Coronavirus

Bisher werden in der Schweiz kaum Schnelltests durchgeführt - das liegt auch an der Skepsis der Hausärzte

In 15 Minuten ein Ergebnis: der Corona-Schnelltest.

In 15 Minuten ein Ergebnis: der Corona-Schnelltest.

Laut dem Bundesamt für Gesundheit kamen bisher erst einige hundert Schnelltests pro Tag zum Einsatz. Während die Apotheker sie als Chance sehen, sind viele Ärzte skeptisch.

50000 zusätzliche Tests, pro Tag: Diese stattliche Erhöhung der Testkapazitäten auf täglich insgesamt 80000 hatte Bundesrat Alain Berset Ende Oktober in Aussicht gestellt. Der Gesundheitsminister gab damals bekannt, dass die Antigen-Schnelltests freigegeben werden. Mittlerweile sind die Tests seit etwas mehr als einer Woche im Einsatz. Zumindest ein bisschen. Denn bisher, das sagte Stefan Kuster vom Bundesamt für Gesundheit gestern, wurden pro Tag nur «einige hundert» von ihnen durchgeführt.

Das ist viel weniger, als ursprünglich angedacht war. Vor allem liegt das daran, dass der Bund mit seiner Ankündigung die Kantone und das Gesundheitswesen überrumpelte. Insbesondere die Ärzte begegnen den neuen Tests generell mit viel Skepsis. Der Ärzteverband FMH verschickte vorletzte Woche ein internes Mail an seine Mitglieder, das für viel Aufregung sorgte, weil er seinen Mitgliedern von einem Einsatz der Schnelltests abrät. Mittlerweile heisst es beim FMH nur noch, man sei mit einer internen Evaluation zum Thema beschäftigt.

Zweifel an der Verlässlichkeit

Auch beim Verband der Haus- und Kinderärzte lösen die Tests keine Begeisterung aus. Präsident Philippe Luchsinger sagt, dass «aktuell nur eine Minderheit der Hausärzte» diese Tests einsetze. Als Grund gibt Luchsinger die mangelnde Verlässlichkeit der Tests an. Daneben stösst manchem Arzt die Vergütung für die Durchführung der Tests sauer auf. Diese sei «ein Hohn», sagte Josef Widler, der Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft, der «NZZ».

Die Apotheker betrachten die Tests laut dem Branchenverband Pharmasuisse derweil als Chance. Bis Ende Jahr soll ein Drittel der Apotheken die Tests anbieten. Derzeit sind es im ganzen Land erst gegen 20, was auch daran liegt, dass zuerst einmal Angestellte für Abstriche geschult und Räumlichkeiten bereitgestellt werden müssen.

Hausärztepräsident Luchsinger stellt derweil in Frage, ob die Apotheken überhaupt geeignet sind, die Tests durchzuführen. In seinen Augen begeben sich diese «aufs Glatteis», weil sie keine Erfahrung im Umgang mit infektiösen Patienten hätten. Pharmasuisse-Präsident Fabian Vaucher entgegnet, in dieser Situation zähle «der Einsatz jedes Leistungserbringers».

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Autor

Dominic Wirth

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