Der Abriss ist beschlossen - doch die IG pro Steg bäumt sich noch einmal auf

Das alte Kraftwerk am deutschen Rheinufer mitsamt dem Eisensteg soll in den Rang eines Weltkulturerbes gehoben werden. Dafür kämpft die IG pro Steg unbeirrt weiter, obwohl der Abriss des Komplexes beschlossen ist.

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Die IG pro Steg kämpft weiter

Die IG pro Steg kämpft weiter

Peter Rombach

Die Aktivisten um IG-Präsident Peter Scholer bäumten sich nochmals auf und schickten eine «dringliche Peti-
tion» an den Deutschen Bundestag nach Berlin und an den Landtag von Baden-Württemberg in Stuttgart.

Ob Reaktionen am Hochrhein eintreffen, bevor die Abrissbagger anrücken, ist momentan schwer einschätzbar. Der Energiedienst AG und der Stuttgarter Landesregierung wird vorgeworfen, sich der «Waffe der Desinformation» zu bedienen.

«Die Aufgabe der Petitionsausschüsse wird in diesem letzten Moment vor Abrissbeginn sehr bedeutungsvoll, vorausgesetzt, sie fühlen sich nicht nur dem Gesetz, sondern auch der Wahrheit verpflichtet.»

Es habe Unterstützung durch mehrere Landtagsabgeordnete aus der
Region gegeben, freute sich die IG über Schützenhilfe. «Wir versuchen, das Steuer nochmals herumzureissen», unterstrich der Medienverantwortliche Ueli Urwyler und berichtete darüber hinaus von «laufenden Abklärungen» bezüglich einer Petition bei der EU, genauer bei der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Silvana Koch-Mehrin.

«Ebenfalls haben wir Günther Öttinger, Mitglied der Europäischen Kommission für Energie und ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg, der unser Anliegen aus erster Hand kennt, mit dieser Petition und den dazugehörigen Schreiben beliefert», berichtete IG-Sprecher Ueli Urwyler.

Ferner liefen Anstrengungen der IG, um das Kraftwerkensemble für die Tentativliste der Unesco anzumelden. Als Tentativliste bezeichne sich die Vorschlagsliste bedeutender Kultur- und Naturstätten zur Auszeichnung mit einem Welterbetitel, erläuterte Ueli Urwyler. «Wir haben die Bestätigung und Unterstützung der beiden weltweit ranghöchsten Denkmalschutzorganisationen.»

Die in Rheinfelden grenzüberschreitend agierende IG stehe nicht allein da. Im Brustton der Überzeugung hält Urwyler fest: «Inzwischen unterstützt die ganze Welt unser Anliegen, das alte Maschinenhaus und den Eisensteg als Weltkulturerbe zu erhalten. Nur das Land Baden-Württemberg und die Energiedienst AG wollen es, warum auch immer, nicht wahrhaben, dass hier etwas Einzigartiges in Bezug auf regenerative Energie steht, das für die Nachwelt unbedingt erhalten werden muss – einmalig auch als Weltkulturerbe.»

Die IG wünsche, dass die zuständigen Behörden «im letzten Augenblick» erkennen, dass zumindest ein Abbruchmoratorium hilfreich ist. «Wir wissen wohl, dass wir auf dem rechtlichen Weg den Abriss nicht mehr verhindern können, hoffen aber auf den politischen Feinsinn der Volksvertreter, um der Menschheit ein Weltkulturerbe zu erhalten.» Die IG vertrete immer noch die Meinung, resümiert Ueli Urwyler, dass ein Nebeneinander von Denkmalschutz und Naturschutz «sehr wohl möglich» sei.