Kolumne
Café Fédéral: Flugscham auf Instagram oder wie ein Vögeli auf die eigene Schnauze fliegt

Der Co-Präsident der Jungen Grünliberalen verbringt seine Sommerferien auf Mallorca – ein gefundenes Fressen für die politische Konkurrenz.

Christoph Bernet
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Der Präsident der Jungen Grünliberalen setzte sich für seine Ferien in Mallorca wohl auch in einen Flieger – dafür erntet er Häme. (Bild: Keystone)

Der Präsident der Jungen Grünliberalen setzte sich für seine Ferien in Mallorca wohl auch in einen Flieger – dafür erntet er Häme. (Bild: Keystone)

Normalerweise sind wir Schweizer ein flugfreudiges Völklein: 9000 Kilometer pro Jahr legen wir über den Wolken zurück. Das ist doppelt so viel wie in unseren Nachbarländern geflogen wird und zehnmal mehr als ein durchschnittlicher Erdenbewohner fliegt.

Diesen Sommer ist das anders: Das Coronavirus hat den abenteuerlustigen Schweizer Fernreisenden einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ferien im eigenen Land sind angesagt. Ascona statt Acapulco, Kandersteg statt Kanada, lautet die Devise. Das hilft nicht nur der darbenden hiesigen Tourismusbranche – auch die Umwelt profitiert von den gecancelten Flügen und den damit ausbleibenden Treibhausgasemissionen.

Nicht jedermann mag auf die Flucht in die Ferne verzichten. Gemäss Bildern auf seinem Instagram-Profil verbrachte Tobias Vögeli, Co-Präsident der Jungen Grünliberalen, seine Ferien auf Mallorca – wohin er kaum mit Zug und Fähre gereist ist. Genüsslich rieb ihm die politische Konkurrenz das umweltschädigende Verhalten unter die Nase. Die Fotos verschwanden wieder von seinem Profil.

Fast schon prophetisch erscheinen im Nachhinein die Äusserungen Vögelis vor den Wahlen 2019 bei SRF Virus. «Natürlich kommt es vor, dass ein Parteimitglied unnötigerweise den Flieger nimmt», erklärte er. Wenn jemand davon erfahre, werde man dafür «etwas gefoppt». Der langen Rede kurzer Sinn: Ein Vögeli fliegt auch mal auf die eigene Schnauze.

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