Militär
Armeechef Rebord: Monsieur Aufrüstung

Korpskommandant und Chef der Armee Philippe Rebord hat das Zeug, die Armee erfolgreich aufzurüsten. Der Romand gilt als kritikfähiger Typ, der auch mit Selbstironie umgehen kann. Von seinem Vorgänger unterscheidet er sich grundlegend.

henry habegger
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KEYSTONE

Als der F/A-18-Kampfjet am Armeechef vorbei auf die Startbahn rollt, salutiert Philippe Rebord (59) vor dem Piloten, der ihn gegrüsst hat. Rebord wirkt nachdenklich und ruhig unter seinem gelben Gehörschutz, er steht etwas abseits von seinen Leuten und beobachtet, wie eine Handvoll Kampfjets einer nach dem anderen vorbei auf die Piste rollt. Die Jets simulieren an diesem Tag Alarmstarts im Luftpolizeidienst.

Vor allem aber geht es am Montag auf dem Flugplatz Payerne VD um die 2,1 Milliarden schwere Armeebotschaft 2017. Sie beinhaltet Verlängerung der Nutzungsdauer des F/A-18, neue Munition, Investitionen ins Funkaufklärungssystem sowie Immobilienprojekte und Rahmenkredite für Armeematerial.

Es ist das erste Investitionsprogramm, das der Westschweizer Rebord als Armeechef präsentiert. Er tut das zusammen mit Bundesrat Guy Parmelin und Rüstungschef Martin Sonderegger.

Ein selbstironischer Typ

Deutlich wird in Payerne: An der VBS-Spitze hat eine Art Zeitenwende stattgefunden. Vorbei sind zumindest vorläufig die Zeiten der grossen Gesten und der grossen Worte. Von der «besten Armee der Welt», wie es Parmelins Vorgänger Ueli Maurer tat, um dann Pleiten und Pannen zu liefern wie den Gripen-Flop, redet keiner mehr. Der neue Armeechef neigt im Unterschied zu Vorgänger André Blattmann weder zu Dramatik noch zum grossen Auftritt. Und eine Kolumne in einer Gratiszeitung, wie Blattmann sie hatte, wird es bei Rebord nicht geben.

«Rebord ist ein ganz anderer Typ als Blattmann», sagt ein VBS-Mitarbeiter. Der Westschweizer, der in Bovernier VS und Lausanne VD heimatberechtigt ist, hat einst Geschichte, Geografie und Französisch studiert, bevor er Berufssoldat wurde. Bei der Präsentation der Armeebotschaft 2017 zeigt sich rasch, dass der ehemalige Kommandant eines Infanterieregiments ein humorvoller, feinsinniger Typ ist. Er lacht viel, auch über sich selbst und sein Deutsch. Als eine seiner Stärken gilt, dass er über Selbstironie verfügt, kein Selbstdarsteller ist und mit Kritik umgehen kann. Vor Offizieren sagte er kürzlich: Sein Auftrag sei, die Weiterentwicklung der Armee (WEA) umzusetzen, es gehe nicht um seine Person: «Wenn ich für Dinge kritisiert werde, die nicht gut laufen, kann ich damit umgehen.»

Rebord gilt als Schaffer, er ist, heisst es, sehr beliebt bei seinen Leuten. In Payerne zeigte sich auch, dass er unkompliziert ist und ohne Dünkel. Er wirkt im Gespräch offen und humorvoll, geduldig und wachsam. Ansatzweise zeigt sich, dass er auch anders kann. «Das ist geheim», antwortet er schroff auf die Frage eines Journalisten, für wie viele Tage künftig die Munition der Armee ausreiche, wenn es zum Ernstfall komme. Als Rebord die langen Gesichter der Medienleute sieht, lächelt er zufrieden vor sich hin.

Die Spitze der Schweizer Armee hat am Montag in Payerne die Armeebotschaft 2017 präsentiert. Kern ist der Antrag auf einen Kredit von 2,1 Milliarden.
8 Bilder
Das Geld will der Bundesrat in den Erhalt der F/A-18-Kampfjets und in neue Munition stecken.
Bundesrat Guy Parmelin (Mitte) und Journalisten verfolgen vor der Pressekonferenz die Vorführung des Projekts "Luftpolizeidienst 24" (LP 24).
Bereitmachen zum Abflug: Ein Pilot besteigt das Cockpit.
Ein letzter Blick in die Kamera, bevor es losgeht. Piloten sitzen im Cockpit kurz vor dem Start eines F/A-18 Flugzeugs, waehrend der Vorfuehrung des Projekts "Luftpolizeidienst 24" (LP 24), bei der Praesentation der Armeebotschaft 2017, am Montag, 27. Maerz 2017 in Payerne. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Parmelin: "Die Schweiz muss sich gegen neue Bedrohungen wappnen."
Martin Sonderegger, Rüstungschef der Schweizer Armee.
Korpskommandant und Chef der Armee, Philippe Rebord.

Die Spitze der Schweizer Armee hat am Montag in Payerne die Armeebotschaft 2017 präsentiert. Kern ist der Antrag auf einen Kredit von 2,1 Milliarden.

PETER KLAUNZER

Hart in der Sache

Sanft im Ton, hart in der Sache. Rebord ist, und auch da passt er zu seinem Chef Parmelin, kein Mann der grossen Töne. Er bringt Ruhe ins VBS und hat die Grösse, sich nicht von seinem Vorgänger abzugrenzen. Er fahre dort weiter, wo Blattmann aufgehört habe, sagte er kürzlich vor Offizieren.

Im VBS ist eine neue Sachlichkeit und Zielstrebigkeit eingekehrt, die Armeegegnern zu denken geben müsste. Es würde nicht erstaunen, wenn das welsche Duo recht erfolgreich wäre mit seinen Plänen, in den nächsten Jahren in der Luft und am Boden kräftig aufzurüsten. Für Rebord scheint klar, dass die Armee mehr als fünf Milliarden pro Jahr brauchte, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Unter anderem auch, um eine sehr stattliche Anzahl von neuen Kampfflugzeugen kaufen zu können.

Dazu gehört auch der Ausbau des Luftpolizeidienstes, der in Payerne vorgeführt wurde. Schrittweise wird der Dienst ausgebaut, ab 2020 sollen zwei bewaffnete Jets permanent einsatzbereit und innert 15 Minuten in der Luft sein. Bis letztes Jahr waren sie nur zu «Bürozeiten» in Betrieb.

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