«Die Attraktivität der Universitäten würde sinken»

Schweizer Wissenschafter sind besorgt: Ein Nein zum institutionellen Rahmenabkommen hätte negative Folgen. Im Interview erklärt ETH-Zürich-Präsident Joël Mesot, was konkret auf dem Spiel steht.

Remo Hess
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Joël Mesot ist seit dem 1. Januar Präsident der ETH Zürich.

Joël Mesot ist seit dem 1. Januar Präsident der ETH Zürich.

Wie wichtig ist die Forschungszusammenarbeit mit der EU?

Sie ist sehr wichtig. Mehr als die Hälfte der rund 9000 internationalen Kontakte unserer Forschenden gehen in den EU-Raum.

Sehen Sie die Zusammenarbeit durch das aktuell komplizierte Verhältnis zur EU gefährdet?

Es gibt ein Risiko, dass die Schweiz ausgeschlossen wird. Das war 2014 nach der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative vorübergehend der Fall, und es könnte wieder geschehen.

Also kein Rahmenabkommen, keine Forschungszusammenarbeit?

Man muss festhalten: Die Forschungszusammenarbeit ist nicht Teil des Rahmenabkommens. Eigentlich haben die beiden Sachen nichts miteinander zu tun. Aber es gibt eine politische Priorität in Brüssel, dass zuerst das Rahmenabkommen abgeschlossen werden muss.

Was würde ein Ausschluss für die Schweizer Forschung bedeuten?

Die Attraktivität der Schweizer Universitäten würde sinken, weil man sich nicht mehr für EU-Stipendien bewerben kann. Aber es hätte auch eine Wirkung auf die Schweizer Industrie. Auch Schweizer KMU profitieren direkt von den EU-Forschungsprogrammen.

Die besten Universitäten der Welt befinden sich in den USA, im Vereinigten Königreich und in Asien. Wird die Forschungszusammenarbeit mit der Europäischen Union nicht überschätzt?

So einfach ist es nicht. Es gibt auch in Europa, in Deutschland, Frankreich oder Skandinavien ausgezeichnete Universitäten. Ausserdem zählt in der Forschung das Netzwerk. Dieses können sie nicht nur mit drei, vier Partnern knüpfen. Es braucht die kritische Masse.