Muss ein Heimpatient operiert werden, kehrt er häufig mit vielen neuen Medikamenten ins Heim zurück, die sich zum Teil nicht mit jenen vertragen, die der Patient vom Hausarzt verschrieben bekommen hat. Nun gibt es Heime, in denen dieser Pillenmix von einem Apotheker kontrolliert und auf die Bedürfnisse des Patienten angepasst wird.

Das Problem: Fast kein Kanton vergütet diese Leistung. Apotheker verdienen nur, wenn sie Medikamente verkaufen, nicht wenn sie welche einsparen.

Geht es nach dem Ständerat, soll sich das nun ändern. Apotheker sollen ihre Leistungen aus der Grundversicherung vergütet erhalten, wenn sie während einer Behandlung keine Medikamente abgeben. Den Vorstoss von CVP-Ständerat Erich Ettlin (OW) hat der Rat ohne Gegenstimme gutgeheissen. Die Ständeräte waren sich einig: Gerade die Apotheker könnten Leistungen effizient und günstig erbringen. Der Patient müsse dafür nicht jedes Mal einen Arzt bemühen.

Der Befreiungsschlag

Als konkretes Beispiel dient das Freiburger Heimmodell, wo sich die Heime für den Medikamentenkauf zusammenschlossen, um günstig einzukaufen und Rabatte auszuhandeln. In jedem Heim amtet zudem ein Apotheker, der die Kompatibilität der Medikamente überprüft. Indem er Originalpräparate mit günstigeren Generika ersetzt und unnötige Medikamente absetzt, sparen die Heime zusätzlich Geld.

Laut dem Freiburger CVP-Ständerat Beat Vonlanthen könnten so jährlich etwa 4 Millionen Franken gespart werden. Das sind 4 Millionen weniger Prämienlast. Eigentlich sollten deshalb auch die Krankenkassen ein Interesse daran haben, das Modell schweizweit einzuführen. Nur stellten die Versicherer Mitte Jahr fest, dass das Freiburger Modell nicht gesetzeskonform ist.

Und weil sich Heime und Versicherer trotz Vermittlerrolle der Freiburger Regierung nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen konnten, müssen die Heime nun ihr System umstellen. Für Vonlanthen ist die angestrebte Gesetzesänderung der Befreiungsschlag: «Das kostensparende Modell ist so in Zukunft auch andernorts leicht anwendbar.» So könne landesweit gespart werden.

Der Vorteil

Die Heime sind freilich nur ein Beispiel, wie Apotheker ihre Dienste ausbauen können. Ein weiteres Beispiel sind Impfungen. Der Neuenburger Ständerat Didier Berberat (SP) erklärte, dass ein Patient die Impfung nur dann vergütet erhält, wenn sie von einem Arzt verschrieben wird.

Bei einer einzelnen Impfung, die 30 bis 45 Franken koste, sei das kein Problem für den Apotheker. «Gesunde Leute können das auch aus der Tasche zahlen, da es sowieso nicht der Franchise unterliegt.» Brauche der Patient hingegen eine teurere Impfung, wie jene gegen das HP-Virus, die mehrmals 200 Franken kostet, dann gehe der Patient zum Arzt, weil die Kosten dann von der Krankenkasse übernommen werden.

Dabei, so Berberat, würden Apotheken gerade Kunden ansprechen, die sonst nicht zum Arzt gehen. «Sie stehen also nicht mal in der Konkurrenz zu den Ärzten.»

Der Haken

Und hier sind wir beim kritischen Punkt: Mit dieser Änderung eröffnet das Gesetz neuen Personen die Möglichkeit, über die Krankenkasse abzurechnen, wie Gesundheitsminister Alain Berset gestern sagte. Da müsse man vorsichtig sein. Identische Forderungen stellen Psychologen und Pflegefachleute. «Je mehr Leistungserbringer wir zulassen, desto grösser ist das Risiko, dass die Kosten steigen.» Trotzdem will der Bundesrat die Idee nun prüfen.

Entschieden dagegen stellt sich Verena Nold, Direktorin des Versicherungsverbands Santésuisse: Diese Änderung löse nur zusätzliche Kosten aus. «Jeder neue Leistungserbringer, der über die obligatorische Krankenversicherung abrechnen kann, ersetzt nicht bestehende Leistungen, sondern ergänzt sie», sagt Nold. Dass Ettlins Vorstoss die anstehende Debatte im Nationalrat übersteht, ist deshalb zu bezweifeln.