Wahlkampagnen

Der «Sünneli»-Song – wie die SVP und die restlichen Parteien die Wähler umgarnen wollen

«Sünneli»-Song: So will die SVP die Wahlen gewinnen

«Gäbed s'Land nöd uf»: der Wahlkampf-Song der SVP und die eine Auswahl Reaktionen darauf.

In etwas mehr als vier Monaten finden die Eidgenössischen Wahlen statt. Inzwischen haben die Parteien ihre Wahlkampagnen lanciert, Musikvideos veröffentlicht und neuartige Technologien entdeckt. Eine Übersicht.

SVP: die Wiederholungstäter

Sie hat es wieder getan. Die SVP hat diese Woche ihr neues Wahlkampf-Lied präsentiert. Nachdem die Partei vor vier Jahren zuerst den Schlager «Wo e Willy isch, isch ou e Wäg» ...

SVP-Wahlkampfsong «Wo e Willy isch, isch ou e Wäg»

SVP-Wahlkampfsong: «Wo e Willy isch, isch ou e Wäg»

... und dann die von DJ Antoine inspirierte Techno-Nummer «Welcome to SVP» auf das Volk losliess:

«Welcome to SVP»: Nach Willy kommt jetzt Blocher in Badehose – sehen Sie hier das ganze Video.

«Welcome to SVP»: Blocher in Badehose.

... wird nun der gänzlich harmlose «Sünneli-Song» getanzt – Video ganz oben.

Die beruhigende Botschaft: «Und s’Sünneli – gaht jede Morge wieder uf!». Der Song feierte am Dienstag in Bern Premiere, allerdings brauchte es dafür ein grosses Polizeiaufgebot, nachdem Störenfriede zur «Wasserschlacht gegen die SVP» aufgerufen hatten.

Ansonsten präsentiert sich die wählerstärkste Partei als Garantin von Freiheit und Sicherheit. Sie will sich weiterhin für weniger Zuwanderung und gegen ein institutionelles Abkommen mit der EU einsetzen. Den Wahlkampf eröffnete die SVP in einer Aargauer Bäckerei, um zu zeigen, dass man für die «Büezer, Gewerbler und Bauern» einsteht. Für die Kampagne in der Westschweiz, wo die Partei auf keinen grünen Zweig kommt, wurde Oskar Freysinger, der abgewählte Walliser Staatsrat und Hobbydichter, reaktiviert.

Der Slogan: «Frei und sicher – ich will’s. Ich wähl’s.»

Wahlziel: den Wähleranteil von 29,4 Prozent und die 65 Nationalratssitze halten, 6 statt 5 Ständeratssitze.

SP: die Menschenfreunde

Dass sie die Sorgen und Anliegen der Bevölkerung aufnimmt, das nimmt jede Partei für sich in Anspruch. Keine tut es aber mit so viel Nachdruck wie die SP. Die Kampagne steht unter dem Leitmotiv «Wir reden mit den Menschen, nicht über sie». Zum Wahlkampfauftakt wurden Passanten zum Kaffee geladen, dazu werden potenzielle Wählerinnen und Wähler abtelefoniert und auch zu Hause aufgesucht («Tür-zu-Tür-Gespräche»).

Die Sozialdemokraten werben mit ihrer Volksinitiative für tiefere Krankenkassenprämien sowie mit ihrem Einsatz für die Gleichstellung von Mann und Frau und für den Klimaschutz. Aufgrund der knappen Mehrheit von SVP und FDP im Nationalrat spricht die SP von einer «verlorenen Legislatur» - und blendet dabei die Machtverhältnisse im Ständerat aus. Nur mit zusätzlichen SP-Sitzen im Bundeshaus finde die Schweiz zurück auf den Erfolgspfad.

Der Slogan: «Gegen die Macht des Stärkeren: Brechen wir die bürgerliche Mehrheit im Bundeshaus»

Wahlziel: Wähleranteil von 18,8 Prozent auf 20 Prozent steigern.

FDP: die Tech-Affinen

Auch die FDP hat ein Video produziert. Zu unser aller Glück handelt es sich nicht um einen Musikclip, obwohl die Statue von Freddie Mercury in Montreux dafür herhalten muss. Vielmehr geht es um Menschen, die wollen. Der Wille stehe am Ursprung allen Fortschritts und Erfolgs. Die FDP präsentiert sich damit als Partei der Strebsamen. Auf Betreiben von Präsidentin Petra Gössi versuchen die Liberalen zudem, mit einer leicht grüneren Umwelt- und Klimapolitik zu punkten.

