Neues Business

Der gestrauchelte Bundesanwalt wagt einen Neustart: Michael Lauber gründet eine Beratungsfirma

Im Visier von Ermittlungen: Ex-Bundesanwalt Michael Lauber.

Im Visier von Ermittlungen: Ex-Bundesanwalt Michael Lauber.

Als Bundesanwalt fiel Michael Lauber in Ungnade. Jetzt hat er ein neues Business. Sein Geschäftspartner verfügt über gute Drähte in den Iran.

Es war ein Abgang, der für viele überfällig war. Nach langem Hin und Her räumte Michael Lauber per Ende August seinen Posten als Bundesanwalt. Damit kam er einer drohenden Amtsenthebung zuvor. Nun versucht Lauber einen Neubeginn: Der 55-Jährige hat eine Beratungsfirma gegründet. MCLC Consulting GmbH heisst das Unternehmen, das er unlängst ins Handelsregister eingetragen hat. Der Name ist augenscheinlich ein Akronym aus «Michael Christoph Lauber» – so heisst der Spitzenjurist mit vollem Namen – und eben «Consulting».

Die Firma residiert an bester Lage in Luzern; am Grendel in der Altstadt, gleich beim prestigeträchtigen Schwanenplatz, nur paar Schritte vom Seebecken entfernt. Gemäss Handelsregister bezweckt Lauber mit seinem Unternehmen hauptsächlich «die Erbringung von Beratungsdienstleistungen aller Art». Um welche Dienstleistungen es sich dabei genau handelt? Dazu will sich Lauber vorderhand nicht äussern. «Zurzeit stehe ich Ihnen für Informationen nicht zur Verfügung», schreibt er auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende».

Klar ist aber: Lauber hat bei seiner MCLC einen weltgewandten Geschäftspartner an Bord geholt. Eingetragen mit Einzelunterschrift ist auch der Luzerner Vermögensverwalter Jürg Müller. Der Mann mit einem Faible für Kunst arbeitete früher für eine Genfer Privatbank und unterhielt Geschäftsbeziehungen in den Nahen Osten. Inzwischen hat Müller ein Finanzunternehmen mit Sitz in der Stadt Luzern, er ist als Domiziladresse für verschiedene Firmen gelistet.

Geschäfte mit Top Shots aus dem Iran

Müllers interessantestes Mandat betrifft den Iran, wohin er nicht nur private Beziehungen besitzt. In Genf war er im Verwaltungsrat einer Firma, die zwei Top Shots der iranischen Wirtschaft gehört: Jalal Rasoulof, CEO der Privatbank Ayandeh, und dem Investor Ali Ansari. Die beiden sind bekannt, weil sie in Teheran auf der Fläche von 45 Fussballfeldern eines der grössten Shoppingzentren der Welt gebaut haben, mit 40-stöckigem Turm für Dienstleister, Kinos, Moschee und weiteren Annehmlichkeiten.

Seit Juli dieses Jahres ist die Genfer Firma von Rasoulof, Ansari und Müller nun in Liquidation. Diese habe eigentlich Finanzdienstleistungen anbieten wollen, sagt Müller im Gespräch. Aufgrund der US-Sanktionen im Iran habe die Firma jedoch nie wirklich tätig werden können. Deshalb wird sie jetzt aufgegeben. Nach wie vor besitzt Müller die Namensrechte für die Bank Ayandeh in der Schweiz.

Das iranische Finanzinstitut ist allerdings ins Visier der US-Behörden gekommen. Anfang Juni wurde es, nicht zum ersten Mal, als mögliches Ziel für US-Sanktionen genannt. Die Trump-Regierung wirft der Bank vor, den iranischen Staatssender Irib unterstützt zu haben, der falsche Nachrichten und Propaganda verbreite. Fragen zu seiner neuen Geschäftsbeziehung mit Michael Lauber will Müller nicht beantworten.

Gegen Michael Lauber laufen Ermittlungen

Bevor Lauber als Bundesanwalt zurücktrat, stand er monatelang in der Kritik: zum einen wegen seiner Amtsführung, zum anderen wegen mutmasslicher Ungereimtheiten bei den Ermittlungen rund um den Weltfussballverband Fifa. Unter Laubers Ägide wurde die Bundesanwaltschaft zuletzt zu einer eigentlichen Belastungsprobe für die Schweizer Justiz. Auch die Aufsichtsbehörde AB-BA stellte Lauber im Frühjahr ein schlechtes Zeugnis aus und kürzte ihm den Lohn. Schliesslich bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Vorwurf schwerer Amtspflichtverletzungen.

Im Sommer begann die juristische Aufarbeitung des Falls Lauber. Die zuständigen Parlamentskommissionen hoben seine Immunität auf, womit der Weg frei wurde für ein Strafverfahren. Ein ausserordentlicher Bundesanwalt führt die Ermittlungen gegen Lauber; im Kern geht es dabei um mehrere nicht protokollierte Treffen mit Fifa-Präsident Gianni Infantino. Der Vorwurf lautet unter anderem auf Amtsmissbrauch respektive Anstiftung zum Amtsmissbrauch und Verletzung des Amtsgeheimnisses. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die eidgenössischen Räte hatten Michael Christoph Lauber, genannt «Mike», im Herbst 2011 zum Bundesanwalt gewählt. Zuvor präsidierte der Anwalt unter anderem den Aufsichtsrat der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein, führte den Bankenverband des Fürstentums und arbeitete im Bundesamt für Polizei.

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