Wahrzeichen

Die grosse Sehnsucht in der Calvin-Stadt: Die Genfer vermissen ihre Super-Fontäne

Der Blick auf den Jet d'Eau ist seit Mitte März nicht mehr möglich.

Der Blick auf den Jet d'Eau ist seit Mitte März nicht mehr möglich.

Er ist das Wahrzeichen der zweitgrössten Stadt der Schweiz: Der 140 Meter hohe Jet d'eau im Genfer Seebecken. Doch im Zuge der Corona-Krise wurde die Fontäne abgestellt. Nun regt sich Widerstand.

Der Eiffelturm in Paris, die Freiheitsstatue in New York oder der Big Ben in London. Sehenswürdigkeiten prägen das Bild einer Stadt. Der Zugang zu ihnen mag in Zeiten Coronas eingeschränkt sein, doch sie stehen noch immer stolz da. Fotos mit ihnen im Hintergrund sind nach wie vor möglich.

In Genf ist das anders. Die zweitgrösste Stadt der Schweiz hat seit vielen Jahren den grössten Springbrunnen des Landes, den Jet d’eau – und der ist derzeit wegen der Corona-Krise verschwunden. Zwar gibt es auch noch den Sitz der UNO und des Roten Kreuzes oder die berühmte Blumenuhr. Doch es ist der 140 Meter hohe Wasserstrahl im Seebecken mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h, der für viele Touristen auf den ersten Blick klar macht: Das hier ist Genf.

«Wir erhalten täglich Anfragen»

Seit dem 20. März schläft der Jet d’Eau jedoch. Bei der täglichen Fahrt über die stark frequentierte Mont-Blanc-Brücke vom einen Seeufer ans andere gehörte die imposante Fontäne jeweils zum Panorama. Kein Wunder mehren sich nun die Stimmen bei den Einheimischen, die nach einer Rückkehr des Wasserstrahls rufen. So titelt eine Lokalzeitung: «Wir möchten unseren Jet d’eau.» Er fehle den Einwohnern, wie zahlreiche Einträge in den sozialen Medien zeigen würden.

Die Betreiberin des Jet d’Eau, die Genfer Industriewerksfirma SIG, bestätigt die Wehmut in der Bevölkerung. «Wir erhalten täglich Anfragen, Briefe oder E-Mails, die direkt an unseren Direktor oder Präsidenten gerichtet sind», sagt Sprecherin Isabelle Dupont Zamperini. Viele Bürgerinnen und Bürger möchten wissen, wann der Jet d’Eau sein Comeback gibt.

Die Sehenswürdigkeit hat eine über 100-jährige Geschichte

Doch wieso werden derzeit keine 500 Liter Wasser pro Sekunde in den Himmel geschossen? SIG erklärt die Massnahme mit dem Social Distancing. Dieses könne im Operationsraum des Jet d’Eau wegen der engen Platzverhältnisse nicht eingehalten werden. Die Sicherheit des Personals gehe vor. «Die Massnahme ist aber auch ein Symbol», sagt Dupont Zamperini. So sagte Staatsratspräsident Antonio Hodgers bei der temporären Einstellung der Fontäne Mitte März: «Auch der Jet d’eau bleibt zu Hause.»

Die Sehenswürdigkeit in der Calvin-Stadt existiert seit 1891 – eigentlich aufgrund eines Zufalls. Im Zuge von Bauarbeiten damals, benötigten Genfer Ingenieure damals für ihre Maschinen eine Möglichkeit, um Wasserdruck abzubauen. Und so entstand der Jet d’eau, der zu Beginn erst 30 Meter hoch war. Später entschloss die Stadt, den Strahl in eine Touristenattraktion umzufunktionieren und ihn ans Ufer des Stadtviertels Eaux-Vives zu platzieren. Erst 1951 erreichte er dann die heutige Höhe des Strahls von 140 Metern mithilfe einer autonomen Pumpstation. Betrieben wird er von Pensionierten der SIG.

In den vergangenen Jahren wurde der Jet d’eau für mehrere Male in verschiedenen LED-Farben beleuchtet, zum Beispiel mit Regenbogenfarben aus Solidarität zur LGBTIQ-Gemeinschaft oder in Rot-Weiss-Blau nach den Terrorattentaten in Paris. In den Sommermonaten ist er von neun Uhr morgens bis 23.15 Uhr in Betrieb – ausser, es windet zu stark. Oder es herrscht eine Pandemie.

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