Kommentar

Der Bundesrat dosiert das Risiko: Warum die Lockerung des Veranstaltungsverbots richtig ist

Ab dem 1. Oktober wird die 1000er-Regel aufgehoben – damit dürften sich die Zuschauerränge wieder füllen.

Ab dem 1. Oktober wird die 1000er-Regel aufgehoben – damit dürften sich die Zuschauerränge wieder füllen.

274 Neuinfektionen gab das Bundesamt für Gesundheit am Mittwoch bekannt. Und trotzdem erlaubt der Bundesrat ab dem 1. Oktober Grossveranstaltungen. Das ist richtig, solange die epidemiologische Entwicklung das zulässt.

Es war wohl der wichtigste Entscheid zur Eindämmung der Corona-Pandemie: Am 23. Februar gab der Bundesrat bekannt, Grossveranstaltungen mit über 1000 Menschen zu verbieten. Wer damals noch zweifelte, wie ernst dieses Virus zu nehmen ist, wusste spätestens mit der Absage der Basler Fasnacht, des Autosalons in Genf oder leeren Eishockeystadien: Ja, die Lage ist ernst. Die Schweiz war das erste Land in Europa, das Grossveranstaltungen verbot.

Und nun das: Der Bundesrat geht wieder voran. Ab dem 1. Oktober wird die 1000er-Regel aufgehoben. Der Entscheid fiel zusammen mit einem starken Anstieg der Neuinfektionen: 274 waren es in den letzten 24 Stunden. Er fiel zehn Tage, nachdem BAG-Chef Pascal Strupler vor einer «epidemiologischen Trendwende» warnte und die Kantone «wachrütteln» wollte. Und er fiel, obschon sich 19 Kantone für eine Verlängerung der 1000er-Regel bis Ende Jahr ausgesprochen haben.

Handelt der Bundesrat also verantwortungslos?

Nein. Zwar mag man darüber staunen, wie widersprüchlich der Entscheid zur Kommunikation des Bundes in den letzten Wochen war. Man mag auch darüber staunen, dass der Bundesrat die Regel lockert, die Verantwortung aber den Kantonen zuschiebt, die jede Grossveranstaltung bewilligen müssen.

Aber: Wir müssen einen Weg finden, um mit dem Virus zu leben. Der Sport hat eine wichtige gesellschaftliche Funktion - man denke nur schon an ihre Nachwuchsförderung. Den Profisport abzuwürgen, wäre falsch. Gleichzeitig muss die epidemiologische Lage berücksichtigt werden. Deshalb blieb der Bundesrat am Mittwoch vage, er gab den Veranstaltern nicht die Planungssicherheit und die Garantien, die sie gerne hätten.

Der Bundesrat geht damit ein dosiertes Risiko ein. Alles andere wäre fahrlässig. Eishockey- und Fussballspiele mit Zuschauern sollen unter gewissen Bedingungen möglich sein. Wenn es nicht klappt, muss man aber auch den Mut haben, wieder einen Schritt zurück zu machen.

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