Michael Nittnaus

Was dem Gemeindespital Riehen droht, das könnte bald auch dem Kantonsspital Laufen blühen. Ginge es nach Madeleine Göschke, Fraktionspräsidentin der Grünen, so müssten sich Patienten aus dem Laufental und dem Thierstein inskünftig ins Kantonsspital Bruderholz begeben, denn «das kleine Spital mit 94 Betten macht betriebs- wie volkswirtschaftlich immer weniger Sinn». Deshalb reicht Göschke an der kommenden Landrats-Sitzung vom 23. April ein Postulat ein und beauftragt die Regierung, zwei Punkte prüfen zu lassen: Zum Einen ob die Gesundheitsversorgung im Laufental auch ohne voll ausgestattetes Spital vor Ort gewährleistet werden könnte. Und zum Anderen, ob eine Integration in das neu geplante Akutspital auf dem Bruderholz realisierbar wäre.

Dass eine solche Überlegung nach der Schliessung in Riehen nicht sehr populär ist, ist Göschke klar: «Ich bin mir bewusst, dass die Bevölkerung im Laufental und im solothurnischen Thierstein wenig Freude daran haben wird, aber für mich steht eine qualitativ hochwertige, medizinische Grundversorgung im Zentrum.» Diese sei bei den geringen Fallzahlen in Laufen nicht mehr gewährleistet. Diesen Zusammenhang bestreitet der Direktor des Kantonsspitals Laufen, Rudolf Mohler, vehement: «Fallzahlen sagen nichts über die Qualität der Versorgung aus. Dafür gibt es Patientenzufriedenheits-Studien, die uns sehr wohl Qualität bescheinigen.» Göschke politisiere mit ihrem Vorstoss klar an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei - für Mohler eine Parallele zu Riehen.

Schon Breitenbach verlor sein Spital

Entscheidende Schwachstelle der Argumentation der Grünen-Landrätin sei ihre Einschätzung des Einzugsgebiets. Für Göschke liegt das Bruderholzspital «nur 20 Kilometer entfernt». Mohler dagegen verweist auf über 40 Prozent Thiersteiner Patienten, die in Laufen stationär behandelt werden: «Unser Einzugsgebiet ist grösser als das des Kantonsspitals Liestal.»

Auch SVP-Landrat Georges Thüring spricht von rund 20 betroffenen Gemeinden und 30 000 Einwohnern. Er hebt damit die Notwendigkeit des Standorts Laufen hervor und erinnert an die Schliessung des Bezirksspitals Breitenbach vor knapp sechs Jahren: «Es war ja damals entscheidend, dass die Thiersteiner Bevölkerung ohne Probleme im nahe gelegenen Laufner Spital versorgt werden konnte.» Thüring sass selbst in der beratenden Kommission, die die Schliessung des Spitals Breitenbach und die Umwandlung ins Alterszentrum Passwang empfahl. «Wenn jetzt der Standort Laufen aufgegeben würde, hätte ich mein Wort gebrochen», so der Grellinger. Auch verweisen sowohl Thüring wie Mohler auf den Laufentaler Vertrag, der beim Übergang des Laufentals ins Baselbiet den Fortbestand des eigenen Spitals garantieren sollte.

200 Arbeitsplätze in Gefahr

«Fürs Thierstein gibt es ja noch das Spital Dornach», entgegnet Göschke. Die Einstellung «jedem Täli si Spitäli» sei veraltet und reiner Luxus. Die Notfallversorgung könne ja auch anders gewährleistet werden. So zum Beispiel durch eine Gemeinschaftspraxis mit durchgehendem Notfalldienst (Permanence). Für Mohler ist dies keine valable Lösung, da es in der Region vor allem ältere Ärzte gebe, denen diese Bürde nicht zugemutet werden dürfe.

Dass eine Schliessung des Kantonsspitals Laufen den Arbeitsplatz von rund 200 Angestellten bedrohen würde, ist sich Göschke bewusst, doch «herrscht auf dem Arbeitsmarkt sowieso ein Mangel an qualifiziertem medizinischem Personal, so dass sicher alle Laufner eine neue Stelle finden würden». Rudolf Mohler warnt dagegen vor Pauschalisierungen: «Auf die spezialisierten Fachkräfte mag das vielleicht zutreffen. Aber was ist mit dem Betriebspersonal oder Frauen mit Kindern, für die ein nah gelegener Arbeitsplatz entscheidend ist?» SVP-Landrat Thüring wundert sich derweil, warum das Postulat von den Grünen kommt: «Schliesslich sind sie vehement gegen Postschliessungen. Warum also nicht bei den Spitälern?»