Eidgenössisches

Das grosse Volksfest der starken Mannen im Sägemehl

Doch der «König» wurde schon am Vormittag entzaubert und fand im Innerschweizer Martin Koch seinen Meister. Beim prächtigen Wetter amüsieren sich rund 50'000 Zuschauer.

Das Emmentaler Städtchen Burgdorf hat am Samstag den ersten Ansturm der Schwingerfans erlebt. Zwar herrschte überall ein grosses Gedränge, doch aus der Ruhe bringen liess sich im Emmental deshalb niemand.

Schon am frühen Morgen rollte ein Extrazug um den anderen im Bahnhof Burgdorf ein. Gegen 20'000 Personen reisten mit dem öffentlichen Verkehr in die Emmestadt, wie ein Sprecher der SBB auf Anfrage sagte. Einzig der allererste Zug aus Luzern hatte einige Minuten Verspätung, weil er so stark besetzt war und das Einsteigen darum seine Zeit dauerte.

In Burgdorf angekommen nahmen die meisten Besucherinnen und Besucher den rund viertelstündigen Fussmarsch zum Stadion unter die Sohlen. Auch Shuttlebusse verkehrten.

Entzauberter König

In der restlos ausverkauften Emmental Arena herrschte eine friedliche und fröhliche Stimmung als um 7.30 Uhr die Athleten einmarschierten. Rund hunderttausend Hände klatschten im Takt zum Einzug der Schwinger. Als der Berner Verband mit dem amtierenden Schwingerkönig Kilian Wenger in die Arena einzog, hielt es kaum einen der über 50'000 Zuschauer mehr auf seinem Sitz.

Doch der "König" wurde schon am Vormittag entzaubert und fand im Innerschweizer Martin Koch seien Meister. Damit schmolzen Wengers Chancen auf die Titelverteidigung wie Frühlingsschnee an der Sonne.Dennoch blieb den Berner Fans Grund zum Jubeln, denn mit Matthias Sempach und Christian Stucki hatten sie noch heisse Eisen im Feuer.

In der Mittagspause hatten die Fans Zeit für ausgiebiges Fachsimpeln. Beim Anstehen an den Essensständen war mitunter etwas Geduld gefragt. Dies tat der fröhlichen Stimmung aber kaum Abbruch. Einzig die Wespen erwiesen sich als wahre Plaggeister.

Hohe Politikerdichte

Unter den über 50'000 Zuschauern in der grossen Schwingfestarena in Burgdorf tummeln sich auch zahlreiche Politikerinnen und Politiker. Viele von ihnen sind als Ehrengäste der Organisatoren und Verbände aber auch als Gäste von Sponsoren geladen.

Ein Zweitages-VIP-Ticket kostet 1250 Franken, wie der Sprecher des "Eidgenössischen", Raphael Wild eine Meldung der Tageszeitungen "Tages-Anzeiger" und "Der Bund" vom Samstag auf Anfrage bestätigte. Sponsoren hätten die Packages für 1050 Franken kaufen können. Ehrengäste wie der Bundespräsident zahlten natürlich nichts.

Ob ein Politiker eine Einladung annimmt, liegt letztlich in seinem Ermessen. Im Vademecum der Bundesversammlung heisst es dazu, dass die Grenze zwischen dem Wahrnehmen sozialer Verpflichtungen und strafrechtlich relevantem Verhalten nicht scharf gezogen werden könne. Den Politikerinnen und Politikern wird jedenfalls zu grösster Sensibilität und Zurückhaltung geraten.

Wie andere Sponsoren, hat beispielsweise auch die Brauerei "Feldschlösschen" zwei Politikerinnen aus dem Kanton Aargau zu Gast, wie Konzernsprecherin Bettina Sutter auf Anfrage sagte. Der Fokus bei derartigen Einladungen liege aber klar nicht bei den Politikerinnen und Politikern, sondern bei Kunden des Konzerns.

Nach Angaben der "Feldschlösschen"-Sprecherin hat der Konzern für die beiden Politikerinnen nur ein Bruchteil des Preises für ein Zweitags-VIP-Ticket ausgegeben. Wie viel genau blieb indessen offen.

Kaum Tickets im Verkauf

Die Ticket- und Preispolitik am "Eidgenössischen" hatte im Vorfeld verschiedentlich Kritik geerntet. Ein Grossteil der Plätze zwischen 50 und 250 Franken ging an die Schwingklubs. Die restlichen Tickets gingen an Sponsoren und Gönner. In den öffentlichen Publikumsverkauf kamen gerade einmal 4000 Tickets.

Wer keine Karte ergattern konnte, immerhin auf dem Festgelände das Geschehen kostenlos in der Public Viewing Zone mitverfolgen. Dort herrschte denn auch den ganzen Freitag über reger Andrang.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1