Draussen vor dem Hangar des Militärflugplatzes Payerne debattierte die versammelte Fachpresse. Angegraute Herren mit aufgenähten Fliegerabzeichen enervieren sich über Ueli Maurers jämmerlichen Kampf für den Gripen und kommentieren Guy Parmelins überfälligen Abgang aus dem Verteidigungsministerium. Sie sprechen über «zu teure Franzosen» und «zu schlechte Schweden» und über all die anderen Probleme, die die Luftwaffe «jetzt dringend» anpacken muss.

Doch drinnen im Hangar, da wollte man am Dienstagnachmittag für einmal nichts wissen von den düsteren Wolken, die durch den helvetischen Luftraum ziehen. Drinnen im Hangar sollte ein neues, fröhlicheres Kapitel der Schweizer Luftwaffe aufgeschlagen werden: das Kapitel Fanny Chollet.

Die 28-jährige Waadtländerin ist die erste Kampfjetpilotin der Schweiz. Seit Anfang Jahr steuert sie ihren F/A-18-Flieger regelmässig mit bis zu 1900 Stundenkilometern quer über die Schweiz.

Am Dienstag nun trommelt die Luftwaffe die Journalisten zusammen, um ihnen das neue Aushängeschild des Kampfgeschwaders vorzustellen. Fanny Chollet sitzt an einem Tisch mitten im Hangar und schaut etwas nervös in die Runde. Die Haare hat sie zusammengebunden, die Augen dezent geschminkt.

Neben ihr sitzt Luftwaffenkommandant Bernhard Müller, keine Haare mehr, ungeschminkt, breites Lächeln im Gesicht. «Wir haben das Jahr der Frau», sagt Müller. Eine Verteidigungsministerin, sieben Militärhelikopter-Pilotinnen und seit dem 1. Januar eine Kampfjet-Pilotin.

Am Weltwirtschaftsforum in Davos seien alle gemeinsam im Einsatz gewesen: Viola Amherd als Passagierin im Super Puma, im Cockpit nur Frauen, im F/A-18-Begleitflieger Fanny Chollet. Müller ist sichtlich stolz und erteilt der jungen Pilotin das Wort.

Ein Geheimnis behält sie für sich

Fanny Chollet liest aus ihrem Werdegang vor: Berufspilotenlizenz, Offiziersschule bei den Fliegertruppen, Aviatik-Bachelor, Ausbildungen auf der PC-7 und der PC-21, am 8. März 2017 dann der erste Soloflug im Kampfjet, jetzt als Pilotin bei der Fliegerstaffel 18 in Payerne.

Der zierlichen Frau ist die mediale Aufmerksamkeit nicht ganz geheuer. Lieber hätte sie die Pressekonferenz gemeinsam mit den beiden männlichen Kollegen abgehalten, die Anfang Jahr ebenfalls neu als F/A-18-Piloten zur Truppe gestossen sind, sagt Chollet.

Aber eben. Kurzes Lächeln, dann beantwortet sie Fragen. Am Schluss bleibt nur die Frage nach ihrem Spitznamen «Shotty», den ihr die Pilotenkollegen gegeben haben. Die will sie partout nicht beantworten.

Chollet ist Pilotin mit Leib und Seele. Sie wohnt nur einen Steinwurf vom Flugplatz in Payerne entfernt, organisiert in ihrer Freizeit Treffen mit Oldtimer-Flugzeugen und war schon als Gymi-Schülerin fasziniert von Astronomie und von Amelia Earhart, der amerikanischen Pilotin, die 1928 als erste Frau über den Atlantik flog.

Dass sie Luftwaffenpilotin werden will, weiss Chollet, seit sie als 16-Jährige mit ihrer Mutter in den Frankreich-Ferien über ihre Zukunft sprach und just in diesem Moment ein Mirage-Kampfjet über dem Ferienhaus durchdonnerte. «Das mache ich auch einmal», hat sie gesagt und sich drei Jahre später für die Selektion angemeldet.

Der Weg bis hierhin in den Hangar in Payerne war hart, aber nicht härter als der Weg, den junge Männer mit dem gleichen Berufstraum gehen müssen, betont Chollet. «Ich wurde als Frau immer gleich und immer fair behandelt.»

Dass Männer besser für den Job taugen, glaubt sie nicht. «Ob Frau oder Mann spielt keine Rolle im Cockpit. Jeder Pilot hat gewisse Stärken und gewisse Schwächen. Entscheidend ist der Einsatz, nicht das Geschlecht.»

Luftwaffe sucht Nachahmerinnen

Jungen Frauen, die sie nach Tipps fragen, rät sie das Gleiche wie jungen Männern: «Nehmt den Challenge an, macht den fliegerischen Vorkurs bei der Ausbildungsplattform Sphair und versucht es einfach.»

Luftwaffen-Chef Bernhard Müller ergreift zum Schluss nochmals das Wort, bezeichnet Fanny Chollet als «Leuchtturm», erzählt vom guten Klima, das die junge Frau in die Truppe bringe und von der Hoffnung, dass sich bald haufenweise Nachahmerinnen bei der Luftwaffe melden werden: «Wir warten sehnlichst auf die nächste Frau», sagt Müller in die Mikrofone.

Dann führt Fanny Chollet die Presse hinaus aufs Flugfeld, positioniert sich vor den bereitgestellten Kampfflieger und blinzelt in die Abendsonne. Die Fotografen knipsen und «Shotty» ist anzusehen, dass sie am liebsten einfach nur abheben und wegfliegen würde: weg von diesem Medientrubel hinauf in den Schweizer Luftraum, den sie mit ihren Kollegen seit dem ersten Januar nicht nur mehr zu Bürozeiten, sondern täglich von 6 bis 22 Uhr überwacht.