbessern.

In allen Kantonen hiessen die Stimmenden den Bundesbeschluss über die Jugendmusikförderung mit über 55 Prozent gut. Am höchsten fiel die Zustimmung in den beiden Stadtkantonen Genf und Basel-Stadt mit jeweils 82 Prozent Ja-Stimmen aus.

Am wenigsten Zustimmung erhielt das Anliegen in der Zentralschweiz sowie in den beiden Appenzell. Schwyz sagte mit 56 Prozent Ja, in Nidwalden, Uri und Appenzell Innerrhoden lag die Zustimmung bei 57 Prozent, in Appenzell Ausserrhoden bei 63 Prozent.

In der Tendenz lag der Ja-Stimmenanteil in der Westschweiz und im Tessin höher als in der Deutschschweiz. 1'551'900 Personen legten ein Ja ein, 583'300 ein Nein.

Gleiche Musikziele in allen Schulen

Der neue Verfassungsartikel 67a verpflichtet die Kantone nun, schweizweit geltende Bildungsziele für die Musik in den Schulen zu formulieren. Der Bund soll zudem zusammen mit den Kantonen Grundsätze für den Zugang zu Musikangeboten in der Freizeit festlegen und die Förderung der Hochbegabten verbessern.

Die Harmonisierung der Ziele in der Musikbildung ist laut Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) aber unabhängig von der Initiative bereits im Gang. 2014 sollen die Arbeiten beendet sein. Könnten sich die Kantone doch nicht einigen, müsste der Bund eingreifen.

In der Schule soll der Artikel für einen besseren Unterricht und in der Freizeit für einen erschwinglichen Zugang zu Musikschulen sorgen, so dass Orchester, Blasmusiken oder Jodelclubs auf besser ausgebildete junge Musikanten zählen können.

Die Befürworter der IG «Jugend + Musik», der die meisten Musikverbände der Schweiz mit total über 600'000 Mitgliedern sowie die Musikschulen angehören, wollen die Musik fördern, weil diese die geistigen und sozialen Fähigkeiten des Einzelnen stärke.

Unklare Kostenfolgen

Die Fördermassnahmen werden kosten. Unklar ist, wie viel. Entscheidend wird sein, wie das Parlament den Artikel umsetzt. Nach Ansicht der Kantone muss sich der Bund an den Kosten beteiligen, weil er sich in die Belange der Kantone und Privater einmischt.

Beim Musikbildungsartikel handelt es sich um einen Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Jugend + Musik». Bundesrat, Parlament und Kantone stellten sich dahinter. Die Kantone hatten die Initiative vehement abgelehnt, weil diese dem Bund mehr Kompetenzen gegeben und damit die Bildungshoheit der Kantone verletzt hätte.

Gegner hatte die Vorlage kaum. Es kam deshalb auch kaum zu einem Abstimmungskampf. Von den grossen Parteien fassten die FDP und die SVP die Nein-Parole, einige Kantonalsektionen wichen aber ab. Der Gegenvorschlag verletzt aus Sicht der Gegner noch immer den Grundsatz des Föderalismus. Die SVP fordert nun, dass Volksmusik und Jodeln durch den Artikel nicht eingeengt werden.

Sparen wird schwieriger

Die im Befürworterkomitee federführende FDP-Ständerätin Christine Egerszegi (AG) erklärte das gute Ergebnis mit der breiten Abstützung des Anliegens. Laien und professionelle Musiker hätten sich gemeinsam für Kinder und Jugendliche eingesetzt, sagte sie auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Das Komitee habe bereits Vorschläge zur Umsetzung und poche auf eine rasche Umsetzung, sagte Egerszegi. Bereits am kommenden Donnerstag sei das Komitee beim Bundesamt für Kultur eingeladen.

Es sei nun schwieriger, bei der Musik zu sparen, sagte Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH). Er forderte die EDK auf, die enormen Unterschiede im Musikunterricht zwischen den Kantonen auszugleichen. Musikschulen sollten zudem überall als Bildungsorganisationen anerkannt werden.

Kulturminister Alain Berset äusserte sich per Twitter zur Abstimmung. Er sei zufrieden mit dem Resultat, schrieb er. «Ein schönes Land, in dem jedes Kind ein Instrument lernen kann.»

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