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Der grüne Prinz Charles

Das WEF-Logo ist weg, dafür prangt ein royales Symbol hinter Charles. Ein Schelm, wer hier einen Heiligenschein sieht.

Das WEF-Logo ist weg, dafür prangt ein royales Symbol hinter Charles. Ein Schelm, wer hier einen Heiligenschein sieht.

Der Prince of Wales traf Greta Thunberg und fordert einen kompletten Umbau der Marktwirtschaft.

Es muss schon ein sehr prominenter Gast kommen, damit das Weltwirtschaftsforum WEF die weltbekannte digitale Tapete hinter dem Rednerpult auswechselt. Statt dem WEF-Logo erschien kurz vor 15 Uhr eine Krone in bunten Farben. Es ist eine Abwandlung des Emblems des Prinzen von Wales.

Prinz Charles erschien im Nadelstreifenanzug mit Poschettli, weissem Hemd und blauer Krawatte mit weissen Punkten. Er entschuldigte sich zuerst, dass er seit fast dreissig Jahren nicht mehr am Treffen in Davos teilgenommen habe.

Plädoyer für nachhaltiges Wirtschaften

Zu einem Besuch in diesem Jahr bewogen habe ihn das Thema Umwelt. Er könne sich noch an seine erste Umweltrede im Jahr 1968 erinnern, doch nun spüre er, dass etwas in Bewegung komme. Prinz Charles stellte eine Art Forderungskatalog vor, der sich an die in Davos versammelten Manager richtete. Ziel müsse es sein, die Weltwirtschaft nachhaltiger zu machen und eine Klimakrise zu verhindern. Unter anderem forderte der britische Thronfolger eine Abwendung von fossilen Energien und dass alle verbleibenden CO2-Emissionen kompensiert werden (netto null Emissionen). Dies sollen Staaten und private Firmen durch einen «klaren Plan» erreichen. Gesetze und Subventionen sollen derart angepasst werden, dass sie sich positiv fürs Klima auswirken. Er plädierte dafür, dass die wahren Kosten − also inklusive Folgen für die Umwelt − in die Preise von Produkten und Dienstleistungen einberechnet werden. Die britische Presse stellte erstaunt fest, dass Charles hier für grüne Steuern plädiert.

WEF: Sommaruga spricht mit Prinz Charles über Bienen

WEF: Sommaruga spricht mit Prinz Charles über Bienen

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga traf sich am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos mit dem Prince of Wales, besser bekannt als Prinz Charles. Bei der Begrüssung machte sie ihn mittels eines Bildes symbolisch auf das Aussterben der Bienen aufmerksam, was Prinz Charles mit einem freundlichen Lachen quittierte.

Teil des Zehnpunkteplans von Charles sind auch Investitionen in grüne Technologien. Der Prinz von Wales rechnete zudem vor, die Natur leiste einen enormen Beitrag an die Wirtschaft, der grösser sei als das globale Bruttosozialprodukt. In diesem Teil seiner Rede brillierte Charles in Business-­Sprech. Inhaltlich sprach er wie eine Greenpeace-Aktivistin, äusserlich aber wie ein Investmentbanker.

Er plädierte zudem für Transparenz. Kunden müssten genau informiert sein, wie nachhaltig die Produkte einer Firma sind. Der Mann, der als britischer Thronfolger nicht aufs Geld schauen muss, forderte, dass nachhaltiger Konsum keine Frage der Grösse des Portemonnaies sein dürfe. Zuletzt forderte er dazu auf, Gelder – zum Beispiel – aus Pensionskassen in grüne Technologien zu investieren.

Treffen mit Greta Thunberg und Häme im Heimatland

Charles’ Rede sorgte für Häme im Heimatland. Die Zeitung «Daily Mail» rechnete genüsslich vor, wie nachhaltig denn die Reise des Thronfolgers ans WEF sei. Von London sei er im Privatjet nach St.Gallen geflogen, was 6 Tonnen CO2 pro Person gekostet habe statt 0,19 Tonnen in einem Passagierflugzeug. Dann habe er immerhin den elektrisch betriebenen Jaguar nach Davos genommen, statt wie andere einen privaten Helikopter.

Mehr Aufmerksamkeit als seine Rede in Davos hatte das Treffen mit Greta Thunberg. Ein Bild, auf dem er ihr die Hand schüttelte, ging über die sozialen Medien schnell viral.

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