Béglé
Béglé-Rücktritt: Egerszegi hat es kommen sehen

Claude Béglé hat in einer persönlichen Erklärung seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er macht die «polemisch geführte Diskussion über meine Art, die Post zu führen, und die unqualifizierten Angriffe gegen meine Person sowie die damit verbundene öffentliche Diffamierung» dafür verantwortlich. Wir haben die Aargauer Ständerätin Christine Egerszegi zum Rücktritt befragt.

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Claudia Landolt

Für FDP-Ständerätin Christine Egerszegi-Obrist ist Béglés Rücktritt beileibe keine Überraschung. Sie sass bei den Swiss Awards mit Claude Béglé an einem Tisch (und auch dem Team der SF-Rundschau, das Béglé offenbar seit Tagen mied). Béglé hat nicht gewusst, wer Frau Egerszegi ist - obwohl sie Mitglied der Kommission zur Änderung des Postgesetzes ist. Ein Lapsus, den die Badener Ständerätin Béglé gerne nachsieht. Dennoch ist für sie Béglés Rücktritt keine Überraschung. Schon im Vorfeld des Rücktritt sagte sie zu a-z.ch. «Ich finde Béglé passt einfach nicht an die Spitze eines Bundesbetriebes, das sich primär um den internen service public kümmern muss. Er hat seine ganze Berufserfahrung im Auslandgeschäft gemacht (bei Nestlé in mehreren Kontinenten), bei der niederländischen, französischen und deutschen Post.»

Dass Béglé selbst in Postkreisen nach Bekanntwerden seines Engagements in Indien Zweifler hatte und der Kreis seiner Gegner immer grösser wurde, zog Forderungen nach einem Rücktritt nach sich. Noch am Dienstagmittag sagte Egerszegi, angesprochen auf Béglés Auslandskonti: «Er muss aufpassen, dass seine Augen nicht grösser sind als der Magen» Auch auf seine Auslandsstrategie lässt sich dieses Zitat anwenden. Denn, so Egerszegi, habe er auch in den Hearings seine geplante Auslandsstrategie nicht poder unzureichend erwähnt. Für die Badenerin steht aber auch die Person Béglé eien Rolle: «In dieser Position ist jemand vonnöten, der Konsens stiftet, der die verschiedensten Positionen zu vereinen weiss. Womöglich hat ihm das diesbezügliche Feingespür gefehlt. Er war nicht realitätsnah, und andere Jobs gewohnt.« Sie ist sich sicher, dass er mit seiner Strategie die Post in dne Abgrund geritten hätte - «wie die Swissair selig, die Swisscom oder die Rentenanstalt».

Das Departement Leuenberger hat vom Rücktritt von Claude Béglé als Präsident des Post-Verwaltungsrats Kenntnis genommen. Wie das UVEK am Dienstagabend mitteilte, war Bundesrat Moritz Leuenberger bereits am vergangenen Freitagabend über die Gespräche informiert worden, welche die von ihm eingesetzte Arbeitsgruppe mit den Verwaltungsräten, der Konzernleitung sowie einer Vertretung des Kaders der Post geführt hat. Begle sei in der Folge am Dienstag über die Resultate dieser Gespräche informiert worden. Der Bundesrat werde sich nun an seiner Sitzung vom Mittwoch mit der Situation der Post nach dem Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Béglé befassen. In der Arbeitsgruppe waren vom Bund UVEK-Generalsekretär Hans Werder sowie der Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, Peter Siegenthaler, vertreten.