Café Fédéral
Unterwegs mit dem Bundesrat: Das Schuelreisli des Schreckens

Die zweitägige Reise von Schaffhausen bis ins Tessin bringt die ganze Last des Bundesratsamts ans Licht. Gut möglich, dass ein Geheimplan der Regierung dahinter steckt.

Stefan Bühler
Stefan Bühler
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Keine Spur von Annäherungsängsten: Viola Amherd und Ueli Maurer reichen sich die Hand.

Keine Spur von Annäherungsängsten: Viola Amherd und Ueli Maurer reichen sich die Hand.

Bild: Ennio Leanza / Keystone

Nie offenbart sich die volle Härte des Bundesratsamts, die ganze Gnadenlosigkeit des Kollegialitätsprinzips, das unermessliche Drama der Schicksalsgemeinschaft so deutlich wie beim Schulreisli des Bundesrats.

Die Kleinklasse, die uns regiert, reist zwei lange Tage lang durchs Land und tut so, als ob sich alle lieb hätten: Ueli Maurer und Viola Amherd, die sich gerade noch mit spitzen Bemerkungen und einer gepflegten Indiskretion zum Armeebudget beharkt haben, reichen sich von einem wankenden Boot zum andern über den schäumenden Wassern des Rheins lachend die Hand. Eine Symbolschwangerschaft, die mindestens auf Siebenlinge hoffen lässt!

Auch Ignazio Cassis gehört für einmal dazu: Er darf auf dem Böötli ans Steuer – wie gut er das macht! Und Sommaruga winkt, dass ihr fast die Hand abfällt. In ihrer angestrengten Fröhlichkeit erinnert die Gruppe an den Polterabend einer schlagenden Studentenverbindung.

Doch nicht genug damit. Zum Äussersten kommt es beim Kontakt mit der Bevölkerung. Denn diese tritt dem Bundesrat in der Person von Nicolas A. Rimoldi entgegen, dem Corona-Exorzisten mit Jesus-Frisur. Eine Heimsuchung, die jede gewöhnliche Bürgerin, jeden Bürger zum spontanen Rücktritt aus der Regierung veranlassen würde.

Aber vielleicht machen das unsere sieben Magistraten mit ihrem Reisli des Schreckens ja extra: Damit niemand anderes Bundesrat werden will.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga posiert für ein Selfie.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga posiert für ein Selfie.

Bild: Ennio Leanza / Keystone