Medikamentenpreise
Bundesrat Alain Berset: «Wir können Hunderte Millionen sparen»

Alain Berset ist überzeugt: Von den günstigeren Medikamenten profitiert auch die Pharma-Branche. Standortförderung bei der Medikamentenherstellung ist keine Option mehr. Die Preissenkungsrunde im Herbst könnte rechtliche Unsicherheiten schaffen.

Anna Wanner
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Alain Berset zu den tieferen Medikamentenpreisen

Alain Berset zu den tieferen Medikamentenpreisen

Keystone

Herr Bundesrat, Sie konnten tiefere Medikamentenpreise gegenüber der Pharma durchboxen. Mussten Sie auch Konzessionen machen?

Alain Berset: Die Einigung ist ein Erfolg für beide Seiten. Wir können an den Preissenkungen festhalten, die wir vor einem Jahr beschlossen haben. Dadurch können im Gesundheitswesen mehrere hundert Millionen Franken pro Jahr gespart werden. Die Pharma profitiert davon, dass die Zulassung der Medikamente schneller abläuft. Von der Einigung profitieren also alle: die Patienten, die Ärzte, die Krankenkassen und die Pharma.

Die Pharmavertreter machten an der Pressekonferenz keinen besonders glücklichen Eindruck.

Der Bundesrat hat vor einem Jahr entschieden, sich bei den Medikamentenpreisen am Auslandpreisvergleich zu orientieren. Das löste heftige Reaktionen aus: Parlamentsvertreter und die Branche wehrten sich dagegen. Ich finde es nach wie vor falsch, über die Medikamentenpreise Standortförderung zu betreiben. Hierfür arbeiten wir am Masterplan Pharma, für den ich einen runden Tisch ins Leben gerufen habe.

Haben Sie der Pharma Konzessionen bezüglich Standortförderung gemacht?

Nein. Es gibt Verbesserungen, die wir im Rahmen des Masterplans vorantreiben. Aber das geschieht unabhängig von der Diskussion über die Medikamentenpreise.

2016 steht die Festlegung der Medikamentenpreise erneut zur Debatte. Sie wollen den therapeutischen Quervergleich (TQV) wieder einbringen - auf Drängen der Pharma?

Nein. Der TQV war immer ein Aspekt, um den Preis eines Medikamentes zu bestimmen. Das ist so festgelegt. Der Bundesrat hat lediglich entschieden, während dreier Jahre auf die Anwendung des TQV zu verzichten, um die Preise zu senken.

Wie profitiert die Pharma?

Bei der Zulassung neuer Medikamente verkürzen sich die Fristen. Das fordert die Pharma-Branche schon lange. Für sie lohnt es sich damit umso mehr, innovativ zu sein, und die Planbarkeit ist besser. Davon profitieren auch die Patienten, weil sie die wirksamen, neuen Medikamente schneller vergütet erhalten.

30 Rekurse zu gesenkten Medikamentenpreisen sind hängig. Wie stark haben sie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) belastet?

Bis jetzt war die Belastung verkraftbar. Es stehen aber noch zwei Preissenkungsrunden bevor: Im Herbst 2013 werden die Preise von 800 Medikamenten neu berechnet. Wenn die Firmen dann nicht nur gegen 30, sondern gegen Hunderte Preissenkungen Rekurse einlegen, schafft dies eine enorme rechtliche Unsicherheit und blockiert tiefere Preise.

Die kürzeren Fristen für die Zulassung von Medikamenten bedeuten einen grösseren Aufwand. Zahlt am Ende der Steuerzahler?

Um die Fristen einzuhalten, brauchen wir zusätzliche Fachpersonen im BAG. Das soll aber nicht der Steuerzahler bezahlen. Die Pharma-Branche ist einverstanden, mehr Bearbeitungsgebühren zu zahlen. Die neuen Jobs im BAG sind also gebührenfinanziert.

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