Geheimes Fifa-Meeting

Bundesanwalt Michael Lauber hat Amnesie

Unter Druck: Bundesanwalt Michael Lauber.

Bundesanwalt Michael Lauber hat sich am Samstag erstmals zum geheimen Fifa-Meeting geäussert. Er geht davon aus, dass dieses stattgefunden hat, erinnere sich aber nicht. Trotz Disziplinarverfahren will er wieder kandidieren.

Seit Wochen weht Bundesanwalt Michael Lauber ein steifer Wind entgegen. Die Aufsichtsbehörde hat sich wegen einem mutmasslichen geheimen Treffen mit Fifa-Chef Gianni Infantino eingeschaltet und prüft die Einleitung eines Disziplinarverfahrens. Gestern nun hat sich der oberste Strafverfolger der Schweiz erstmals öffentlich zu den Vorwürfen geäussert. Und zwar in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF.

Zur Frage, ob er seine Kandidatur für eine dritte Amtsperiode zurückziehen werde, sagte Lauber: «Nein, ich bin überzeugt, dass das eine Situation ist, die ich meistern muss und erklären kann, wie das passiert ist.» Daran werde auch ein Disziplinarverfahren gegen ihn nichts ändern.

Dass er ein drittes Treffen mit Fifa-Chef Gianni Infantino verschwiegen haben soll, weist Lauber von sich. «Wir gehen davon aus – aufgrund von internen Papieren, die wir gesichtet haben, wie Agendaeinträge und SMS –, dass es das gegeben hat», sagte Lauber. «Davon müssen wir ausgehen. Das haben wir auch der Oberaufsicht gesagt. Ich erinnere mich aber nicht an das Treffen», sagte Lauber. Als Erklärung fügte er an, dass er sich beispielsweise an das zweite Treffen nur erinnere, weil er damals mehrmals habe den Zug wechseln müssen und deshalb viel zu spät angekommen sei.

Solche Treffen seien für ihn «courant normal». Es gehe bei solchen Meetings auch immer um das Gleiche: die Datenaufbereitung, die Einordnung und die Bitte um Mitarbeit. Aber auch um die Frage, wie er institutionell zur Unterstützung eines Verfahrens beitragen könne. Solche Treffen seien auch nie verfahrensrelevant, wenn er dabei sei, sagte Lauber weiter.

Lauber warf die Frage auf, was denn die Plausibilität oder die Motivation sei, wenn man ihm unterstelle, er lüge oder verschweige etwas. «Ich kann nur sagen, was ich weiss», sagte er weiter. «Ich lüge nicht. Das sind Behauptungen. Und die weise ich in aller Form zurück», sagte er weiter. Lauber verwies auch darauf, dass Infantino «in keiner Sekunde» Verfahrensbeteiligter oder Beschuldigter gewesen sei.

Als weitere Probleme in den Verfahren der Bundesanwaltschaft im ganzen Fussballkomplex sprach er Befangenheitsanträge sowie die Verjährungsproblematik an. Dieses Jahr werde die Bundesanwaltschaft entscheiden müssen, ob es zu Anklagen kommen werde oder nicht.
Dabei müsse immer auch priorisiert werden. Vieles müsse beiseite gelassen werden. Auch prominente Namen würden dabei keine Rolle spielen. Entscheidend sei die Aktenlage, ob sie ausreichend sei für eine Anklage oder einen Strafbefehl.

Gespräche wurden nicht protokolliert

Die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft prüft derzeit, ob eine Disziplinaruntersuchung gegen Bundesanwalt Lauber eingeleitet werden soll. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob das dritte Treffen mit Infantino tatsächlich stattgefunden hat und warum Lauber dies verheimlicht oder nicht bekannt gegeben hat.
Die Aufsichtsbehörde hatte Lauber bereits gerügt, weil er Treffen wie jene mit Infantino nicht protokolliert hatte, wie es das Gesetz vorschreibt. Die Bundesanwaltschaft will dies künftig tun. (sda/ber)

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