Geschäftsidee
Aus Studenten werden Aktiengesellschaften

Der Verein Studienaktie hilft Studierenden bei der Planung und Finanzierung ihrer Ausbildung. Die Idee ist simpel, aber gut: Ein mittelloser Student auf der einen, ein gut betuchter Investor auf der andern Seite und die Studienaktie dazwischen.

Roman Schenkel
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Der Student Lars Stein verkaufte Anteile an seinem zukünftigen Gehalt.

Der Student Lars Stein verkaufte Anteile an seinem zukünftigen Gehalt.

Das Studium ist teuer, für eine Arbeit neben den Vorlesungen bleibt keine Zeit. Was tun, um an Geld zu kommen? Auch Lars Stein war nach einem halben Jahr Studium in St.Gallen an diesem Punkt. «Ich kann mir mein Betriebswirtschaftsstudium gar nicht leisten», erkannte der 31-jährige Deutsche.

Stein suchte nach Möglichkeiten, sein Studium zu finanzieren. Da die Schweiz nicht Mitglied der Europäischen Union ist, erhielt er keine Stipendien aus Deutschland. Er erinnerte sich an eine Kunststudentin, die ihre Bilder mit dem Versprechen, später eine berühmte Malerin zu werden, an den Mann brachte und sich so ihre Ausbildung finanzierte. «Das Einzige, was ich zu verkaufen hatte, war ein Anteil an meinem zukünftigen Gehalt», so Stein.

2001 gab er die «Lars Stein Privataktien» heraus. Die Aktien à 100 Franken kamen gut an: Schnell waren 15 Personen gefunden, die in seine Ausbildung investierten. In Form eines Darlehens finanzierten sie ihm ein Drittel seines Studiums – rund 30 000 Franken.

Sogar die Eidgenössische Bankenaufsicht wurde auf Stein aufmerksam: «Laut Bankenrecht handelte sich bei meinen Aktien um eine unerlaubte Entgegennahme von Publikumseinlagen.» Da die Anzahl der Investoren aber begrenzt war und diese auch kein Stimmrecht besitzen, konnte das Problem gelöst werden. Zudem werden die Studentenaktien nicht an der Börse gehandelt. Das Wertpapier ist also gar keine richtige Aktie. Aktie hört sich aber bedeutend besser an.

Armer Student, reicher Investor

Die Idee von Studienaktie ist simpel, aber gut. Ein mittelloser Student auf der einen, ein gut betuchter Investor auf der andern Seite – Studienaktie als Vermittler dazwischen. «Bei Studienaktie können Investoren risikoarm und gewinnbringend Geld anlegen», sagt der Präsident von Studienaktie. Rechtlich handelt es sich dabei um ein «partiarisches Darlehen», ein Darlehen mit Erfolgsbeteiligung, welches der Investor dem Studenten gewährt.

Nachdem der Student ins Berufsleben gestartet ist, bezahlt er den Investoren einen bestimmten Prozentsatz seines Jahreslohnes. Je steiler die Karriere, desto höher die Dividende. Wie viel hängt vom Vertrag ab, der mithilfe von Studienaktie abgeschlossen wurde? «Der Vertrag regelt, wie viel Geld fliesst und wann es zu welchem Zinssatz zurückerstattet wird», erklärt Stein. Er selber hat nach Abschluss seines Studiums und nach dem Doktorat 13 der 15 Investoren ausbezahlt. «Zwei Investoren sind noch an meinem Lohn beteiligt», sagt Stein.

Bei Studienaktie geht es aber um mehr als nur ums Geld. «Wir vermitteln Studenten nicht nur Geld, wir helfen ihnen auch bei der Studien- und der Finanzplanung», sagt Stein. Jeder Student muss ausrechnen, was er ausgibt und was er einnimmt. Zudem muss er erklären, was er nach dem Studium erreichen will. «Nur so können wir den künftigen Lohn schätzen.»

241 Studenten haben Studienaktie bisher in Anspruch genommen. «24 Personen haben wir bisher ein Darlehen ermöglicht», sagt Stein. 40 Studenten seien noch im Prozess. Viele merkten bei der Finanzplanung, dass sie gar kein Darlehen brauchen, und zögen sich auf der Suche nach einem Investor zurück. «Wir zeigen unseren Kunden auch alternative Finanzquellen auf», erklärt Stein.

Nicht nur für klassische Studenten

Andreas Aemisegger (59) ist einer der «Aspiranten», so nennt Studienaktie ihre Klienten. Der 8-fache Familienvater musste sich nach dem Jobverlust neu orientieren. Er entschied sich für eine Weiterbildung in Erziehungswissenschaften. «Auf der Suche nach einem Geldgeber bin ich auf Studienaktie gestossen, sie haben mir einen Investor vermittelt», sagt er. Das Darlehen deckte einen Teil seiner Ausbildungskosten. Heute ist Aemisegger Dozent an verschiedenen höheren Fachhochschulen in der Schweiz.

Aemisegger ist jedoch eher die Ausnahme. «Die meisten Aspiranten sind jünger», sagt Stein. Der Grossteil der Aspiranten macht ein Universitätsstudium. Auch die Aspirantin, die von Eva Hecht ein Darlehen erhalten hat. Die Hamburgerin wollte jemanden fördern, «der die Welt verbessern will». Bei einer jungen Wirtschaftsstudentin ist sie fündig geworden. «Mit meiner Investition helfe ich der jungen Frau bei ihrer Ausbildung.»