Pro und Kontra
Debatte: Gehört Magdalena Martullo-Blocher ins Parlament nach Bern?

Magdalena Martullo-Blocher will für die SVP Graubünden in den Nationalrat. Die Meinungen dazu gehen auseinander. Ein Pro und Kontra von Christoph Mörgeli, Weggefährte von Christoph Blocher, und Jon Pult, Präsident der SP Graubünden.

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Die Nachricht hat für Aufsehen gesorgt: Magdalena Martullo-Blocher, die älteste Tochter des SVP-Chefstrategen Christoph Blocher, will im Herbst für die SVP Graubünden in den Nationalrat gewählt werden.

Die Meinungen über die Kandidatur gehen diametral auseinander – wie auch im Pro&Kontra:

Es debattieren Christoph Mörgeli (54) aus Stäfa, seit 16 Jahren für die SVP Zürich im Nationalrat und Weggefährte Christoph Blochers, sowie Jon Pult (31), Historiker aus Chur, Bündner Grossrat sowie Präsident der SP Graubünden. Er kandidiert im Herbst ebenfalls für den Nationalrat.

PRO: «Gut für die Frauen, für die SVP und für die ganze Schweiz»

Magdalena Martullos unternehmerischer Ausweis ist tadellos, ihre wirtschaftspolitischen Wortmeldungen sind kompetent, sagt SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Magdalena Martullos unternehmerischer Ausweis ist tadellos,ihre wirtschaftspolitischen Wortmeldungen sind kompetent

Magdalena Martullos unternehmerischer Ausweis ist tadellos, ihre wirtschaftspolitischen Wortmeldungen sind kompetent, sagt SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Magdalena Martullos unternehmerischer Ausweis ist tadellos,ihre wirtschaftspolitischen Wortmeldungen sind kompetent

Keystone

Darüber müssen sich die Linken, Medien und EU-Beitrittsfreunde erst einmal fassen: Magdalena Martullo, die älteste Tochter von Christoph Blocher, will für die SVP Graubünden in den Nationalrat. Dabei haben die Internationalisten und Sozialisten aller Parteien voll auf die biologische Uhr gesetzt: Was Christoph Blocher durch dessen politische und wirtschaftliche Glaubwürdigkeit gelungen ist – die Verhinderung des Anschlusses an die Brüsseler Bürokratie für eine Generation –, sollte endlich überwunden werden. Jetzt zittern Blochers Gegner vor dem nicht absehbaren Ende seines geistigen wie finanziellen Einsatzes
für die Schweiz.

Am Leistungsausweis der Unternehmerin Magdalena Martullo, die auf den Zweitnamen hinter dem Bindestrich souverän verzichtet, gibt es nichts zu kritteln. Der Aktienkurs der Ems Chemie AG hat sich in der Ära Martullo verdreifacht. Wäre sie nicht Christoph Blochers Tochter, würde ihr Porträt ständig die Titelseiten der Wirtschaftsmagazine zieren. Wäre sie nicht Christoph Blochers Tochter, würde ihre Erfolgsgeschichte von Feministinnen
in allen Spalten abgefeiert.

Martullos wirtschaftspolitische Wortmeldungen waren allerdings zu kompetent, um überhört zu werden. Die Unternehmerin hat mit konkreten Zahlen eindrücklich aufgezeigt, wie die Wirtschaft in den letzten Jahren die Effizienz gesteigert und die Preise gesenkt hat, während der Staat fetter, teurer und gefrässiger wurde.

Ihr Fazit: In Bundesbern bestimmen zunehmend Berufspolitiker weitab von der Lebenswirklichkeit der Arbeitnehmer. Martullo hat belegt, wie wenig die EU-Bürokratie den Bedürfnissen des Werkplatzes Schweiz entspricht. Und sie hat als erste Stimme unserer Wirtschaft in wohltuender Differenz zum lauwarmen Gefasel der Verbände nachgewiesen, dass die energiepolitischen Wolkenschiebereien des Departements Leuthard ins Verderben führen.

Ab sofort ist das Lamento über das politische Abseitsstehen von Unternehmern und Managern nicht mehr erlaubt. Magdalena Martullo steht im Idealalter von 45 Jahren bereit, ihre national gewichtige Stimme für den Arbeitsstandort Graubünden zu erheben. Die Kandidatur Martullos ist eine gute Sache für die Frauen. Eine gute Sache für die SVP. Eine gute Sache für die Schweiz.

KONTRA: «Ihre Wahl wäre schlecht für das Berggebiet»

Problematisch an der Kandidatur Martullo ist nicht der Vater oder der Wohnort oder der Stil – schädlich für Graubünden wäre ihre Politik, sagt Jon Pult, Präsident SP GR und Grossrat.

Problematisch an der Kandidatur Martullo ist nicht der Vater oder der Wohnort oder der Stil – schädlich für Graubünden wäre ihre Politik, sagt Jon Pult, Präsident SP GR und Grossrat.

AZ

Seit Magdalena Martullo-Blocher angekündigt hat, in Graubünden auf einer SVP-Liste für den Nationalrat zu kandidieren, diskutieren die Schweizer Medien über diese sonderbare Kandidatur. Eine Zürcher Goldküsten-Milliardärin mit dem Ruf als kalte Managerin angelsächsischen Zuschnitts, die in Interviews Chinas Parteidiktatur lobt und die europäische Demokratie kritisiert, will die Bevölkerung Graubündens in Bern vertreten. Darf sie das überhaupt? Und wird sie am Schluss gewählt? Ja, sie darf. Und nein, ihre Chancen sind gering.

Diese oft gestellten Fragen sind letztlich aber uninteressant. Wichtiger ist eine Auseinandersetzung mit der Politik der Kandidatin. Das Martullo-Blocher-Programm scheint klar: weniger Staat, Ausstieg aus dem Atomausstieg, Isolation in Europa. Liegen diese Ziele der Zürcher SVP im Interesse Graubündens? Weniger Staat bedeutet weniger Service public. Und weniger Service public bedeutet das Abhängen der Berggebiete von der Mittellandschweiz. Martullos Angriff auf staatliche Leistungen widerspricht darum den Bündner Interessen diametral. Der Ausstieg aus dem Atomausstieg bedeutet die Weiterführung der faktischen Atomstrom-Subventionierung zum Schaden der bündnerischen Wasserkraft. Und er bedeutet das Abwürgen der Entwicklungschancen der Sonnenenergie im Berggebiet. Martullos Nein zur Energiewende widerspricht darum ebenfalls den Interessen des Berggebiets.

Die von der SVP gewollte Isolation der Schweiz in Europa ist schliesslich das Allerschädlichste für die Prosperität des Landes, aber insbesondere des Tourismuskantons Graubünden. Die europäische Vernetzung – und nicht die Isolation – war und ist der Schlüssel unserer wirtschaftlichen Stärke. Die gegenteilige Erzählung mag heute populär sein, falsch ist sie trotzdem. Auch hier politisiert Martullo-Blocher gegen das Gesamtinteresse Graubündens.

Eine Wahl von Magdalena Martullo-Blocher wäre nicht wegen ihres Wohnorts, nicht wegen ihres Vaters, nicht wegen ihres Stils und nicht einmal wegen ihrer mangelnden Verankerung in Romanisch- und Italienischbünden schlecht für Graubünden. Ihre Wahl wäre wegen ihrer Politik schlecht für Graubünden! Denn diese ist letztlich gegen das Berggebiet gerichtet.

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