Limmi
Dem «Limmi» fehlen 100 Millionen

Die Zürcher Gesundheitsdirektion stoppt das laufende Projekt für den Neubau des Spitals Limmattal. Knackpunkt ist die Finanzierung eines ambulanten Bereichs, der nicht mehr im Leistungsauftrag enthalten ist.

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Limmi-Spital

Limmi-Spital

Limmattaler Zeitung

Jürg Krebs

Es ist plötzlich so vieles infrage gestellt. Zuerst einmal zehn Jahre Planung für ein neues Spital Limmattal. Dann der Urnengang von 2007, als die Stimmberechtigten der 17 Verbandsgemeinden im Limmattal und Furttal den Kredit über 149,5 Millionen Franken genehmigt hatten. Gestern liess die Spitalführung nämlich wissen, dass das Neubauprojekt gestorben sei. Der Grund: Die Zürcher Gesundheitsdirektion sehe die Tragbarkeit des Projektes als nicht gegeben an. An einem Neubau wird allerdings festgehalten, wenngleich unter neuen Vorzeichen.

Weitere Überraschung

Das ist eine weitere Überraschung auf dem Weg hin zu einem neuen Spital. Bereits 2007 verhängte der Regierungsrat einen Ausführungsstopp von zwei Jahren. Ende 2008 erklärte die Gesundheitsdirektion dann, dass das vorgesehene Gebäude aufgrund der steigenden Patientenzahlen in den Bereichen ambulante Leistungen und Notfall bereits zu klein sei. Die Anpassung des Projekts liess die Kosten von 150 Millionen auf gegen 250Millionen Franken ansteigen. Und nun hat die Gesundheitsdirektion wieder einen Vorbehalt. Diesmal betrifft es die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. Weil ab 2012 das Modell zur Spitalfinanzierung ändert, fehlen 100Millionen Franken.

Ab 2012 gilt als Finanzierungsgrundlage eine so genannte Fallpauschale. Das heisst, pro Fall darf eine festgelegte Kostenobergrenze nicht überschritten werden. Ein Mehraufwand geht zulasten des Spitals. In dieser Fallpauschale ist ein Investitionsanteil enthalten, wie Thomas Hächler, Verwaltungsratspräsident des Spitalverbands Limmattal erklärt.

Ambulatorium auf eigene Kosten

Aber: Das Spital Limmattal erhält von der Gesundheitsdirektion nur noch einen Leistungsauftrag für den stationären Bereich und die Notfallvorhalteleistung sowie Aus- und Weiterbildung - will das «Limmi» also weiterhin ambulante Leistungen anbieten, dann auf eigene Kosten.

An einer Sitzung mit Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger wurde der «Limmi»-Delegation um Thomas Hächler vor drei Wochen beschieden, dass der Kanton ab 2012 auch keine Sonderfinanzierungen mehr gewähren wird. Bei Spitälern, die solche bereits für ihre Sanierungsprojekte erhalten haben, etwa das Triemli, werden sie in zu verzinsende Darlehen umgewandelt.

Damit haben sich die Bedingungen für einen Neubau des Spitals Limmattal grundlegend geändert - aber auch für medizinische Leistungen. Laut Spitalpräsident Hächler wird der Verwaltungsrat nächste Woche deshalb über eine neue Strategie diskutieren. Von dieser hängt viel ab. «Das Spital ist in einer schwierigen Situation und ohne strategische Neuausrichtung in Gefahr», sagt Leo Boos, Spitaldirektor ad interim.

Klar ist bereits jetzt, dass der ambulante und der stationäre Bereich separat organisiert werden müssen. Der stationäre finanziert sich über die Fallpauschalen, weshalb die Verbandsgemeinden darauf hoffen können, ihren Anteil an den 150Millionen Franken gar nicht erst abgeben zu müssen. Für den ambulanten Bereich gilt hingegen: Es braucht ein neues Finanzierungsmodell, und zwar eines, das sich am privaten Markt orientiert. Konkrete Lösungsschritte sollen im März vorliegen. Auf den ambulanten Bereich zu verzichten, kommt gemäss Boos nicht infrage, weil er den stationären wettbewerbsentscheidend ergänzt.

Eine Machbarkeitsstudie für das neue Bauprojekt wird für Herbst erwartet. Laut Baukommissionspräsident Max Walter will man dann so weit sein wie jetzt. Noch glaubt er, am Einweihungstermin 2018 festhalten zu können. Trotz Neustart sind die von Walter auf drei Millionen Franken geschätzten Planungskosten nicht in den Sand gesetzt. Ein grosser Teil der Studien könne weiter verwendet werden.

Wettbewerbsvorteil?

Die Führungscrew scheint sich mit der neuen Situation schnell abgefunden zu haben. Thomas Hächler spricht sogar von Chancen. Das neue «Limmi» werde strategisch und baulich auf die neuen Wettbewerbsbedingungen im Gesundheitswesen ausgerichtet sein. Das biete dem «Limmi» Vorteile gegenüber anderen Spitälern.