Limmattal

Der Anwalt von Angela M. nach ihrer Haftentlassung: «Ich rate ihr, sich zurückzuziehen»

In Chiasso übernahmen Schweizer Polizisten Angela M. Die Gefängniswärterin floh zusammen mit dem Häftling Hassan K. Anfang Februar aus dem Gefängnis Limmattal. Am Karfreitag wurden die beiden in Italien verhaftet.

Auslieferung an die Schweiz: Angela M. in Chiasso

In Chiasso übernahmen Schweizer Polizisten Angela M. Die Gefängniswärterin floh zusammen mit dem Häftling Hassan K. Anfang Februar aus dem Gefängnis Limmattal. Am Karfreitag wurden die beiden in Italien verhaftet.

Die Gefängnisaufseherin, die Anfang Februar mit einem Häftling aus dem Gefängnis Limmattal ins Ausland geflüchtet war, befindet sich wieder auf freiem Fuss. Das Zürcher Obergericht hat sie per sofort freigelassen. Weil sie geständig ist, bestehe keine Fluchtgefahr. Kontakt zu Hassan K. kann sie aber noch keinen haben.

Wie das Obergericht gegenüber Journalisten bekannt gab, fiel der Entscheid über die Freilassung am Donnerstagabend. Am Freitag wurde die 32-Jährige dann aus der Haft entlassen. Als Grund dafür gab das Gericht an, dass weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr bestehe.

Die Wärterin ist nicht vorbestraft und hat ein Geständnis abgelegt. Sie dürfte daher nur zu einer bedingten Strafe verurteilt werden. Sie in Haft zu lassen, sei darum nicht angezeigt. Das Gericht folgte somit einem Antrag ihres Anwalts, der mit einer Beschwerde die Freilassung verlangt hatte. Der Staatsanwaltschaft und dem Zwangsmassnahmengericht passt das nicht in den Kram: Diese beiden Parteien stellten sich in einer Stellungnahme an das Obergericht gegen den Antrag von Urs Huber, den Anwalts von Angela M.. „Sie gehen beide davon aus, dass weiterhin eine Fluchtgefahr besteht“, sagt Huber gegenüber der Limmattaler Zeitung.

Dies bestätigte auch die zuständige Staatsanwältin Claudia Wiederkehr gegenüber «Radio SRF»: Mit ihrer Flucht nach Italien habe die Gefängnisaufseherin bewiesen, dass durchaus eine Fluchtgefahr bestehe. Der Entscheid sei dementsprechend für die Staatsanwaltschaft nicht nachvollziehbar. Ebensowenig für das Zwangsmassnahmengericht, welches damals Untersuchungshaft für Angela M. angeordnet hatte.

Urteilsbegründung ist geheim

Die ausführliche Urteilsbegründung, mit der sich das Zürcher Obergericht für die Freilassung entschieden hatte, soll nicht öffentlich werden. „Darin sind sehr detaillierte Informationen zum Verfahren enthalten. Diese Informationen sind zu sensibel“, erklärt Urs Huber. Wann Angela M. der Prozess gemacht wird, ist noch offen: Zuerst muss der verurteilte Vergewaltiger Hassan K. aus Italien in die Schweiz gebracht werden, wo er von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis befragt werden wird.

Im Gegensatz zu ihr machte sich der syrische Häftling mit dem Ausbruch aus dem Gefängnis nicht strafbar. Allerdings dürfte er seine Chance auf Hafterleichterung oder vorzeitige Entlassung verspielt haben. Der 27-Jährige sitzt nach wie vor in Auslieferungshaft in einem Gefängnis im norditalienischen Bergamo. Das Justizministerium in Rom hat dem Gefängnis noch keine offizielle Erlaubnis für die Auslieferung erteilt. Deshalb kann Angela M., die ihn als „Mann meines Lebens“ bezeichnet, noch keinen Kontakt zu ihm haben. Kontakt aufnehmen dürfte sie hingegen mit ihrem Vater Kurt Bill. Nach der Freilassung seiner Tochter war Bill für die Limmattaler Zeitung noch nicht zu erreichen. Wie der "Blick" berichtet, befindet sich Angela M. nun bei ihren Angehörigen.

