Ende Jahr springen Chippy, Lupe, Pauline und Che zum allerletzten Mal vor den Augen der Zuschauer in Knies Kinderzoo aus dem Pool und zeigen ihre eingeübten Pirouetten. Das hat der Rapperswiler Tierpark auf seiner Homepage bekannt gegeben. Wieso sich der Kinderzoo nach gut zwanzig Jahren von seinen vier letzten Patagonischen Seelöwen trennt, wollten die Verantwortlichen auf Anfrage nicht mitteilen.

Klar ist: Die Haltung der bis zu 2,5 Meter langen und 500 Kilogramm schweren Tiere ist äusserst anspruchsvoll. Der Schweizer Tierschutz (STS) kritisierte die Rapperswiler Kinderzoo-Betreiber in den vergangenen Jahren wiederholt für die zu kleinen Seelöwenbecken. Nicht ideal ist in den Augen der Tierschützer zudem die Wasserzusammensetzung. Statt in Salzwasser schwimmen die im Meer heimischen Tiere in Rapperswil grösstenteils in chloriertem Süsswasser.

Tierschützer loben Entscheid

Auch wenn sich der Kinderzoo selber über die genauen Gründe für die Trennung von seiner tierischen Show-Attraktion ausschweigt, ist für Tierschützer Samuel Furrer klar, dass die Betreiber letztlich selber gemerkt hätten, dass sie die Tiere in der alten Anlage nicht länger tiergerecht halten können. «Dass der Kinderzoo die Seelöwenhaltung aufgibt, ist ein verantwortungsvoller Entscheid. Die Anlage war seit längerem nicht mehr tiergerecht und hat wohl auch den Ansprüchen der Zuschauer nicht mehr entsprochen», sagt Furrer, Leiter der Fachstelle Wildtiere beim Schweizer Tierschutz. Eine tiergerechte Haltung hätte der Kinderzoo laut Furrer nur mit massiven Investitionen oder gar mit einem Neubau der Anlage gewährleisten können. Investitionen, die man in Rapperswil offenbar nicht machen wollte.

Was mit den vier erwachsenen Seelöwen nach der Schliessung der Anlage Ende Jahr passieren soll, steht derweil noch in den Sternen. Ginge es nach Samuel Furrer, wäre ein Umzug der Tiere vom St. Gallischen Rapperswil ins Thurgauische Lipperswil sinnvoll. «Die Seelöwenanlage im dortigen Connyland ist die beste der Schweiz. Sie zeigt: Wenn man gewillt ist, kann man Seelöwen auch hierzulande tiergerecht halten», sagt Furrer. «Wenn die Lipperswiler Seelöwen sich mit den vier Tieren aus dem Kinderzoo sozial vertragen, wäre ein Umzug ins Connyland eine gute Lösung für die Knie-Seelöwen.»

Das Connyland wollte den Vorschlag auf Anfrage nicht kommentieren. Klar ist: Platz hätte der Thurgauer Freizeitpark. Seit 2013 die letzten Delfine von Lipperswil nach Jamaika verfrachtet wurden, können sich die Connyland-Seelöwen in der grossen ehemaligen Delfin-Lagune austoben. Jetzt müssen sich die Thurgauer und die St. Galler Meeressäuger nur noch gut vertragen.