Wildtiere
Die Angst vor dem Wolf-Hund-Hybriden geht um

Das Komitee der Berner Konvention hat in Strassburg einen Zusatz beschlossen, dass Kreuzungen von Wolf und Hund unter Schutz gestellt werden sollen. Die Frage ist: Zieht die Schweiz mit? Die Politik will eine Antwort.

Rinaldo Tibolla
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Wolf-Hund-Hybriden kommen vor allem in Südeuropa vor. ho

Wolf-Hund-Hybriden kommen vor allem in Südeuropa vor. ho

Das Wesen eines Wolfs, aber weniger Scheu vor den Menschen. Das macht einen Wolf-Hund-Hybriden aus. Laut der Koordinationsstelle für Raubtierökologie Kora gibt es sie in der Schweiz noch nicht.

Doch im benachbarten Italien schon: beispielsweise in den Abruzzen. Laut Kora besteht eine sehr geringe Chance, dass diese in die Schweiz einwandern.

Und in der Schweiz selbst sei die Chance auch sehr gering, dass es zu Kreuzungen von Wolf und Hund komme. Die Schweiz habe, im Unterschied zu Italien, nicht so viele streunende Hunde.

«Hybridisierungen von Wolf und Hund sind vor allem in Südeuropa ein Thema, weil es dort verwilderte Hunderudel gibt», bestätigt auch Rebekka Reichlin vom Bundesamt für Umwelt. «In der Schweiz ist dies bislang kein Problem.»

Wolfshunde und ihre Charakterlichkeiten – vom Fachmann erklärt.

Studie verlangt Massnahmen

Dennoch: Die Angst vor dem Wolfhybriden ist da. Wie eine Studie der Professoren Luigi Boitani und Paolo Ciucci der Universität Rom zeigt, könnte es durchaus zu Problemen mit den Wolf-Hund-Hybriden kommen. Vor allem wegen der Vermehrung in Italien: Im Umkreis von 100 Quadratkilometern würden vier Wölfe auf bis zu 300 streunende Hunde treffen. Dagegen gelte es Massnahmen zu treffen.

Die Ständige Kommission der Berner Konvention hat sich deshalb an ihrer Sitzung von vergangener Woche in Strassburg auch anhand dieser Studie mit dem Thema beschäftigt.

In dieses Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere soll nun aufgenommen werden, dass Wolf-Hund-Hybriden wie der Wolf unter Schutz gestellt werden. Es soll nur staatlich geschulten Personen vorbehalten sein, den Bestand der Hybriden zu regulieren. So könne verhindert werden, dass Jäger Wölfe abschiessen und später behaupten, sie hätten ihn für einen Wolf-Hund-Hybriden gehalten.

Grosser Kostenaufwand

Gegen dieses Anliegen haben sich nun Jäger, Hirten, Hundehalter, Züchter und Bauern aus Schweden, Frankreich, der Schweiz und Italien formiert.

Jäger in der Schweiz führen an, dass die behördlichen Kontrollen einen immensen Kostenaufwand bedeuten würden, müssten ja zuerst noch DNA-Tests gemacht werden, um festzustellen, ob es sich überhaupt um einen Wolf-Hund-Hybriden handelt.

Denn: Bei der ersten Kreuzung von Wolf und Hund sprechen Fachleute von einem Mischling. Erst ab der zweiten Generation handelt es sich um Wolf-Hund-Hybriden.

Das zweite Problem der Jäger: Ein Hund, der unmittelbar wildert, darf heute erlegt werden. Mit der Neuerung sei dies jedoch nicht mehr so einfach. Ein Jäger könne in so kurzer Zeit einen Wolfhybriden nicht sicher von einem Hund unterscheiden.

Das Jagdgesetz müsste also angepasst werden. Und schliesslich komme hinzu, dass Hybriden, weil sie weniger Scheu gegenüber den Menschen, aber dennoch einen Wildtier-Instinkt hätten, eine Gefahr für die Bevölkerung darstellten.

In diese Debatte mischt sich nun der St. Galler SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel ein. Er möchte heute von Bundesrätin Doris Leuthard in der Fragestunde des Nationalrats wissen, ob die Schweiz, im Wissen über die zu erwartenden Schwierigkeiten der Wolf-Hund-Hybridisierung, den Zusatz zur Berner Konvention unterzeichnen werde.