Bundesrat
Das Ende der 11-Franken-Tests: Nasale Schnelltests sind unzuverlässig und sollen nicht mehr zum Zertifikat berechtigen

Der Bundesrat will den Testmarkt stärker regulieren. Er schlägt den Kantonen entsprechende Massnahmen vor. Klar ist: Wer sich testen lassen will, müsste künftig mehr bezahlen.

Doris Kleck
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Wer ein Covid-Zertifikat will, muss seinen Test seit zehn Tagen selbst bezahlen. Der Bund übernimmt die Kosten für Tests nur noch in wenigen Ausnahmefällen, etwa für Personen unter 16 Jahren. Die Massnahme hat das Preisgefüge auf dem Testmarkt ordentlich ins Rutschen gebracht. Neue Anbieter kamen auf den Markt, ein eigentlicher Preiswettbewerb entstand. So bietet etwa der Berner Anbieter Medica Care die Antigen-Schnelltests für elf Franken an. Es ist wohl das günstigste Angebot schweizweit. Der Bund bezahlt den Anbietern für den Test 47 Franken. Also mehr als das Vierfache.

Medica Care bietet den sogenannten nasalen Antigen-Schnelltest an. Der Abstrich wird als «angenehm» beschrieben: Denn er erfolgt im vorderen Nasenbereich. Das Resultat liegt bereits nach 20 Minuten vor.

Allerdings: Diese nasalen Antigen-Schnelltests sind umstritten. Besonders die Kantone Bern und Zürich monierten deren Unzuverlässigkeit. Gegenüber der Zeitung «Bund» hielt die Berner Gesundheitsdirektion fest, dass die Zuverlässigkeit gerade bei Personen ohne Symptome und mit geringer Virenlast sehr niedrig sei, sie betrage nur zwischen 10 und 20 Prozent.

Das vernichtende Fazit der Berner Pandemiebekämpfer: So kann man sich die Tests eigentlich sparen.

Verschiedene Kantone verlangten vom Bundesamt für Gesundheit, dass die nasalen Antigen-Schnelltests nicht mehr zum Covid-Zertifikat berechtigen sollen.

Bei den Coronatests ist ein Wildwuchs entstanden. Nun will der Bundesrat neue Regeln erlassen.

Bei den Coronatests ist ein Wildwuchs entstanden. Nun will der Bundesrat neue Regeln erlassen.

Christian Beutler / KEYSTONE

EU lässt Schnelltests zu

Mit Verweis auf die EU, wo die nasalen Schnelltests zum Zertifikat berechtigen, hatte der Bund das Ansinnen zunächst kritisch beurteilt. Denn das Schweizer Covid-Zertifikat ist mit dem EU-Zertifikat kompatibel, sie werden gegenseitig anerkannt.

Trotzdem hat der Bundesrat nun am Mittwoch entschieden, dass nicht mehr ein Zertifikat bekommen soll, wer einen nasalen Schnelltest macht. Einen entsprechenden Vorschlag hat er bei den Kantonen in die Konsultation geschickt. Der Bund begründet diesen Vorschlag mit den Rückmeldungen aus verschiedenen Kantonen. Die Qualität der Proben sei ungenügend:

«In der Folge ergab ein Antigen-Schnelltest von vor kurzem infizierten Personen mit einer noch niedrigen Viruslast häufig ein falsch negatives Resultat.»

Der Bundesrat will also verhindern, dass eine infizierte Person wegen eines falsch negativen Testergebnisses einen Fussballmatch oder ein Konzert besuchen kann.

Stimmen die Kantone diesem Vorschlag zu, dürfte dies das Ende der 11-Franken-Tests bedeuten. Die Testanbieter müssten dann auf die Antigen-Schnelltests mit Nasen-Rachen-Abstrich umstellen. Die Probeentnahme erfolgt in diesem Fall durch eine Fachperson beziehungsweise eine entsprechend ausgebildete und geschulte Person. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit müssen dies nicht zwingend Gesundheitsfachpersonen sein. Bei angemessener Instruktion und Supervision durch geschultes Personal könne der Abstrich auch ohne formale Berufsqualifikation erfolgen, beispielsweise durch Medizinstudierende oder Zivildienstleistende. Dank der besseren Qualität der Probe ist die Zuverlässigkeit höher.

Weniger Geld für Anbieter

Allerdings: Die Antigen-Schnelltests sind selbst dann umstritten, wenn der Abstrich im Nasen-Rachen-Raum erfolgt. Wissenschafter des Inselspitals Bern haben in einer Studie festgestellt, dass mit Schnelltests nur zwei von drei Fällen entdeckt werden. Noch schlechter war die Quote bei asymptomatischen Personen. Hier entdeckte der Schnelltest nur 44 Prozent der Infizierten. Studienleiter Michael Nagler sagte deshalb Ende August: «Die Antigen-Tests sind eine klare Schwachstelle der 3G-Strategie.» Er sehe «das Risiko, dass die Schnelltests die Pandemie nicht bremsen – sondern verstärken».

Der Bundesrat will den Hebel deshalb noch an einer anderen Stelle ansetzen. Er schlägt vor, dass der Tarif für Antigen-Schnelltests von 47 auf 36 Franken gesenkt wird.

Das heisst, Anbieter wie Apotheken würden vom Bund wesentlich weniger Geld bekommen. Damit soll die Attraktivität der Antigen-Schnelltest im Vergleich zum qualitativ besseren, gepoolten PCR-Speicheltest gesenkt werden. Die Botschaft, die der Bund aussendet, ist klar: Lieber PCR-Speicheltests statt unzuverlässige Antigen-Schnelltests. Allerdings befinden sich die interessierten Apotheken bezüglich gepoolten PCR-Tests erst in der Vorbereitungsphase.

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