Eidgenössisches

Das ist König Mättu

Acht Siege in zwei Tagen: Matthias Sempach ist der neue Schwingerkönig. Das Fest hat den Sieger, den es verdient. Der 27-jährige Metzger aus Alchenstorf zeigte eine Klasseleistung.

Daniel und Elisabeth Sempach war die Anspannung auf der Tribüne anzusehen. Sie hat sich ausgezahlt. Ihr mittlerer von drei Söhnen ist der neue Schwingerkönig 2013! Ein gigantischer Druck lastete auf dem Berner, war er doch das Aushängeschild dieser Tage in Burgdorf.

Der neue Schwingerkönig heisst Matthias Sempach. Die Entscheidung im Schlussgang fiel in der zwölften Minute. Angesetzt war der Kampf auf 15 Minuten.

Mit einem Fussstich beförderte der Lokalmatador aus Alchenstorf den Koloss Christian Stucki (Lyss/Alchenstorf) ins Sägemehl, wo er ihn anschliessend auf den Rücken überdrückte.

Die Schweiz hat einen neuen Schwingerkönig: Matthias Sempach

Die Schweiz hat einen neuen Schwingerkönig: Matthias Sempach

Schlussgegner durch Ausschwingen

Matthias Sempach dominierte das Fest. Er geriet in keinem seiner Gänge ernsthaft in Bedrängnis. Im vierten Gang gegen Reto Nötzli schluckte er etwas Sägemehl, fand kurz vor Ablauf der Zeit aber den Weg zum Sieg doch noch. Martin Koch im sechsten Gang (während 50 Sekunden) und Christian Stucki zweimal im Schlussgang vermochten Sempach hochzuheben, mussten ihn aber behutsam wieder zu Boden lassen und aufpassen, nicht ausgekontert zu werden.

Nach sieben Gängen führte er mit anderthalb Punkten Vorsprung, so dass sein Schlussganggegner in einem Ausschwingen ermittelt werden musste.

Einen derartigen Kunstgriff gab es erstmals an einem Eidgenössischen. Alle Schwinger mit Ausnahme von Matthias Sempach bestritten den achten Gang. Christian Stucki qualifizierte sich über dieses Ausschwingen mit einer Maximalnote gegen Edi Philipp für den Schlussgang, in dem er nur noch im einen Viertelbonuspunkt kämpfte. Mit diesem Bonus-Viertel hätte er im Falle eines Sieges aber Sempach einholen können, und als Sieger des eigentlichen Schlussgangs wäre Stucki König geworden. Dem Seeländer fehlte im neunten Gang und nach zwei Gestellten am Sonntag (gegen Matthias Glarner und Christoph Bieri) aber die Kraft.

Dass zwei Berner am Ende den Schlussgang bestritten, dokumentierte, wie stark die Berner Schwinger das Fest dominierten. Schon im sechsten Gang mussten erstmals zwei Berner zusammengreifen: der damals in Führung liegende Stucki mit dem Berner Oberländer Matthias Glarner. Auch das war an einem Eidgenössischen der Neuzeit eine Premiere. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts, als die Nordostschweizer die Schwinger-Szene dominierten, gab es auch schon verbandsinterne Duelle schon vor dem Schlussgang, aber noch nie schon am Sonntagvormittag.

Kein Novum war aber die verbandsinterne Angelegenheit im Schlussgang: 2001 in Nyon, 2004 in Luzern und 2007 in Aarau standen sich jeweils zwei Nordostschweizer im Schlussgang gegenüber.Sempach verdient nach einem makellosen Wettkampf souverän und verdient - auch wenn der eine oder andere Zuschauer es im Final fast ein wenig Christian Stucki auch gegönnt hätte. Doch der hatte keine Chance gegen den mit Abstand besten Schwinger des Eidgenössischen.

Matthias Sempach ist neuer Schwingerkönig. Zurecht finden die Fans.

Matthias Sempach ist neuer Schwingerkönig. Zurecht finden die Fans.

Sempach ist 27 Jahre alt, im Sternzeichen Widder geboren und gelernter Metzger. Der 108 Kilogramm schwere und 194cm grosse Athlet trainiert mit Valerie Adams, der Kugelweltmeisterin, und Jean-Pierre Egger. In seinem Steckbrief gibt er an: kein eigentliches Vorbild. Will seit jeher seinen eigenen Weg gehen. Nimmt aber gerne Ratschläge von ehemaligen Schwingern an.

Im ersten Interview mit SRF sagt Sempach: «Schwingen ist meine Leidenschaft. Schon seit meiner Kindheit träumte ich davon.» Unterstützt worden sei er sehr von seiner Familie, seiner Freundin und der Equipe.

Als sein Sieg feststand, drückte er Stucki einen Kuss auf den Kopf. Über den Kuss mit Stucki sagte er: «Er hatte es verdient. 2008 gewann er, heute habe ich es verdient.»

Danach sagt Sempach, mit ganz kleinen Tränen im Auge: «Ich will jetzt feiern!» (SI/cls)

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