Schweiz

Coronakrise fällt in der Schweiz milder aus: Gewerkschaft sieht Raum für höhere Löhne

Wie es mit der Schweizer Wirtschaft weitergeht, hängt stark von der Entwicklung der epidemiologischen Lage ab. (Symbolbild)

Wie es mit der Schweizer Wirtschaft weitergeht, hängt stark von der Entwicklung der epidemiologischen Lage ab. (Symbolbild)

Die Expertengruppe des Bundes hat ihre Konjunkturprognose am Montag korrigiert. Damit seien Nullrunden bei den Löhnen nicht mehr gerechtfertigt, findet der Arbeitnehmerdachverband Travailsuisse.

(wap) Noch im Juni sah die Expertengruppe des Bundes rabenschwarz für die Schweizer Konjunktur: Wegen der Coronakrise rechnete sie für das laufende Jahr mit einem Einbruch des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 6,2 Prozent. Wie das Staatssekretariat für Wirtschafts (Seco) am Montag nun aber mitteilte, dürfte es am Ende ganz so schlimm nicht kommen: Die Konjunkturprognose wurde nach unten korrigiert. Der Rückgang des BIP wird nun lediglich noch auf 3,8 Prozent veranschlagt.

Die Arbeitnehmerseite wittert darum nun Morgenluft. «Auch in Bezug auf die Lohnverhandlungen sind die verbesserten Wirtschaftsaussichten erfreulich», schreibt der Dachverband Travailsuisse am Montag in einer Reaktion auf die neue BIP-Prognose. Und: «Flächendeckende Nullrunden bei den Löhnen sind nicht gerechtfertigt, bescheidene Lohnerhöhungen für einen Grossteil der Arbeitnehmenden möglich und sinnvoll.»

Beschäftigungslage wird sich nur langsam erholen

Besonders Angestellte in systemrelevanten Berufen hätten eine Lohnerhöhung mehr als verdient, so Travailsuisse. Zudem sei eine Erhöhung der Kaufkraft auch ein Beitrag zur Bewältigung der Wirtschaftskrise. Aus diesem Grund müssten die Arbeitgeber nun auch auf unnötige Entlassungen verzichten, um die Krise nicht noch weiter zu verschärfen, fordert Travailsuisse. Derzeit gibt es nach Angaben des Seco rund 50'000 Arbeitslose mehr als zur gleichen Jahreszeit im Vorjahr.

Die Arbeitgeberseite verweist derweil darauf, dass die Krise noch längst nicht überwunden ist. «In dieser schweren Krise werden viele Unternehmen quer über alle Wirtschaftsbranchen hinweg zu wenig Mittel haben, um nur schon ihre Ersatzinvestitionen zu tätigen», schreibt der Schweizerische Arbeitgeberverband auf Anfrage von CH Media. Um Insolvenzen zu verhindern und Arbeitsplätze zu erhalten, sei Lohnzurückhaltung «absolut vordringlich». Auch der Schweizerische Gewerbeverband spricht sich gegen eine generelle Lohnerhöhung aus, wie er auf Anfrage schreibt. Grundsätzlich sei es jedoch den einzelnen Branchen überlassen, ob und wie stark sie die Löhne erhöhen wollen.

In Bezug auf die Arbeitslosigkeit hat die Expertengruppe des Bundes ihre Prognose zu den Auswirkungen der Coronakrise am Montag weniger stark korrigiert. Im Juni wurde für 2020 von einem Jahresdurchschnitt von 3,8 Prozent ausgegangen, jetzt noch von 3,2 Prozent. Für 2021 rechnen die Experten mit einer Arbeitslosigkeit von neu 3,4 Prozent. Im Juni hatten sie für das nächste Jahr noch 3,8 Prozent Arbeitslosigkeit vorausgesagt. Die Beschäftigungslage werde sich nur langsam erholen, schreibt das Seco dazu in seiner Mitteilung.

BIP wird 2021 wieder wachsen – ohne Sportevents

Immerhin werde das Bruttoinlandprodukt aber nächstes Jahr wieder wachsen, und zwar um 3,8 Prozent. Wobei allerdings bei den Berechnungen Sportevents ausgeklammert wurden.

Ob sich die Erholung der Wirtschaft jedoch wie errechnet und wie erhofft fortsetzen wird, hängt auch stark von der Entwicklung der Pandemie ab. Wenn etwa eine Zulassung eines Impfstoffs die globale Unsicherheit abschwäche, werde es schneller gehen, so das Seco. Erneute Betriebs- und Grenzschliessungen könnten die Erholung jedoch abwürgen.

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