Erotik
Cabaret-Betreiber haben Angst um ihr Geschäft

Die Cabaret-Betreiber wehren sich gegen die Abschaffung des Tänzerinnen-Statuts. Und sie erhalten dabei auch Support von Frauenorganisationen.

Doris Kleck
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Dita von Teese strippt für Perrier
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Dita von Teese strippt für Perrier
Dita von Teese strippt für Perrier
Dita von Teese strippt für Perrier
Dita von Teese strippt für Perrier

Dita von Teese strippt für Perrier

Für Cabaret-Tänzerinnen gibt es eine rechtlich genaue Umschreibung. Sie sind Personen, die sich «im Rahmen musikalisch unterlegter Showprogramme ganz oder teilweise entkleiden». Diese juristische Exaktheit hat einen Grund. Seit mehr als 40 Jahren gibt es für Frauen aus Drittstaaten die Möglichkeit, in der Schweiz als Tänzerinnen zu arbeiten. Das Cabaret-Tänzerinnen-Statut ist eine Ausnahmeregelung für Erwerbstätige ausserhalb des EU/Efta-Raumes. Denn diesen steht der Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt in der Regel nur bei hoher Qualifikation offen. Begründet wurde diese Sonderregelung bis anhin mit der besonderen Schutzbedürftigkeit der Tänzerinnen. Doch nun will der Bundesrat dieses Statut aufheben.

Die Regierung argumentiert, dass das Statut keine Schutzwirkung entfalte und das Risiko des Menschenhandels erhöhe. Sie moniert die mangelnde Kontrollierbarkeit des Statuts, etwa das Prostitutionsverbot oder die Einhaltung der Mindestlöhne. Asco, der Verband Schweizer Konzertlokale, Cabarets, Dancings und Diskotheken widerspricht dieser Darstellung und weist den Ball zurück: «Die Behörden kontrollieren Cabarets zu wenig», sagt Asco-Präsident Jürg König. Der Verband hat eine Petition zur Beibehaltung des Tänzerinnen-Status lanciert. Asco will verhindern, dass Frauen in den Untergrund gedrängt werden, verfolgt aber auch handfeste Eigeninteressen: «Fällt das Statut, gehen weitere Cabarets ein», sagt König.

Männer mögens exotisch

Unterstützung bekommt Asco von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration Zürich (FIZ). Die Organisation lehnt die Abschaffung des Tänzerinnen-Statuts ab. Der FIZ missfällt zwar, dass Frauen aus Drittstaaten im Erotikbereich kanalisiert werden, sagt Susanne Seytter. «Doch die Tänzerinnen können dank ihres legalen Status ihre Rechte durchsetzen», fügt sie an. Letztes Jahr haben sich 107 Tänzerinnen bei der FIZ gemeldet, vor allem wegen ausstehender Lohnzahlungen. Bei der FIZ glaubt man nicht, dass Frauen wegen dem Wegfall des Status ihr Vorhaben aufgeben, in der Schweiz Geld zu verdienen. Stattdessen bräuchten sie Hilfe von Dritten: «Die Gefahr der Ausbeutung steigt», sagt Seytter.

Die Vereinigung der Kantonalen Migrationsämter hat noch keine offizielle Haltung zum Statut. Präsident David Keller geht aber davon aus, dass man der Abschaffung eher positiv gegenübersteht. Keller teilt die Auffassung des Bundesrates, dass es mit dem Statut oft nicht gelingt, Tänzerinnen vor Missbrauch zu schützen. Das Machtgefälle zwischen Arbeitgebern und Tänzerinnen sei zu gross: «Da nützen alle Kontrollen nichts», sagt Keller.

Bis Anfang November läuft die Vernehmlassung. Dann wird der Bundesrat über das Statut entscheiden. Tatsache ist: Die Zahl der Tänzerinnen aus Drittstaaten ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. 2011 waren es noch 1016 Tänzerinnen. Für Jürg König ist es aber unvorstellbar, die Tänzerinnen mit Frauen aus den neuen EU-Ländern zu ersetzen. Man will nicht auf Tänzerinnen aus Brasilien oder der Dominikanischen Republik verzichten: «Männer mögen das Exotische», sagt König.