Papizeit
Bundesrat diskutiert neue Ideen für den Vaterschaftsurlaub

20 Tage Vaterschaftsurlaub fordert eine Initiative. Der Bundesrat ist wenig angetan. Die Initianten hoffen nun auf einen Gegenvorschlag. Sie selbst zeigen sich wenig kompromissbereit.

Anna Wanner
Merken
Drucken
Teilen
Einen freien Tag erhalten die Väter bei der Geburt eines Kindes – so viel wie bei einem Umzug.

Einen freien Tag erhalten die Väter bei der Geburt eines Kindes – so viel wie bei einem Umzug.

Über dreissig Vorstösse gingen im Parlament zum Thema ein. Und dennoch ist der gesetzlich vorgegebene Vaterschaftsurlaub in der Schweiz noch so gut wie inexistent. Einen freien Tag erhalten die Väter bei der Geburt eines Kindes – so viel wie bei einem Umzug. Das ist einmalig in Europa.

Doch die Politik bewegt sich. Zuletzt hat das Parlament den Vorschlag des Bündner CVP-Nationalrats Martin Candinas für zehn Tage Vaterschaftsurlaub hauchdünn abgelehnt. Daraufhin hat der Verein «Vaterschaftsurlaub jetzt!» im Sommer eine Initiative eingereicht, die zwanzig Tage Vaterschaftsurlaub verlangt. Die Initiative liegt nun beim Bundesrat, der heute entscheidet, ob er einen Gegenvorschlag ausarbeiten will. Bereits vor einer Woche präsentierte Sozialminister Alain Berset seinen Kollegen eine Variante, der die Zwei-Wochen-Idee von Candinas wieder aufnahm, wie die «NZZ» berichtete. Zu einem Entscheid kam es aber nicht. Heute versucht es Alain Berset darum mit neuen, etwas weniger ambitionierten Vorschlägen, wie das westschweizer Radio RTS am Dienstag meldete. Der eine sieht vor, zehn Tage Elternzeit zwischen Mutter und Vater aufzuteilen. Der andere soll den Vätern nach der Geburt eines Kindes ermöglichen, Teilzeit zu arbeiten.

Das Bedürfnis erkannt?

Die Initianten erwarten einen «substanziellen Gegenvorschlag», wie Arno Kerst, Zentralsekretär der Gewerkschaft Syna, sagt. «Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung.» Kerst, der mit Syna über 40'000 Unterschriften sammelte, ist überzeugt, dass er die Mehrheit der Bevölkerung im Rücken hat. Der Gegenvorschlag wäre ein Zeichen, dass der Bundesrat das Bedürfnis erkannt hat. Kerst und Adrian Wüthrich, Präsident des Initiativkomitees, geben dennoch an, dass sie die Initiative nicht zurückziehen werden. Der Grundtenor: Bei der Initiative handle es sich bereits um einen Kompromiss, vier Wochen seien keine Maximalforderung.

Die Alternativen sind begrenzt

Zudem lehnt Kerst die vorliegenden Ideen ab. Die Einführung von Teilzeitpensen sei keine Alternative für jene Arbeitnehmer, die wenig verdienen und deswegen weiter hundert Prozent arbeiten müssten. Und bei Elternzeit können die Väter unter Umständen gar nicht profitieren. Zudem sei ein Rückschritt beim Mutterschaftsurlaub inakzeptabel. Allerdings hat sich die Schweiz international verpflichtet, den Müttern nach der Geburt mindestens 14 Wochen Urlaub zu gewähren. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Martin Candinas ist jedoch ebenfalls skeptisch, ob die neuen Ideen «wirtschaftlich verträglicher sind», wie er es ausdrückt. «Wenn sich Mann und Frau die zehn Tage aufteilen, sparen wir nichts. Es bleiben zehn Tage», rechnet Candinas vor. Zweitens sei die Verpflichtung zu Teilzeitpensen für Unternehmen viel schwieriger umzusetzen als ein Urlaub von zehn Tagen. Das zeigt: Sofern der Bundesrat den Vaterschaftsurlaub nicht über zehn Tage ausbauen will, sind die Möglichkeiten begrenzt. Er könnte zwar den freien Tag verdoppeln oder verdreifachen. Die Frage ist aber, ob es sich lohnt, dafür den politischen Apparat über Jahre zu beschäftigen.