Wohnt Angela M. wieder in Oberglatt?

Ihr Anwalt Urs Huber hat Angela M. zuletzt am Dienstag im Gefängnis, das sich ausserhalb des Kantons Zürich befindet, besucht. Wohin sie sich nach ihrer Freilassung begeben wird, ist noch unklar. Möglich ist, dass sie die Wohnung in Oberglatt aufsucht, in der sie zuletzt mit einer Freundin wohnte. „Ich habe ihr empfohlen, sich nach der Freilassung zurückzuziehen, damit sie zur Ruhe kommt“, sagt der Zürcher Anwalt Urs Huber.

Der Jurist hat damit gerechnet, dass sein Antrag auf Freilassung erfolgreich sein wird. „Ich habe erwartet, dass der Entscheid heute Freitag fällt. Urteile bezüglich Haft oder Freilassung werden prioritär behandelt. Das Obergericht hat sehr gut entschieden und sich mit allen Argumenten auseinandergesetzt.“

Nachdem die Freilassung von Angela M. bekannt wurde, drückten viele Laien ihr Unverständnis dafür aus, mittels Online-Kommentaren und in den sozialen Medien. Dieses Unverständnis ist für Anwalt Urs Huber nicht nachvollziehbar: „Man muss diese Sache nüchtern juristisch betrachten. Die Fluchtgefahr ist einfach nicht mehr gegeben, da sich Angela M. auch nach ihrer Freilassung der Staatsanwaltschaft und dem Gericht zur Verfügung stellen wird. Schliesslich hat sie ihre Tat zugegeben und wartet jetzt auf die Gerichtsverhandlung.“

Angela M. könnte ungehindert nach Italien gehen

Brisant: Angela M. unterliegt nach ihrer Freilassung keinen Auflagen und ist damit ein "freier Mensch", wie die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis auf Anfrage erklärt. Sie könnte ungehindert das Land verlassen. Auch Grenzwächter dürften sie nicht aufhalten, wie die Staatsanwaltschaft bestätigt. Damit wäre es auch möglich, dass sich Angela M. zumindest zeitweise nach Italien begibt.

Erst vor wenigen Wochen, in der Nacht auf Karfreitag, wurden Angela M. und der Häftling Hassan K. in ihrem Liebesnest beim italienischen Bergamo verhaftet. Dort hatten sie sich nach der gemeinsamen Flucht aus dem Gefängis Limmattal versteckt. Rund zwei Monate hatte die Polizei nach den Flüchtigen gesucht.

Ausbrecherpaar Magdici-Kiko gefasst

Ausbrecherpaar wurde gefasst

Gefängnisaufseherin Angela M und Häftling Hassan K. wurden heute in Italien verhaftet. Der leibliche Vater von Magdici ist überglücklich. Das Liebespaar war rund eineinhalb Monate auf der Flucht.

Neue Sicherheitsvorschriften

Die gemeinsame Flucht aus dem Gefängnis Limmattal hatte bereits Auswirkungen auf den Strafvollzug im Kanton Zürich. In allen Gefängnissen werden zusätzliche technische Massnahmen eingeführt, welche vom Kanton allerdings nicht näher erläutert werden. Zudem wird zusätzliches Gefängnispersonal eingestellt. Die Personalaufstockung sorgt jährlich für 700 000 Franken Mehrkosten, wie die Limmattaler Zeitung aufdeckte.

Das zusätzliche Personal ist nötig, weil in allen Gefängnissen eine Zweierbesetzung im Nachtdienst eingeführt wird, wobei eine Person wach ist und die andere schläft. Im Gefängnis Limmattal gibt es die Zweierbesetzung schon länger – die Flucht wurde damit aber nicht verhindert. Die Zürcher Regierung betonte diese Woche aber, dass das bisherige Sicherheitssystem grundsätzlich funktioniert habe. Was aber bleibe, sei der Risikofaktor Mensch. (deg)

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