Pro & Contra
Corona-Eintrag im Impfbüchlein: Soll es Vorteile geben für Menschen, die sich impfen lassen?

Schon bald wird auch in der Schweiz damit begonnen, Menschen gegen das Coronavirus zu impfen. Um die Skepsis gegenüber eines Corona-Impfstoffs zu senken, könnte eine Impfung mit gewissen Privilegien verbunden werden. Doch ist dies der richtige Weg?

Bruno Knellwolf und Sabine Kuster
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CH Media

Pro: Der einzige Weg zu ein bisschen Normalität

Bruno Knellwolf.

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Machen wir uns nichts vor. Der Weg zurück in die Normalität ist noch lang und auf diesem ist noch keine Alternative zur Corona-Impfung zu sehen. Nach einer Alternative gefragt, bleiben jene meist stumm, die im Gespräch locker sagen: Impfen? Ich nicht, sollen doch die andern.

Die Impfungen gegen Pocken, Kinderlähmung und andere schwere Infektionskrankheiten gehören zwar zu den grössten Erfolgsgeschichten der Medizin, sie funktionieren aber nur, wenn eine gewisse Zahl an Menschen mitmacht.

Die Corona-Experten hoffen darauf, dass sich die Skepsis in der Bevölkerung legen wird, wenn die Impfungen vom Heilmittelinstitut Swissmedic geprüft, zugelassen und offen und transparent über Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen informiert wird. Ob die BAG-Kampagne dazu führen wird, dass die notwendige Durchimpfung der Bevölkerung von 60 bis 70 Prozent erreicht wird, ist aber ungewiss.

Ein Impfzwang ist ausgeschlossen. Da könnte es sich als hilfreich erweisen, die Impfbereitschaft mit gewissen Vorteilen zu verknüpfen. Wenn ein Impf- oder Immunitätsausweis den Weg zurück in die Normalität erleichtert, also zum Beispiel den Gang zurück ins Theater, an ein Konzert oder ins Stadion ermöglicht. Diese Diskriminierung ist zwar störend und darf deshalb auch nur in Bereichen vorkommen, in denen es um Freizeit und Vergnügen geht. So kann Veranstaltern, die sich mit jedem Monat näher in Richtung Ruin bewegen, wieder Hoffnung gemacht werden.

Denn auf Masken, Distanz und Einschränkungen werden wir auch nicht verzichten können, wenn im Januar in der Schweiz mit den ersten Impfungen begonnen wird. In einer ersten Impfphase werden nur die Gefährdesten und das Pflegepersonal mit Patientenkontakt geimpft, um die Corona-Erkrankung zu verhindern. Um die Verbreitung des Virus zu stoppen, braucht es aber viel mehr Geimpfte. Bis dahin wird noch mindestens ein halbes Jahr vergehen.

Den Menschen wird aber die Geduld fehlen. Ein Immunitätsausweis kann in einer ersten Phase helfen, ein bisschen Normalität herzustellen. Mit der Zeit schleicht sich die Herdenimmunität ein und dann muss der Nachweis so schnell wie möglich wieder verschwinden. Bei Auslandreisen wird er beim Grenzübertritt in vielen Ländern aber wohl so oder so zum Begleiter werden.

Contra: Soll ein Corona-Impfpass Privilegien beinhalten?

Sabine Kuster.

Sabine Kuster.

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Bald werden in vielen Impfbüchlein der Schweizerinnen und Schweizern Stempel der Immunisierungen gegen Sars-CoV-2 prangen. Das Büchlein ist für die Diagnose von Erkrankungen sinnvoll: Wer künftig mit Fieber und Husten ins Spital eingeliefert wird und diesen Eintrag hat, bei dem können die Ärzte mit hoher Wahrscheinlichkeit Covid-19 ausschliessen und rascher nach anderen Ursachen suchen. Manchmal sind gewisse Impfungen und deren Beleg auch Voraussetzung für ein Aufenthaltsgesuch im Ausland. Es wäre verständlich, wenn ein fast Covid-19-freies Land wie Neuseeland bald nur noch einreisen lassen würde, wer Impfung vorweisen kann.

Gefährlich ist es jedoch, die Corona-Impfbescheinigung als Pass in einem einzelnen Land einzuführen. Wenn eine Impfung darüber entscheidet, ob man ins Kino darf, an einen Fussballmatch, ins Grossraumbüro oder ins Hallenbad, dann wird das Nicht-Geimpft-Sein zu einer körperlichen Untauglichkeit. Das würde jene, die sich gerade nicht impfen lassen können, weil sie immungeschwächt sind oder eine Allergie auf einen Bestandteil des Impfstoffes haben, diskriminieren. Eine Premiere. Kein immunologisches Defizit schliesst bisher irgendjemanden irgendwo im Land aus. Solche Druckmassnahmen kennt man aber von totalitären Ländern wie China.

Wenn eine Impfung darüber entscheidet, ob man ins Kino darf, an einen Fussballmatch, ins Grossraumbüro oder ins Hallenbad, dann wird das Nicht-Geimpft-Sein zu einer körperlichen Untauglichkeit. Das würde jene, die sich gerade nicht impfen lassen können, weil sie eine immungeschwächt sind oder eine Allergie auf einen Bestandteil des Impfstoffes haben, diskriminieren. Eine Premiere. Kein immunologisches Defizit schliesst bisher irgendjemand irgendwo im Land aus. Und wenn der Impfpass eingeführt würde: Warum sollte dann die Impfpflicht als Zulassung für diverse Orte nur für Covid-19 gelten? Und nicht auch für die Impfung gegen Grippe, Masern oder Tuberkulose?

Weil es bezüglich dieser Krankheiten gerade keine Pandemie gibt? Der Impfpass würde also wieder abgeschafft, wenn sich die Pandemie gelegt hat und genügend geimpft sind? Also in ungefähr einem Jahr? Welcher Veranstalter 2021 einen Massen-Event nur für Geimpfte organisieren und die anderen ausschliessen? Oder für die andren mit Maske?

Genau für diese Zeit hat das BAG bereits beschieden, dass Maskenpflicht und das Abstandhalten noch für alle gelten wird. Denn wenn sich Geimpfte an diese Regeln nicht mehr halten müssen, hätte dies mit Sicherheit eine letzte Infektionswelle zur Folge: Wenn die Pandemieregeln für die einen nicht mehr gelten, bröckelt die Disziplin sofort bei den anderen. Denn Geimpfte unterscheiden sich äusserlich nicht von Ungeimpften.

Der Sars Cov-2-Stempel im Impfbüchlein darf keine anderen Vorteile mit sich ziehen, als dass man damit gegen eine Infektion und Übertragung besser geschützt ist.