Katholische Kirche

Bischöfe stellen fortschrittlichen Sprecher auf die Strasse

Simon Spengler und Vitus Huonder

Simon Spengler und Vitus Huonder

In der Bischofskonferenz schliessen die Konservativen die Reihen. Die Schweizer Bischofskonferenz setzt ihren progressiven Mediensprecher ab.

Überraschend hat die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) am Donnerstag ihrem Mediensprecher Simon Spengler mittels Mehrheitsentscheid die Stelle gekündet. Dieser war die öffentliche Ansprechperson der SBK und setzte sich für ein fortschrittliches und modernes Bild der Kirche ein. Die Kündigung sei Teil einer Neuregelung der Aufgabenbereiche des Generalsekretärs und des stellvertretenden Generalsekretärs, schrieb die SBK. Diese Umstrukturierung trifft mit einer zweiten Kündigung auch die Anstellung des stellvertretenden Generalsekretärs Marco Schmid.

Das Vorgehen der SBK sorgt intern für Kritik: Die SBK wolle jetzt vermehrt auf Marketing setzen, statt auf persönlichen Kontakt und journalistische Medienarbeit, sagt Werner De Schepper, Präsident der Medienkommission der SBK. Für De Schepper ist die Entlassung Spenglers eine Überraschung: «Er hat seine Arbeit immer gut gemacht. Spengler gab der Kirche ein anderes Gesicht. Er sorgte für viele positive Meldungen.» Die Absetzung sei nicht mit der Medienkommission abgesprochen gewesen.

Kritik an Spengler aus Chur

Über den Auslöser für die plötzliche Absetzung Spenglers lässt sich nur spekulieren: Fakt ist, dass das konservative Bistum Chur von Bischof Vitus Huonder die Medienarbeit von Simon Spengler in seinem letzten Infoblatt kritisiert hatte. Laut De Schepper sei die offene und fortschrittliche Arbeit von Spengler, die auf der Linie von Papst Franziskus liege, für das Bistum Chur zu wenig hierarchiehörig gewesen.

In einer Umfrage stellte Spengler den Bischöfen auch Fragen zu Themen wie zum Beispiel Homosexualität. De Schepper vermutet, das sich die Bischöfe durch die persönlichen Fragen von Spengler bedrängt gefühlt hätten.

Wurde der Abgang von Spengler also vom Bistum Chur initiiert? Für eine Stellungnahme waren weder das Bistum Chur noch der SBK-Präsident, Markus Büchel, zu erreichen. De Schepper hat nun zusammen mit anderen Mitgliedern ein Protestschreiben verfasst und dieses dem SBK-Präsidenten Büchel, der Bischof von St. Gallen ist, zugeschickt.

Die SBK ist das Koordinierungsorgan der römisch-katholischen Bistümer der Schweiz. Sie wurde 1863 als weltweit erste Bischofskonferenz gegründet und ist Mitglied im Rat der europäischen Bischofskonferenzen.

Meistgesehen

Artboard 1