Die FDP will ihre Botschaften mit neuartigen Technologien unter das Volk bringen: Ein Virtual-Reality-Film ermögliche es den Wählerinnen und Wählern, die FDP «neu zu erleben». Gemäss Sprecher Martin Stucki steht der360-Grad-Film, der eine Botschaft von Petra Gössi enthält, den Sektionen zusammen mit einem Messestand zur Verfügung. Zudem hätten alle Ortsparteien zwei Virtual-Reality-Brillen aus Karton erhalten, mit denen der Film auf dem Handy angeschaut werden könne.

Der Slogan: «Die Schweiz will»

Wahlziel: die SP überholen und zweitstärkste Kraft werden (heute 16,4 Prozent).

CVP: die Optimisten

Parteipräsident Gerhard Pfister sieht seine Partei trotz Verlusten bei den kantonalen Wahlen gut aufgestellt. Pfister hat das Wahljahr zum Jahr der Konkordanz und des Zusammenhalts ausgerufen. Als Mittepartei sei die CVP die Garantin dieses Zusammenhalts. Inhaltlich wollen die Christlichdemokraten unter anderem mit ihrem Kampf gegen die wachsenden Gesundheitskosten punkten: Wie die SP hat sie dazu eine Volksinitiative lanciert, mit der eine Kostenbremse eingeführt werden soll.

Für die Verbreitung ihrer Kampagne setzt die CVP auf die Hilfe von über 350 Botschaftern, die über die sozialen Medien, in persönlichen Gesprächen und an Veranstaltungen für die orangen Werte werben sollen. «Sie sind die Speerspitze unserer Kampagne», sagt Mediensprecherin Vera Tschan.

Der Slogan: «Wir halten die Schweiz zusammen»

Wahlziel: Wähleranteil von heute 11,6 Prozent steigern, viertstärkste Kraft in der Bundesversammlung bleiben.

Grüne: die Klimaretter

Die Grünen surfen auf einer Erfolgswelle, mit der Klimapolitik steht derzeit einer ihrer Schwerpunkte ganz oben auf der politischen Agenda. Entsprechend unbescheiden präsentiert sich die Partei: Die Grünen seien «für die Menschen in ganz Europa zur Hoffnungsträgerin für eine lebenswerte Zukunft geworden». Nur wer grün wähle, der wähle eine Schweiz, die eine Zukunft habe. Die Grünen sehen sich nicht nur als Retter des Weltklimas, sondern auch als Beschützer des gesellschaftlichen Klimas. Sprich: als Bollwerk gegen den Rechtspopulismus.

Der Slogan: «Unser Klima, deine Wahl»

Wahlziel: mindestens vier Sitzgewinne im Nationalrat (heute 12 Sitze) und ein Wähleranteil von 9 Prozent (heute 7,1 Prozent).

GLP: die Europa-Freunde

Die Grünliberalen sind die einzigen, die ohne Vorbehalte und ohne Forderung nach Präzisierungen hinter dem Verhandlungsergebnis zum institutionellen Abkommen mit der EU stehen. Der Bundesrat müsse das Rahmenabkommen nun rasch unterzeichnen. Neben den Beziehungen zu Europa sind der Klimaschutz, der Kampf gegen Protektionismus und die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare die Schwerpunkte der grünliberalen Kampagne. Die GLP wurde zuletzt zum Auffangbecken für SP-Politiker, denen die Sozialdemokraten zu dogmatisch geworden sind. Im Herbst zeigt sich, ob auch ein Teil der Wählerschaft das Lager wechselt.

Der Slogan: «Es ist Zeit»

Wahlziel: Wähleranteil von 7 Prozent (heute 4,6 Prozent), mindestens 10 Nationalratssitze (heute 8 Sitze) und Wiedereinzug in den Ständerat.

BDP: die Selbstironischen

Seit ihrer Gründung 2008 muss sich die BDP anhören, ihr fehle das Alleinstellungsmerkmal und nicht wenige prognostizieren ihren baldigen Tod. Die Angeschossenen versuchen nun mit einer mutigen Kampagne den Befreiungsschlag: Die BDP sei «langweilig, aber gut», heisst es auf den Wahlplakaten. Die Kleinpartei will damit unterstreichen, dass sie nicht ideologisch, sondern lösungsorientiert und trocken politisiert. Oder in den Worten von Parteipräsident Martin Landolt: «Wir sind stille Schaffer.» Inhaltlich positioniert sich die BDP als progressive Mittepartei, die sich für eine griffige Klimapolitik einsetzt.

Der Slogan: «Langweilig, aber gut.»

Wahlziel: Verteidigung der 7 Sitze im Nationalrat und des einen Sitzes im Ständerat.

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