Bern
Berner Behörden wollen Jugendschiff aus dem Verkehr ziehen

Die Berner Behörden wollen das Segelschiff, auf dem schwierige Schweizer Jugendliche auf hoher See betreut werden, stoppen – per August 2016. Das Schiff sei zu gefährlich, pädagogisch mangelhaft und unkontrollierbar.

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Das Jugendschiff Salomon in ferienidyllischer Umgebung

Das Jugendschiff Salomon in ferienidyllischer Umgebung

jugendschiffe.ch

Die Geschichte sorgte für Aufruhr: Eine Berner Stiftung will schwierige Jugendliche auf einem Hochsee-Segelschiff, das vor der Kapverdischen Insel ankert, auf den rechten Weg führen (wir berichteten).

An Bord sind zehn junge Männer aus der Schweiz und einer aus Deutschland. Jeder Jugendliche auf dem Schiff, das «Salomon» heisst, kostet 430 Franken pro Tag oder gut 150'000 Franken pro Jahr, mitfinanziert von den Behörden.

So lag es nahe, dass das Stiftungskonzept bei den Lesern nicht lange unkommentiert blieb: «Nichts gelernt aus dem Fall 'Carlos'? Es werden weiterhin munter Steuergelder verheizt», so ein Leser der «Nordwestschweiz».

«Es geht nicht mehr lange, da zahlen die Bürger einfach die Steuern nicht mehr», bemerkt eine Leserin, während ein weiterer zynisch anfragt: «Wo muss man sich melden, um solchen Gratisurlaub zu bekommen?»

Nur noch bis 1. August 2016 in Betrieb

Doch nach den harschen Kommentaren auf die nationalen Medienberichterstattungen sollen dem 104 Jahre alten Hochsee-Segelschiff die Segel gelegt werden, wie die «Neue Zürcher Zeitung» heute berichtet. Das kantonale Jugendamt hatte im August 2014 bis zum 1. August 2016 befristet eine Bewilligung erteilt. Danach soll das Sondersetting Segelschiff nicht mehr weitergeführt werden.

So sei das Jugendamt zum Schluss gekommen, dass die Sicherheit der Jugendlichen auf dem Schiff nicht gewährleistet sei, ausserdem gebe es «pädagogische Mängel». Beispielsweise sei es den Jugendlichen kaum möglich, sich zurückzuziehen. Und zudem sei es von Bern aus unmöglich, das Jugendschiff zu beaufsichtigen.

Doch warum wird nicht sofort reagiert und das Schiff gestoppt? Die Behörden begründen dies gegenüber der «NZZ» damit, dass keine Zwischenfälle aktenkundig seien, die einen solchen Schritt rechtfertigen würden.

Kritik vom Berufsverband der Sozialarbeiter

Während bei steuerzahlenden Schweizern vor allem die Kosten kritisiert werden, beanstanden Fachleute das pädagogische Konzept. «Was kann das erzwungene Leben auf dem unter militärisch-nautischem Regime stehenden Schiff an realistischer Vorbereitung auf das Sichbewähren in der Schweiz wirklich bringen?» fragte die berufsethische Kommission von Avenir Social, dem Berufsverband der Sozialarbeiter.

Obwohl die Behörden dem Schiff die Segel streichen wollen, wird die Stiftung versuchen, noch einmal eine Bewilligung zu erzwingen. Man sei derzeit intensiv daran, ein neues Konzept auszuarbeiten. (sha)