Der Anlass strotzt nur so vor eidgenössischer Politprominenz: FDP-Präsidentin Petra Gössi und SVP-Präsident Albert Rösti werden da sein und Referate halten. Das Grusswort spricht SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr und die Einführung kommt von der freisinnigen Nationalrätin Doris Fiala. Die Rede ist von der Veranstaltung mit dem Titel «Liberale Klimapolitik auf dem Prüfstand: Wasserstoff H2 - Treibstoff für den Klimaschutz», die am 1. Juni im Kanton Aargau stattfindet. In Hunzenschwil können die Teilnehmer die erste Wasserstofftankstelle des Landes besichtigen.

Organisatoren sind gemäss dem offiziellen Flyer des Events die «FDP Frauen Schweiz», deren Präsidentin Fiala ist, sowie die «SVP Frauen Schweiz». Der geneigte Politbeobachter stutzt und fragt sich: «SVP Frauen Schweiz»? Die gibt es doch gar nicht mehr.

«Die Situation ist unbefriedigend»

Tatsächlich wurde die nationale Frauensektion der Volkspartei Anfang 2016 aufgelöst. Der Grund: mangelndes Interesse. Wenn man Veranstaltungen organisiere, gingen zu wenig Anmeldungen ein, sagte Judith Uebersax, die letzte Präsidentin der «SVP Frauen Schweiz», damals: «Die Situation ist unbefriedigend.» Der damalige SVP-Vizepräsident Oskar Freysinger sagte: «Es braucht keine Politik für Frauen, sondern eine Politik für Menschen.» Drei Jahre später treten die aufgelösten «SVP Frauen Schweiz» nun also als Co-Veranstalterinnen eines Anlasses auf. Wurde die nationale Frauenorganisation der Volkspartei drei Jahre nach ihrer Auflösung klammheimlich wieder reaktiviert?

Ausschnitt aus dem Flyer zum Klimaevent.

Ausschnitt aus dem Flyer zum Klimaevent.

Kommuniziert wurde das jedenfalls nie. Doch so muss es wohl gewesen sein, denn auf dem Flyer zur Klimaveranstaltung prangt ganz oben neben dem Logo der «FDP Frauen Schweiz» auch das bekannte Logo der SVP mit dem «Sünneli» und dem Zusatz «Frauen». Eine kurze Googlesuche macht indes klar: Einen Internetauftritt haben die «SVP Frauen Schweiz» keinen. Also Nachfrage beim SVP-Generalsekretariat in Bern. Dort heisst es: «Die SVP Frauen Schweiz gibt es nicht mehr.» Die Verwirrung ist gross.

Mit einer Stimme auftreten können

Der nächste Anruf geht darum in den Thurgau, an Diana Gutjahr. Sie muss wissen, was es genau mit den «SVP Frauen Schweiz» auf sich hat. Immerhin spricht die Nationalrätin am 1. Juni im Aargau das Grusswort. Und tatsächlich kann Gutjahr die Verwirrung auflösen: «Die Frauen in der SVP-Bundeshausfraktion haben sich unter dem Namen <SVP Frauen Schweiz> zusammengeschlossen. Mit der aufgelösten nationalen Frauensektion der Partei hat das nichts zu tun.»

Die Idee zu diesem «losen Zusammenschluss,» wie es Gutjahr nennt, kam, nachdem Frauen in der SVP von Doris Fiala angefragt worden seien, ob sie beim Klimaevent als Mitorganisatorinnen auftreten wollten. Der Auftritt der «SVP Frauen Schweiz» soll jedoch keine einmalige Sache bleiben, sondern auch nach der Veranstaltung weitergehen, wie Gutjahr sagt: Es gehe darum, sich zu vernetzen, den Kontakt zu pflegen und bei gewissen Themen auch mit einer Stimme gegen aussen auftreten zu können. Gleichzeitig betont die Thurgauerin: «Es ist aber nicht so, als würden wir als Frauen in der SVP-Fraktion sonst nicht wahrgenommen werden. Wir fühlen uns gut aufgehoben.»