Urdorf
Aus der (Platz-)Not entstanden

Urdorf musste vor einem Jahr schnell handeln, als die Zahl der Asylsuchenden gestiegen war: Die in drei Monaten erstellte Unterkunft erfüllt die Anforderungen der Gemeinde.

Merken
Drucken
Teilen
Urdorf

Urdorf

Limmattaler Zeitung

Flavio Fuoli

Tag der offenen Tür in der Asylunterkunft Tyslimatt: Am Samstag stellte die Sozialabteilung unter Gemeinderat Andreas Burger und die Betreuungsorganisation ORS einen Bau vor, der vor einem Jahr geplant wurde und den es erst seit einem halben Jahr gibt. Die in Modulbauweise von der Firma De Meeuw gebaute und an die Gemeinde vermietete Unterkunft wurde nämlich aus der Not geboren. 2008 sei der Druck auf die Gemeinden zur Aufnahme von Asylsuchenden gestiegen, erklärte am Samstagmorgen Andreas Burger vor zahlreichen Besuchern. In Urdorf sei jedoch der Platz knapp geworden. Etliche Wohnungen, in der man Asylsuchende einquartiert habe, seien entweder renoviert oder abgebrochen worden. Die Gemeinde habe schnell handeln müssen. «Vor einem Jahr erst hat der Gemeinderat sich für den Modulbau entschieden, und seit einem halben Jahr ist er schon in Betrieb», konnte Burger einer am Thema sehr interessierten Gästeschar vermitteln.

Platz im Tyslimatt

Bei der Standortsuche sei die Gemeinde schnell auf das Tyslimatt gestossen. Auf dem ehemaligen Gelände der Zivilschutzausbildungsanlage wird heute der Werkhof der Gemeinde betrieben. Hier besitzt Urdorf Land, das es für andere Aufgaben nicht benötige, sagte Burger. Es habe deshalb der Gemeinde auch nichts gekostet. Der Platz ist nach Ansicht des Sozialvorstands ideal: nicht im Zentrum und doch nicht allzu abseits.

Das Gebäude besteht aus zwölf Einheiten zu je zwei Zimmern. Eine Einheit wird als Büro und Waschraum benutzt. Elf Zimmer zu vier Betten machen also 44 Asylplätze. Nach Burger koste ein Asylbewerber die Gemeinde bei Vollauslastung pro Monat 360 Franken, was ein günstiger Preis sei.
Roman Della Rossa, Kommunikationschef der Betreiberfirma ORS, lobte den Bau als sehr flexibel nutzbar. Es seien Alleinstehende, aber auch ganze Familien im Tyslimatt unterzubringen. Der Modulbau, ein festes, massives Gebäude, eigne sich besser als etwa ein Containerbau.

Nur 60 Stellenprozente

Die ORS, die im Urdorfer Bergermoos ebenfalls das Durchgangszentrum des Kantons führt, muss für die Betreuung der Bewohner lediglich 60 bis 70 Stellenprozente einsetzen, dazu einen Pikettdienst rund um die Uhr. Ein Asylkoordinator arbeite wie ein Sozialarbeiter. Er führe die Leute hin zu einer selbstständigen Lebensführung. Diese werde schon beim Empfangszentrum beim Bund und auch beim Durchgangszentrum der Kantone gelehrt. Die Ayslkoordinatoren hätten der vielen Nationalitäten wegen eine schwierige Aufgabe zu bewältigen. Es brauche Fingerspitzengefühl, aber auch Konsequenz. «Es braucht klare Regeln hier», weiss Della Rossa.

Die Menschen im Tyslimatt kommen aus Ländern wie etwa Serbien, Äthiopien, Kongo, Elfenbeinküste, Irak oder der Türkei. Nach Della Rossa bleiben sie so lange in Urdorf, bis sich ihr Status verändert habe, respektive sie einen Asylentscheid erhalten haben. Die Aufenthaltsdauer in einer Unterkunft wie im Tyslimatt könne zwischen einem und bis zu acht Jahren dauern.