Sauber bleiben! Das ist in der Schweizer Armee nicht nur eine Notwendigkeit, sondern eine Haltung. Ordentlich und gepflegt hat ein Soldat zu sein, entsprechend tief greifen die Vorschriften für Verhalten und Tenue. Allein die «Instandhaltung» der Uniform, festgeschrieben im Reglement 51.009d, wird in der Rekrutenschule ausführlich behandelt. Die Rekruten lernen etwa, wie sie ihre Kampfstiefel putzen und polieren müssen. Oder sie werden aufgeklärt, warum der Arbeitsregenschutz «mit einem nassen Lappen zu reinigen ist».

Sauber bleiben. Das gilt erst recht für die Kasernen. Da werden Tische geschrubbt, Abfalleimer ausgewaschen und Staubkörner aus den Ritzen gekratzt, was das Zeug hält. Auch die Zimmerordnung ist kein willkürliches Werk. Dreck im Spind gefährdet die nationale Sicherheit. Schliesslich müssen die Soldaten im Notfall reflexartig nach ihrer Ausrüstung greifen können, und überhaupt: Ein Alltag, der rund um Sekundärtugenden wie Sauberkeit strukturiert ist, kann sinnstiftend wirken.

Sauber bleiben. Das sollen weiterhin auch die Böden der Zeughäuser. Während die Mehrheit der durchpazifizierten Zivilbürger die schöne Kulturtechnik des Putzens geradezu verachtet, rüstet man sich im Verteidigungsdepartement für die nächste Offensive: Die Rüstungsbeschafferin Armasuisse hat Bürsten und Besen im grossen Stil eingekauft.
Dass man sich im Departement von SVP-Bundesrat Guy Parmelin nicht auf hypermoderne Putzroboter oder chemische Keulen verlassen mag, zeugt von Weitsicht. Und wie ein soeben veröffentlichter Zuschlagsentscheid zeigt, ist die öffentliche Auftragsvergabe sogar ein Erfolg für den hiesigen Werkplatz – allen voran für das Toggenburg.

Putzgeräte aus dem Toggenburg

1,36 Millionen Franken überweist die Armasuisse für die Lieferung «verschiedener Besen und Bürsten» an die Ebnat AG in Ebnat-Kappel. Seit 1914 fertigt die «Bürschti», wie die Toggenburger ihre Fabrik nennen, Putzgeräte aller Art. Das klassische «Schüfeli und Bäseli»-Set wird laut Firmenangaben über eine Million Mal pro Jahr hergestellt.
Der Bund muss einen Auftrag öffentlich ausschreiben, sobald die Beschaffung von Waren den Wert von 230 000 Franken überschreitet. Gemäss WTO-Regeln kann auch ein ausländischer Anbieter zum Zug kommen.

In der aktuellen Ausschreibung hat sich die Ebnat AG gegen drei weitere Anbieter durchgesetzt; um welche es sich handelt, wird wie üblich nicht publik gemacht.
Die Ebnat AG habe die gestellten Anforderungen am besten erfüllt, hält die Armasuisse fest. Die in die militärischen Putzkammern berufenen Bürsten und Besen sollen vornehmlich in den Betrieben der Logistikbasis der Armee eingesetzt werden – «zum Gebäudeunterhalt», wie das Neudeutsch heisst.

Der nächste Dreck

«For a clean future.» So bewirbt die Ebnat AG ihre Produkte. «Neue Besen kehren gut», heisst das ja landläufig, und man wäre jetzt versucht, einen grossen Bogen zu der allgemeinen Verfassung der Armee zu spannen.

Man kann die Besen aber auch einfach Besen sein lassen. Ihr Fronteinsatz für mehr Reinheit ist Verdienst genug. Wer den Schmutz besiegt, hat das Prinzip «Pflichterfüllung» definitiv verinnerlicht. Sauber bleiben? Der nächste Dreck kommt bestimmt.